Skoliose

Was bedeutet der Begriff Skoliose?
Er leitet sich aus der griechischen Sprache von dem Wort für verbogen, geschlängelt, krumm ab: skolios. Im medizinischen Sprachgebrauch bezeichnet man eine Seitverbiegung der Wirbelsäule von mehr als zehn Grad als Skoliose. Bei Seitfehlstellungen von weniger als zehn Grad spricht man von skoliotischen Fehlstellungen, nicht von Skoliosen.

Wodurch kommt es zur Skoliose?
Eine fassbare Ursache dieser Fehlstellung der Wirbelsäule lässt sich nur für die wenigsten Skoliosen finden. Dazu zählen die Lähmungsskoliosen, welche, wie der Name schon sagt, durch Lähmungen von Muskelgruppen und dadurch bedingten asymmetrischen Zug an der Wirbelsäule entstehen. Die Lähmungen treten meist aufgrund angeborener oder im frühen Kindesalter auftretender Schäden am Gehirn oder Rückenmark auf.

Bei degenerativen (verschleißbedingten) Skoliosen der Lendenwirbelsäule, meist bei älteren Patienten auftretend, ist die Instabilität der Wirbelsäule der Grund für die Seitabweichung. Auch eine Fehlentwicklung oder Formveränderung von Wirbeln z. B. nach einem Wirbelbruch kann die Wirbelsäule aus der Lotrechten bringen.

Für ungefähr 80% der Skoliosen ist der Grund jedoch noch nicht hinreichend bekannt. Sie werden Idiopathische Skoliosen genannt. Viele Theorien sind bereits bezüglich der Ursachen aufgestellt worden, darunter Wachstums- oder Durchblutungsstörungen der Wirbel, Verdrängen der wachsenden Wirbelsäule durch Innere Organe, genetische Faktoren, Fehlsteuerung der Muskulatur durch Nerven und weitere Erklärungsversuche. Bisher konnte sich keine dieser Hypothesen allein gegen die anderen als die einzig Richtige durchsetzen. Man geht deshalb von einem Krankheitsgeschehen mit vielen, teils noch unbekannten Ursachen aus.

Wie ist der Verlauf der Skoliose?
Naturgemäß aufgrund der verschiedenen Ursachen äußerst unterschiedlich. Bei den verschleißbedingten, also „degenerativen" Skoliosen tritt ein langsames Fortschreiten, wie bei jedem Verschleiß, auf. Das heißt, dass die Fehlstellung und damit meist auch die Beschwerden langsam stärker werden.

Bei den Lähmungsskoliosen ist ein rasches Fortschreiten die Regel, weil die Muskelkräfte sehr ungleichmäßig verteilt sind.

Für die idiopathischen Skoliosen haben Studien gezeigt, dass ein Fortschreiten der Fehlstellung von dem Lebensalter und dem Ausmaß der Krümmung abhängt. Vereinfachend und verkürzt gesagt gilt bei Jugendlichen am Beginn der Pubertät: Seitabweichungen von bis zu 20 Grad bleiben bei 75% der Patienten stabil. Skoliosen zwischen 20 und 30 Grad bleiben bei ca. 40% der Patienten stabil. Erreicht die Krümmung 30 – 60 Grad, verstärkt sie sich nur bei einem Zehntel der Patienten nicht mehr.

Bei Erwachsenen wird allgemein ein wesentliches Fortschreiten beobachtet, wenn die der Krümmung in der Brustwirbelsäule mehr als 50 Grad beträgt.

Wie soll die Therapie gestaltet werden?
Die notwendigen Behandlungsmaßnahmen sollen ein Fortschreiten der Skoliose verhindern. Deshalb hängen sie vom Ausmaß der Krümmung ab und werden umso eingreifender, je größer die Tendenz zum weiteren Abkippen der Wirbelsäule ist.

Für die Skoliosen von Jugendlichen im Wachstum gilt: unter 25 Grad sollte eine konsequente Physiotherapie durchgeführt werden. Es haben sich spezielle Zweige der Behandlungen für Patienten mit Skoliosen gebildet, zum Beispiel die Physiotherapie nach K. Schroth, die auch in manchen speziell Skoliose behandelnden Rehakliniken angeboten wird.

Ab einem Krümmungswinkel von 25 – 40 Grad wird eine Korsettbehandlung empfohlen. Dieses nach Gipsabdruck für jeden Patienten individuell angefertigte Korsett soll eine Korrektur der Seitabweichung von ungefähr einem Drittel erwirken und darf lediglich zur Körperpflege abgelegt werden. Nach Abschluss des Wachstums können die Patienten vom Korsett langsam entwöhnt werden, zum Teil wird jedoch die Wirbelsäule wieder eine stärkere Krümmung einnehmen.

Bei einer Skoliose von mehr als 40 Grad sollte aufgrund der zu erwartenden schnellen Verstärkung der Seitabweichung eine operative Therapie erfolgen. Abhängig von der Lage der Krümmung in der Wirbelsäule wird hierbei vom Rücken oder durch den Brustkorb operiert.