Bandscheibenvorfälle

Wie ist eine Bandscheibe aufgebaut?
Bandscheiben bestehen aus gegenläufig in Wendeln verlaufenden Fasern, die einen Ring bilden. In dem darüber und darunter liegenden Wirbel sind die Fasern verankert und halten so den Ring stabil zwischen den Wirbeln. Die Fasern umgeben einen Gallertkern, der zunächst einen sehr hohen Flüssigkeitsgehalt aufweist. Nach dem Prinzip einer Bandscheibe ist auch zum Beispiel ein Reifen konstruiert. Aussen eine Hülle, die sich Formänderungen anpassen kann und im Inneren einen unter Druck stehenden, ebenfalls verformbaren Inhalt hält.

Die Bandscheibe zwischen 5. Lendenwirbel und Kreuzbein ist teilweise in den Rückenmarkkanal ausgetreten (= Bandscheibenvorfall)


Wie entsteht ein Bandscheibenvorfall?

Während des Alterungsprozesses des Körpers treten natürlich auch Verschleißbedingte Veränderungen an den Bandscheiben auf. Diese können den Gallertkern betreffen, der hauptsächlich an Flüssigkeit verliert und dadurch an Volumen verliert, so als würde Luft aus dem Reifen entweichen. Aber auch die Faserhülle kann spröde werden, so dass einzelne oder viele Fasern zerreissen. Wie bei dem Beispiel des Reifens bei einem Riss in der Aussenhaut die Luft entweicht, so kann bei dem Bandscheibenvorfall der Gallertkern durch den Druck entweichen. In der Fachsprache heißt dies „Nucleus Pulposus Prolaps", abgekürzt NPP. In den meisten Fällen wird dies in Richtung des Rückenmarkkanals erfolgen, weil hier einige natürliche Wandschwächen des Faserringes gelegen sind. Verliert der ausgetretene Teil den Kontakt zur restlichen Bandscheibe, spricht man von einem „sequestrierten" Bandscheibenvorfall.

Wie entstehen die Symptome?
Der Druck, der durch das ausgetretene Bandscheibenmaterial auf die Rückenmarkhülle oder die darin enthaltenen Nervenfasern ausgeübt wird, führt zu einer Reizung der Nerven, dies wiederum zu den Schmerzen. Ist durch starken Druck auf ein Nervenfaserbündel die Funktion des Nerven, also die Weiterleitung von Signalen beeinträchtigt, kommt es zum Beispiel zu Lähmungen oder Taubheitsgefühlen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Aus den oben genannten Zusammenhängen ergeben sich wiederum die verschiedenen Ansatzpunkte einer Behandlung.

Injektionen
Hilft eine Therapie mit Krankengymnastik und allgemeinen Schmerzmitteln nicht mehr, kann man zunächst versuchen, die Reizung der Nerven durch Injektion reizmindernder Medikamente direkt an den Nerven, zu lindern.

Operation
Bestehen die Symptome länger als sechs Monate oder liegen Lähmungen für den Patienten wichtiger Muskeln vor, ist eine Operation gerechtfertigt. Im Falle einer Blasen- oder Mastdarmlähmung durch Druck auf das Rückenmark, ist eine sofortige Operation unbedingt notwendig. Hierbei wird das Gewebe, das auf die Nerven drückt sowie das lockere Gewebe, welches sich noch in der Restbandscheibe befindet, aber auch austreten könnte, entfernt. Es wird soviel Gewebe entnommen, dass man davon ausgehen kann, dass kein neuer Vorfall droht. Man sollte jedoch soviel Gewebe als Schutz belassen, dass die Wirbel noch eine schützende Schicht behalten, damit der beschleunigte Verschleiß nicht vorzeitig zu weiteren Problemen und damit Schmerzen führen kann.

Ein Mittelmass einzuhalten ist also wichtig, obwohl es im Einzelfall weder eine Garantie gibt, dass kein erneuter Bandscheibenvorfall auftritt, noch dass beschleunigter Verschleiß umgangen werden kann.

Minimal-Invasiv
Sogenannte „minimal-invasive" oder „perkutane" (perkutan heißt: -mit einem Stich- durch die Haut) Verfahren versuchen, die Fasern der Bandscheibe durch Energie hochfrequenter Schwingungen, durch Hitze oder Laserstrahlen schrumpfen zu lassen.

Bandscheibenprothese
Muss die Bandscheibe komplett entfernt werden, wie dies z. B. an der Halswirbelsäule bei bestimmten Bandscheibenvorfällen notwendig ist, können Bandscheibenprothesen zum Einsatz kommen.