Knorpelchirurgie

Häufige Ursache für Gelenkbeschwerden stellt der Knorpelschaden dar. Insbesondere das Kniegelenk ist hierbei betroffen. Die Ursachen für das Auftreten eines Knorpelschadens im Kniegelenk sind vielfältig: (Sport)Unfälle, Achsfehlstellungen, Verletzungen des Kapselbandapparates oder Nekrosen im Rahmen einer Osteochondrosis dissecans. 

Aufgrund der geringen Regenerationsfähigkeit des hyalinen Gelenkknorpels sind in der Vergangenheit die Therapiemöglichkeiten begrenzt gewesen.

Das heutige moderne Therapiemanagement basiert auf drei Säulen:

  • Die konservative Therapie, z.B. mit Krankengymnastik, Ultraschall, Lymphdrainage und Magnetfeldtherapie
  • Die medikamentöse Therapie mit der oralen Gabe von Chondroitin und Glucosamin, sowie der Infiltration von Hyaluronsäurederivaten
  • Die operative Therapie

Nach Versagen der ersten beiden Therapiekonzepte und in Abhängigkeit von der Genese und des Ausmaßes der Knorpelläsion stellt die operative Versorgung das Mittel der Wahl dar. Zunächst muss das betroffene Gelenk einer eingehenden Diagnostik unterzogen werden. Nach eingehender Anamneseerhebung erfolgt die weitere bildgebende Diagnostik mittels Röntgen-Standardaufnahmen des Gelenkes in 2 Ebenen und oftmals eine kernspintomographische (MRT, NMR) Untersuchung. Mit dieser kann man den Grad und das Ausmaß des Knorpelschadens abschätzen. Im gemeinsamen Gespräch mit dem Patienten wird die weitere Therapie festgelegt.

Für die operative Versorgung einer Knorpelläsion stehen, je nach Ausmaß der Läsion verschieden Techniken zur Verfügung. Diese unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Invasivität und ihrer Wirkmechanismen.

1. Abtragen störender Knorpelanteile
Dieses Verfahren ist arthroskopisch durchführbar, wobei kleine Fasszangen oder kleine rotierende Fräsen (Shaver) die Oberfläche des Knorpels glätten.

2. Induktion von Faserknorpel (= Ersatzknorpel)
Auch dieses Verfahren zählt zu der Gruppe der arthroskopischen Gelenkeingriffe. Hierbei wird nach Glättung der Läsionsränder entweder mittels eines feinen Drahtes der Restknorpel bis zum subchondralen Knochen aufgebohrt (Pridie-Bohrung) oder die Skleroseschicht mit Hilfe eines feinen Meißels durchbrochen (Microfrakturierung). Hierdurch entsteht aus den freigesetzten Stammzellen sog. Ersatz-oder Faserknorpel. Die Knorpeldefekte sollten hierbei eine Größe von 1–3 cm² nicht überschreiten.

Defekte mit einem Durchmesser von mehr als 15 mm erfordern Techniken, die eine Transplantation von knorpelbildenden Zellen ermöglichen. Hierzu zählen die OCT (osteochondrale autologe Transplantation) und die ACT (autologe Chondrozytentransplantation), sowie die MACT (matrixassoziierte autologe Chondrozytentransplantation). Die Auswahl der Verfahren richtet sich nach dem Durchmesser und der Lokalisation des Defekts. Wir führen in unserem Haus die ACT und die MACT offen chirurgisch durch.

  • Bei der OCT werden Knochen-Knorpelzylinder aus einer minder belasteten Region des Kniegelenks entnommen und danach im Press- Fit Verfahren in den Knorpeldefekt angepasst.
  • Die MACT hat das Ziel einen tiefen Knorpeldefekt vollständig mit qualitativ gleichwertigem Gewebe aufzufüllen. Der unter dem Knorpeldefekt gelegene sogenannte subchondrale Knochen muss dafür intakt sein. Diese Methode ist für Knorpeldefekte von 2–9 cm² geeignet. In offener Technik wird der Knorpeldefekt vorbereitet,. Dann wird das benötigte Transplantat aus dem matrixassoziierten Knorpeltransplantat mit einer Formstanze ausgeschnitten und die Matrix mit den Knorpelzellen in den vorbereiteten Defekt eingeklebt.
  • Im Rahmen der ACT (auch AMIC genannt), die häufig bei Knorpeldefekten mit auch darunterliegenden Knochendefekten durchgeführt wird, erfolgt eine Glättung der Ränder der Knorpelläsion und eine Anbohrung des darunterliegenden Knochens, um dann den Defekt mit autologer Spongiosa (Schwammknochen) aufzufüllen und mittels einer Kollagen II/III-Membran zu decken.

Alle Eingriffe am Knorpel eines Gelenks bedürfen jeweils eines speziellen postoperativen Managements. Hierzu zählen gesonderte krankengymnastische Techniken, Kyrotherapie, Muskelstimulation, Ultraschall, Lymphdrainage und die Limitierung der Belastung und des Bewegungsausmaßes mit Hilfe orthopädischer Orthesen.

Zusammenfassend muss man konstatieren, dass in der heutigen Zeit genügende Therapieregime beim Vorliegen einer Knorpelläsion zur Verfügung stehen. Der wichtigste Faktor ist die rechtzeitige Diagnosestellung, um die entsprechende Therapie einleiten zu können.