Am 8. September wird weltweit der Weltphysiotherapietag gefeiert. Der Aktionstag macht sichtbar, was im Klinikalltag oft leise geschieht: Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten stehen Menschen zur Seite. Schritt für Schritt. Sie bauen auf, sie muntern, sie geben Halt. Und sie begleiten den Weg zurück in ein aktives, selbstbestimmtes Leben.
„Physiotherapie ist mehr als Training für Muskeln und Gelenke. Wir sind Mutmacher, Tröster und eine wichtige Stütze für unsere Patientinnen und Patienten“, erzählt Physiotherapeutin Olga Kuhn. Sie ist seit über zwei Jahren in der Auguste-Viktoria-Klinik (AVK) in Bad Oeynhausen im Einsatz. Insgesamt arbeiten dort neun Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten – die zwischen der orthopädischen Fachklinik und dem Krankenhaus Bad Oeynhausen rotieren.
Olga Kuhn wusste schon als Kind, dass sie unbedingt mit Menschen zusammenarbeiten möchte, ihnen helfen und sie unterstützen möchte. Zunächst hat sie eine Ausbildung als Masseurin abgeschlossen, doch ihr fehlte etwas. Der Job erfüllte sie nicht ganz. Sie entschied sich für eine Ausbildung zur Physiotherapeutin. Ein Beruf, der unglaublich vielseitig ist, wie sie findet. Denn Physiotherapie vereine medizinisches Wissen, praktische Kreativität und menschliche Nähe.
„Die Menschen sind unglaublich dankbar, die Wertschätzung für unsere Arbeit ist sehr hoch“, ergänzt Ida Ecer, die ebenfalls als Physiotherapeutin in der AVK arbeitet. Außerdem sei ihre Arbeit nachhaltig – viele Patientinnen und Patienten nehmen sich etwas fürs weitere Leben mit.
Das Besondere an ihrem Job? Für Olga Kuhn und Ida Ecer sind es die Momente, wenn sie sehen, welche Fortschritte ihre Patientinnen und Patienten gemacht haben. „Wenn jemand nach Tagen oder sogar Wochen ohne Hilfe wieder gehen kann, das berührt uns schon sehr. Vor allem, wenn man weiß, wie schwer der Weg dorthin für denjenigen war“, erzählen die beiden Physiotherapeutinnen.
Sie machen ihren Job aus voller Überzeugung – weil sie wissen, wie wichtig Bewegung ist. Für jeden Menschen. „Bewegung ist Leben“, betont Olga Kuhn.
Um genau auf diese Bedeutung aufmerksam zu machen, wurde der Weltphysiotherapietag ins Leben gerufen. Bewegung, Prävention und Rehabilitation sollen durch diesen Tag ins Bewusstsein gerückt werden. Und die Berufsgruppe, die täglich dazu beiträgt Schmerzen zu lindern, Mobilität zurückzugeben und Lebensqualität zu erhöhen, soll gewürdigt werden. Er erinnert zugleich daran, dass moderne Versorgung Teamarbeit ist.
In der orthopädischen Fachklinik arbeiten Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten eng mit dem Pflegeteam sowie den Ärztinnen und Ärzten zusammen. Alles geschieht Hand in Hand. Jede Patientin und jeder Patient wird von dem Team der Physiotherapie versorgt.
Die Physiotherapeut*innen arbeiten mit Menschen nach Operationen, Verletzungen oder bei chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparats. Sie schulen Bewegungsmuster, stärken Muskulatur und fördern Gleichgewicht. In der Auguste-Viktoria-Klinik gibt es beispielweise eine regelmäßige Gehschule. Zwei Mal wöchentlich auch für amputierte Menschen. Dabei lernen Betroffene, mit ihrer Beinprothese sicher und selbstständig zu gehen und alltägliche Herausforderungen zu meistern. Es werden Übungen auf verschiedenen Bodenbelägen, Stufen und schiefen Ebenen durchgeführt, das Gleichgewicht und die Koordination trainiert und die Prothese optimal auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt.
„Wir haben ganz unterschiedliche Patienten, von jung bis alt. Beispielsweise werden hier im Haus Jugendliche mit Skoliose behandelt. Nach der Operation müssen sie sich an ein ganz neues Körpergefühl gewöhnen“, berichtet Ida Ecer. Bei einer Skoliose krümmt und verdreht sich die Wirbelsäule. Dadurch können sich Kopf und Kreuzbein sowie Oberkörper und Becken gegeneinander verschieben. Die Schulter, das Schulterblatt oder die Hüfte stehen dann auf einer Seite höher. Nach der Operation sind die jungen Patientinnen und Patienten dann mehrere Zentimeter größer. Auch sie müssen das Gehen neu erlernen.
Neben dieser Arbeit unterstützen Olga Kuhn und ihre Kolleginnen und Kollegen auch die mentale Widerstandskraft ihrer Patientinnen und Patienten. „Heilung hat auch eine psychologische Dimension. Viele Menschen sind ungeduldig, wollen sofort sichtbare Erfolge sehen – aber unser Körper braucht nach schweren Verletzungen erstmal Zeit. Und dann gibt es natürlich auch Rückschläge, in dieser Zeit ist es wichtig, da zu sein, aufzubauen und zu motivieren“, erzählt die ausgebildete Physiotherapeutin.
Das wichtigste sei es, einfach weiterzumachen. Und dass trotz Schmerzen. „Manche Menschen werden nie ganz schmerzfrei sein, aber man muss lernen, damit umzugehen. Vor allem muss man sich bewegen, obwohl es zunächst schmerzt. Aber Bewegung ist immer der Schlüssel zu einem besseren Lebensgefühl“, so Ida Ecer.
Welchen Tipp haben die beiden Expertinnen anlässlich des Welttags der Physiotherapie? Man müsse nicht gleich mit Hochleistungssport anfangen. „Kleine Routinen, wie regelmäßige Spaziergänge, bewusstes Aufstehen vom Schreibtisch und leichtes Dehnen, können viel bewirken“, betonen Olga Kuhn und Ida Ecer.
