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28.09.2017

Wenn der Gesichtschirurg das Bein operiert

Johannes Wesling Klinikum erweitert Angebot plastisch-rekonstruktiver Chirurgie

Die plastische Rekonstruktion von Gewebedefekten ist Teamarbeit. Gemeinsam mit seinen Kollegen setzt PD Dr. Dr. Martin Scheer (Mitte) alles daran, seinen Patienten eine baldige Genesung zu ermöglichen.

Der Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie im Johannes Wesling Klinikum PD Dr. Dr. Martin Scheer bei einem Eingriff.

Wenn großflächige und tiefgreifende Wunden an Armen, Beinen oder am Rumpf schlecht heilen, Sehnen oder Knochen nach einem Unfall freiliegen, können sich die betroffenen Stellen schnell entzünden. Um die Gewebedefekte zu schließen, eine Infektion zu vermeiden und die Funktion wieder herzustellen, ist zeitnahe ärztliche Hilfe gefragt. Im Johannes Wesling Klinikum Minden ist hierfür immer öfter die Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie (MKG) im Einsatz. Seit etwa einem Jahr bieten Klinikdirektor Privatdozent Dr. Dr. Martin Scheer und sein Team die plastische Rekonstruktion von Gewebedefekten an den Extremitäten und am Rumpf an. Als eine von deutschlandweit nur wenigen Kliniken ist die Mindener Klinik in Kooperation mit anderen chirurgischen Bereichen des Johannes Wesling Klinikums damit Vorreiter auf dem Gebiet.

Im ersten Moment klingt es kurios, wenn der Gesichtschirurg außerhalb des Kopf- und Halsbereichs operiert. In der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Mindener Universitätsklinikums werden Gewebedefekte an Kopf und Hals allerdings schon immer mit Transplantaten aus anderen Körperregionen rekonstruiert. „Wir entnehmen Gewebe aus dem Unter- oder Oberschenkel, der Schulter, der Brust, dem Schulterblatt oder dem Bauch“, sagt Klinikdirektor PD Dr. Dr. Martin Scheer. Eingriffe an anderen Körperstellen sind für die MKG-Chirurgen damit Alltag. Neben der Behandlung von Gesichtsverletzungen, Gesichtsfehlbildungen und bösartigen Neubildungen im Gesichts- und Halsbereich gehört die plastisch-rekonstruktive Chirurgie zum Spezialgebiet der Chirurgen. „Wir führen regelmäßig rekonstruierende Operationen durch, zum Beispiel nachdem wir einen Tumor am Kopf oder Hals entfernt haben“, so Scheer. Mittels Verpflanzung von körpereigenem Gewebe mit den zugehörigen versorgenden Blutgefäßen oder einer Lappenplastik werden die betroffenen Stellen dann verschlossen. „Bei einer Lappenplastik entnehmen wir zum Beispiel einen Haut-Muskellappen aus dem Oberschenkel, um den Defekt im Kopf-Halsbereich damit zu schließen“, erklärt Scheer. Nichts anderes werde bei der Extremitätenrekonstruktion an Armen, Beinen und Rumpf gemacht.

Das erweiterte Behandlungsgebiet ist möglich, da alle im Team der Mund-, Kiefer- und Plastischen Gesichtschirurgie des Mindener Universitätsklinikums Experten auf dem Gebiet plastisch-rekonstruktiver Chirurgie sind. „Jahrelang angewendete Techniken und Erfahrungen in Kombination mit entsprechenden Zusatzausbildungen machen es möglich, interdisziplinäre Rekonstruktionen am ganzen Körper durchzuführen“, erklärt Scheer. Dies geschehe immer in Kooperation mit der überweisenden Klinik. Bislang hat das Team der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie mehrere Patienten mit offenen Wunden an Armen und Beinen betreut. Die meisten von ihnen wurden nach Unfällen in der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie behandelt, die die MKG-Chirurgie hinzugezogen hat. „Da die stationäre Behandlung nach einer schweren Verletzung mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann, ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den anderen Kliniken des Johannes Wesling Klinikums von herausragender Bedeutung“, betont Scheer. Die Rekonstruktion von Gewebedefekten gehe dabei weit über kosmetische Eingriffe hinaus. „Unser Ziel ist es, schwerwiegende Verletzungen an Extremitäten und am Rumpf optimal zu versorgen. Hierfür stellen wir die gesamte Bandbreite der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie, insbesondere in Bezug auf den mikrovaskulären Gewebetransfer – also den Transfer der Blutgefäße der Haut – zur Verfügung. Wir wollen unseren Patienten eine baldige Entlassung und schnelle Wiedereingliederung in das Berufs- und Privatleben ermöglichen. Jeder Fachbereich steuert dafür seinen Teil bei“, so Scheer.