09.07.2019

Mediziner am Uni-Klinikum arbeiten ohne Strahlung

Moderne Verödungstechnik von Herzrhythmusstörungen

Von links: Dr. Alexander Samol, Dr. Sven Kaese, Katharina Pankraz, Jessica Nikolaus, Susanne Kranzusch-Lücking, Anke Bekemeyer und Dr. Blerim Luani.Patienten, die im Elektrophysiologie-Herzkatheterlabor behandelt werden, profitieren von strahlungsfreien Verfahren.


Patienten, die im Elektrophysiologie-Herzkatheterlabor behandelt werden, profitieren von strahlungsfreien Verfahren.

Der Leitende Oberarzt Dr. Blerim Luani und der Direktor der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin PD Dr. Marcus Wiemer.

Die Röntgendiagnostik ist seit mehr als 100 Jahren wichtiger Bestandteil der Medizin. Dank Röntgenstrahlen können Mediziner in das Innere des Körpers schauen. Auch in der Kardiologie wird Röntgendiagnostik genutzt, beispielweise bei der Herzkatheteruntersuchung. Doch Röntgenstrahlen gehören zu den ionisierenden Strahlen und stehen im Verdacht, auch in geringen Dosen zu Krebserkrankungen führen zu können. Aus diesem Grund sind Forscher auf der ganzen Welt damit beschäftigt, die Strahlenbelastung in der Medizin auf ein Minimum zu reduzieren. Die elektrophysiologische Abteilung der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin am Johannes Wesling Klinikum verwendet, wo immer es geht, sogenannte Mapping-Systeme und intrakardiale Ultraschallkatheter, um die Strahlenbelastung für Mitarbeiter und Patienten so gering wie möglich zu halten.  

Mithilfe eines Mapping-Systems werden dreidimensionale Modelle des Herzens durch Abtasten der Innenwände erstellt. Anhand dieser Modelle können die erfahrenen Kardiologen der Elektrophysiologie-Abteilung des Johannes Wesling Klinikums den Eingriff am Herzen komplett ohne Strahlenbelastung durchführen. „Die Anwendung und der Vergleich von unterschiedlichen strahlungsfreien Navigationsmethoden in der Elektrophysiologie stellt eines der wichtigsten wissenschaftlichen Forschungsprojekte unseres jungen Universitätsklinikums dar“, erklärt Privatdozent Dr. Marcus Wiemer, Direktor der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin.

Die strahlungsfreien Verfahren am Johannes Wesling Klinikum haben ganz praktische Vorteile für die Patientinnen und Patienten. „Insbesondere profitieren davon Schwangere aber auch Kinder und Jugendliche, welche in unserem Elektrophysiologie-Herzkatheterlabor routinemäßig behandelt werden“, „“ sagt der Leiter der Elektrophysiologie-Abteilung und Leitender Oberarzt Dr. Blerim Luani. Auch für das Personal ist jede strahlungsfreie oder strahlungsarme Untersuchung ein echter Gewinn. Um sich vor Strahlung während eines Standardeingriffs zu schützen, tragen alle Ärzte und Mitarbeiter schwere Bleischürzen. Eine Schürze kann bis zu zehn Kilogramm wiegen, die für Stunden um den gesamten Körper herumgetragen werden muss. „Nicht wenige Mitarbeiter entwickeln aufgrund des enormen Gewichts im Laufe der Jahre orthopädische Erkrankungen. Aus diesem Grund sind wir froh über jede Minute, in der wir die Schürze nicht tragen müssen“, sagt Privatdozent Dr. Wiemer.

In Zukunft will die Klinik für Kardiologie noch weitere strahlungsarme und strahlungsfreie Eingriffsmöglichkeiten testen und weiterentwickeln. „Unser Ziel ist es, immer mehr kardiologische Eingriffe mit weniger oder gar keiner ionisierenden Röntgenstrahlung anbieten zu können“, sagt Privatdozent Dr. Wiemer. 

Was passiert bei einem elektrophysiologischen Eingriff?
Die Elektrophysiologie beschäftigt sich mit Herzrhythmusstörungen. Beim heutigen Stand der Wissenschaft sind die meisten Herzrhythmusstörungen behandelbar. Hierzu werden vor allem Medikamente aber zunehmend auch die sogenannte Katheterablation (Verödung) angewendet. Dabei wird während des Eingriffs eine kontrollierte Herzrhythmusstörung ausgelöst. So können die Experten genau sehen, wo und wie die Rhythmusstörung entsteht. Mithilfe eines Verödungskatheters kann noch während der Untersuchung die entsprechende Stelle am Herzen verödet werden. Diese Behandlungsmethode stellt zumeist eine dauerhafte und endgültige Heilung der Herzrhythmusstörungen dar. Die dauerhafte Einnahme von Medikamenten ist nach dem Eingriff zumeist unnötig.

Zur Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin des Mindener Uniklinikums geht es hier.