23.09.2020

Vertrauliche Spurensicherung

Anlaufstelle für Betroffene von häuslicher und sexualisierter Gewalt

Psychologin Heide Kluck ist stellvertretend für den Arbeitskreis Ansprechpartnerin der Kampagne.


„Lass Spuren sichern“ steht in großen weißen Buchstaben auf dem Infoflyer, den Heide Kluck in der Hand hält. Der sechsseitige Flyer trägt den Titel der gleichnamigen Kampagne zur vertraulichen

Spurensicherung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt, mit der Heide Kluck und die Mühlenkreiskliniken auf das Angebot aufmerksam machen wollen. „Gerade in der jetzigen Zeit ist es wichtiger denn je, dass Betroffene wissen, wo sie Hilfe finden“, sagt Kluck, die als Psychologin im Johannes Wesling Klinikum Minden arbeitet. Gemeinsam mit einem Arbeitskreis, bestehend aus Mitgliedern verschiedener regionaler sozialer Institutionen, hat sie die Kampagne in den Kreis Minden-Lübbecke geholt.

Immer mehr Menschen sind von seelischer, körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen, die sich quer durch alle Gesellschaftsschichten gegen Kinder, Jugendliche, Partner, ältere oder behinderte Menschen richten kann. Für Betroffene einer Gewalttat, die noch unentschlossen sind, ob sie Anzeige erstatten wollen, bieten die Mühlenkreiskliniken die vertrauliche Spurensicherung in den Notaufnahmen des Johannes Wesling Klinikums Minden und des Krankenhauses Bad Oeynhausen an. „Wenn nahestehende Personen wie etwa der Partner, der Ehemann, die Ehefrau oder die Eltern gewalttätig werden, kann es schwer sein, sie anzuzeigen. Um die Beweise einer Gewalttat trotzdem sichern zu lassen, gibt es die vertrauliche Spurensicherung“, erläutert Kluck. Mithilfe einer Untersuchung und gerichtsfesten Dokumentation von Verletzungen tragen geschulte Ärzte dabei Material für ein möglicherweise späteres Gerichtsverfahren zusammen. Die gesicherten Spuren werden dann bis zu zehn Jahre in der Gerichtsmedizin in Düsseldorf aufbewahrt. In dieser Zeit können Betroffene entscheiden, ob sie gerichtliche Schritte einleiten wollen. Nach Aufnahme der Spuren wird ein Zahlencode ausgehändigt, der den gesicherten Beweisen zugeordnet ist. „Nur mit diesem Code können Betroffene das Material für die Polizei freigeben“, so Kluck.

Zum Arbeitskreis, in dem der Leitfaden für die Spurensicherung erarbeitet wurde, gehören Vertreter der Kriminalpolizei Minden, der Fachberatungsstellen Wildwasser e.V. und Mannigfaltig Minden-Lübbecke e.V., des Förderkreises für psychisch Erkrankte Club 74 e.V., des Wittekindshofs, der Jugendämter der Stadt Minden und des Kreises Minden-Lübbecke, eine Fachanwältin für Opferschutzrechte, Vertreter der Beratungsstelle für Schul- und Familienfragen, des Weißen Rings sowie der Kinderklinik, Frauenklinik und Notaufnahme des Johannes Wesling Klinikums Minden. Die spezialisierten Beratungsstellen „Wildwasser e.V.“ und „mannigfaltig Minden-Lübbecke e.V.“ sind darüber hinaus Ansprechpartner für Frauen und Männer bei sexueller Gewalt. Beide Initiativen bieten kostenlose Beratungen an, die der Schweigepflicht unterliegen. Das Projekt wird vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Weitere Informationen zur vertraulichen Spurensicherung und Infomaterial gibt es im Internet unter www.muehlenkreiskliniken.de/vs.

Informationen für die Spurensicherung

  • K.o.-Tropfen und andere Betäubungsmittel sind bis zu zwölf Stunden nachweisbar. Schnelles Handeln ist notwendig, möglichst innerhalb von 24 Stunden.
  • Bitte nicht duschen.
  • Die getragene Kleidung bitte nicht waschen oder wechseln.
  • Bewahren Sie Wäschestücke, die Sie bei der Gewalttat getragen haben, ungewaschen in einer trockenen Papiertüte auf und bringen Sie diese zur Untersuchung mit.
  • Die Untersuchung ist vertraulich und kostenlos.
  • Sie können eine Person Ihres Vertrauens mitbringen.

 

Die Notaufnahmen sind wie folgt telefonisch erreichbar:
Johannes Wesling Klinikum Minden unter den Rufnummern 05 71 / 790-14 00 (Erwachsene) und 05 71 / 790-10 80 (Kinder), Krankenhaus Bad Oeynhausen unter der Rufnummer 0 57 31 / 77-11 67.

Gewaltopfer, die bereits sicher sind, dass sie eine Anzeige erstatten wollen, sollten sich direkt an die Polizei wenden. Diese wird alle notwendigen Schritte einleiten. Die Kripo Minden ist unter der Rufnummer 05 71 / 8 86 60 (Vermittlung) erreichbar. Sollten Betroffene medizinische Hilfe benötigen, wenden sie sich an die nächstgelegene Kliniknotaufnahme. Diese informiert auf Wunsch die Polizei.