Junge Wissenschaftlerin feiert mit innovativer Studie zur Erkrankung von Nebennieren großen Erfolg

Radiologisches Universitätsinstitut aus Minden mischt die Forschung auf

Radiologisches Universitätsinstitut aus Minden mischt die Forschung auf: Dr. med. Julius Niehoff, Denise Schönbeck und Professor Dr. med. Jan Borggrefe.

Das Universitätsinstitut für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin hat seit dem Beginn der Tätigkeit von Direktor Univ.-Professor Dr. med. Jan Borggrefe vor zwei Jahren, 50 wissenschaftliche Arbeiten erfolgreich abgeschlossen und in international anerkannten Zeitschriften veröffentlicht. „Die Sonderstellung unseres Klinikums prädestiniert uns für eine interdisziplinäre und praxisrelevante Forschung. Dabei geht es immer darum, konkrete Lösungen für bestehende Probleme in der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen zu finden“, sagt Dr. med. Julius Niehoff, wissenschaftlicher Koordinator des radiologischen Universitätsinstituts. 

Jüngstes Beispiel ist die wissenschaftliche Arbeit der Assistenzärztin und Nachwuchswissenschaftlerin Denise Schönbeck. Eine Studie, an der sie im Rahmen ihrer Promotionsarbeit mitgearbeitet hat, ist kürzlich in der radiologischen Fachzeitschrift „Radiology“ veröffentlicht worden, welche mit einem Impact Faktor von 29 zu den renommiertesten, wissenschaftlichen Fachzeitschriften weltweit gehört. „Das ist absolute Champions League“, sagt Univ.-Professor Dr. med. Jan Borggrefe. Die Studie beschäftigt sich mit Raumforderungen in den Nebennieren. „In diesen kleinen Organen finden wir bei bildgebenden Untersuchungen vergleichsweise häufig gutartige Raumforderungen als Zufallsbefunde. In seltenen Fällen können diese Wucherungen aber auch bösartig sein“, erklärt Dr. Niehoff. „Frau Schönbeck hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit in Zusammenarbeit mit weiteren Wissenschaftlern aus Minden und Köln eine Methode untersucht, mit der diese Raumforderungen in den Nebennieren im Photon Counting CT hinsichtlich ihrer Gut- oder Bösartigkeit eingeschätzt werden können“, erklärt Univ.-Professor Dr. med. Jan Borggrefe. So bleibt den Patientinnen und Patienten im Fall eines gutartigen Tumors in der Nebenniere weitere Diagnostik oder gar eine Operation erspart.   

„Der Zufallsbefund trifft die meisten Patientinnen und Patienten völlig überraschend. Die Ergebnisse unserer Forschungsgruppe helfen dabei, bereits in der Erstuntersuchung mit dem Photon Counting CT eine Einstufung des Tumors als gut- oder bösartig vorzunehmen. Im Alltag erfahren die Patientinnen und Patienten erst dann von dem Befund, wenn bereits klar ist, dass es sich um einen harmlosen und gutartigen Zufallsbefund handelt. Sollten noch Zweifel an der Diagnose bestehen, leiten wir natürlich trotzdem eine weiterführende Diagnostik ein. Diagnostische Sicherheit hat natürlich oberste Priorität“, sagt die Assistenzärztin und Nachwuchswissenschaftlerin Denise Schönbeck. „Diese Arbeit ist ein schönes Beispiel wie wissenschaftliche Erkenntnisse direkt den Patientinnen und Patienten zu Gute kommen. Wir haben die Ergebnisse unmittelbar in unsere klinischen Routinen mit aufgenommen“, sagt Dr. Jan Robert Kröger, geschäftsführender Oberarzt des radiologischen Universitätsinstituts in Minden. 

Mit der Veröffentlichung der Studie in der hochkarätigen radiologischen Fachzeitschrift hat Denise Schönbeck nicht gerechnet: „Mir war bewusst, dass unsere Forschungsgruppe an einem sehr wichtigen und relevanten Thema arbeitet. Diesen Erfolg habe ich mir aber im Traum nicht vorstellen können. Das liegt unter anderem an der sehr guten Betreuung und der exzellenten medizintechnischen Ausstattung an unserem Universitätsinstitut. Das Photon Counting CT ist erst seit wenigen Monaten am Johannes Wesling Klinikum im Einsatz und dennoch können wir bereits eine große Anzahl an klinischen Untersuchungen vorweisen. Ohne diese einmalige Möglichkeit hätten wir die Forschungsarbeit nicht durchführen können“, sagt Denise Schönbeck. Ihr Chef und Doktorvater Univ.-Professor Dr. med. Jan Borggrefe bestätigt diese Einschätzung: „Aktuell sind weltweit ca. 35 Photon Counting CTs im klinischen Einsatz, eines der ersten beiden Geräte stand in Minden. Im internationalen Vergleich haben wir bislang die meisten Untersuchungen durchgeführt und sind hinsichtlich der täglichen Untersuchungszahlen neben der New York University eine der führenden Kliniken.“

Als „Doktorin“ darf sich Denise Schönbeck trotz der hochrangigen Veröffentlichung noch nicht bezeichnen. Es fehlt noch die „Verteidigung der Dissertation“. Das ist ein Vortrag vor einer unabhängigen Fachjury, die versucht Schwachstellen und Fehler in der Promotionsarbeit zu finden. „Da mache ich mir in diesem Fall aber überhaupt keine Sorgen“, sagt Univ.-Professor Dr. med. Jan Borggrefe lachend. Wie es anschließend weitergeht? „Das lasse ich auf mich zukommen. Erstmal freue ich mich über den Erfolg der Studie. Neben der Promotion darf ich meine Weiterbildung zur Fachärztin für Radiologie natürlich nicht aus den Augen verlieren. Aber auch wissenschaftlich werde ich weitermachen, mich in Forschungsgruppen engagieren und weitere Studien durchführen. Mal sehen, wohin mich die Wissenschaft noch so treibt“, sagt Denise Schönbeck.


Photonen-Counting-CT 


Das Photon Counting CT ist eine innovative Technologie an der weltweit über 20 Jahre geforscht wurde. Im vergangenen Jahr hat Siemens Healthineers die Marktreife der Technologie verkündet und den ersten CT Scanner mit dieser neuen Technologie auf den Markt gebracht. 
An den Detektoren herkömmlicher CTs werden Röntgenstrahlung zunächst in sichtbares Licht umgewandelt, welches anschließend auf einen Lichtsensor trifft und schließlich in ein elektrisches Signal umgewandelt wird. Der neue quantenzählende Detektor des Photon Counting CTs verzichtet auf den Zwischenschritt, der Umwandlung von Röntgenphotonen in sichtbares Licht. Die Röntgenphotonen werden direkt in elektrische Signale umgewandelt und gezählt. Informationen über die Energie der einzelnen Photonen bleiben dabei erhalten. Bildschärfe und Bildkontrast werden deutlich verbessert, die angewandte Röntgenstrahlendosis kann verringert werden und die zusätzlich gewonnenen Bildinformationen erlauben eine spezielle Nachbearbeitung der Bilder. In der Radiologie werden Photon Counting CTs als eine „Revolution“ betrachtet, die den Ärzten ein ungeahntes Spektrum an diagnostischen Möglichkeiten eröffnet.

Klinikfinder