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29.07.2019

Den letzten Weg gemeinsam gehen

Ein neuer Kooperationsvertrag zwischen dem JWK und dem Hospizkreis Minden

Ambulant-stationäres Dreamteam zum Wohle des Patienten (von links): Inge Tegtmeier, Elvira Gahr und Hermine Ducks-Schiller vom Hospizkreis Minden und die Stationsleitungen des JWK Ilona Kuhlmeier und Andreas Brümmer.


Die Engel-Skulptur auf der Palliativstation des JWKs ist für die Hospizkreis-Mitarbeiterinnen Hermine Ducks-Schiller, Inge Tegtmeier und Elvira Gahr ein starkes Symbol für verlässliche, beschützende Begleitung schwerstkranker Patienten.

Seit Ende 2015 gilt das neue Hospiz- und Palliativgesetz. Damit sollte die Versorgung schwerstkranker Menschen in der letzten Phase ihres Lebens verbessert werden, unter anderem durch eine engere Vernetzung der verschiedenen ambulanten und stationären Hilfsangebote. Das hat ganz konkrete praktische Auswirkungen, wie Andreas Brümmer, Pflegerische Leitung der Station C18/19 am Johannes Wesling Klinikum, erläutert: „Ehrenamtliche Helfer können jetzt auch in Krankenhäusern tätig werden und die Kosten des Aufwands werden von den Kostenträgern erstattet. Vorher war das streng getrennt“. Bis 2015 endete die „Zuständigkeit“ ehrenamtlicher Hospizhilfsangebote an der Krankenhaustür. Das neue Gesetz hat den Weg frei gemacht für einen Kooperationsvertrag zwischen dem Johannes Wesling Klinikum und dem Hospizkreis Minden – im Dienste einer Betreuung, die den ganzen Menschen und seine Angehörigen im Blick hat.

Da ist zum Beispiel der Patient, der an einer fortgeschrittenen Krebserkrankung leidet. Von sich aus hat er bereits Kontakt zum Hospizkreis aufgenommen und dort eine ehrenamtliche Bezugsperson gefunden, die ihm zur Seite steht – beratend und begleitend, wie ein guter Freund. Diese Begleitung kann nun auch dann ohne Unterbrechung fortgeführt werden, wenn sich sein Gesundheitszustand verschlechtert und ein Klinikaufenthalt erforderlich wird – etwa um bei stärker werdenden Schmerzen medikamentös neu eingestellt zu werden. Für den Betroffenen ist das von unschätzbarem Wert: „Allein das Gefühl, dass kontinuierlich jemand für einen da ist, löst weniger Ängste und Depressionen aus. Das merken wir immer wieder“, bestätigt Ilona Kuhlmeier, onkologische Pflegefachkraft und Leitung der Palliativstation. Aus diesem Grund werde auf der Palliativstation bei der Einteilung des Pflegepersonals auch besonders darauf geachtet, Wechsel so weit wie möglich zu vermeiden.

Kontinuität und Verlässlichkeit sind beim Hospizkreis Minden ebenfalls oberstes Gebot. Die Bezugsperson des Schwerstkranken bleibt immer dieselbe. Über Tage, Wochen, Monate, manchmal auch Jahre entstehen sehr vertrauensvolle Beziehungen. Elvira Gahr ist hauptamtliche Koordinatorin des Hospizkreises und kennt ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter sehr genau. Von Anfang an achtet sie darauf: „Wer passt zusammen? Welcher Begleiter ist der richtige für den sterbenden Menschen?“ Dank der Kooperation zwischen dem Johannes Wesling Klinikum und dem Hospizkreis Minden bedeutet ein Krankenhausaufenthalt keinen Bruch für dieses enge Vertrauensverhältnis. Klinik und Hospizdienst arbeiten Hand in Hand. Im Einvernehmen mit dem Patienten wird zum Beispiel der ambulante Betreuer unmittelbar von der Station informiert, wenn der Schwerstkranke ins Krankenhaus kommt oder wenn er wieder entlassen wird.   

Die Zusammenarbeit geht aber noch weiter. An den Teambesprechungen der Palliativstation nimmt regelmäßig auch ein hauptamtlicher Vertreter des Hospizkreises teil. Ärzte, Pflegepersonal und Therapeuten wissen diesen zusätzlichen „ambulanten Blickwinkel“ zu schätzen: Am Ende gehe es darum, für jeden Patienten die beste Lösung zu finden, ihm in seiner ganz speziellen Situation ein Höchstmaß an Lebensqualität zu ermöglichen. „Wenn ein Patient stabilisiert ist, muss geklärt werden, wo er danach weiter versorgt werden kann und möchte: Zu Hause? Im Hospiz? Im Pflegeheim? Oder im Krankenhaus? Natürlich sprechen wir mit ihm darüber und wir helfen ihm auch, das zu organisieren“, sagt Ilona Kuhlmeier. Der enge Austausch mit dem Hospizkreis leistet dabei eine wichtige Hilfe. Die Ehrenamtlichen kennen die von ihnen begleiteten Patienten und deren Lebensumstände genau, können beraten und Brücken bauen.

Umgekehrt übernimmt die Klinik eine Brückenfunktion für diejenigen Patienten, die zuvor noch nicht ambulant betreut wurden. Den Sterbenden und ihren Familien falle es nämlich oft schwer, sich dem Thema Tod zu stellen, erst recht, von sich aus Kontakt zum Hospizkreis aufzunehmen. „Nun können viele ambulante Betreuungen schon hier im Krankenhaus auf den Weg gebracht werden. Die Patienten können direkt mit einem Begleiter nach Hause gehen“, sagt Andreas Brümmer.

Zweimal wöchentlich ist der Hospizkreis mit einer Sprechstunde im Johannes Wesling Klinikum präsent: Jeden Dienstag ab 15 Uhr findet hier eine Beratungssprechstunde der hauptamtlichen Mitarbeiter statt, jeden Donnerstag um 15 Uhr sind ehrenamtliche Mitarbeiter vor Ort. Der Vorteil dieser regelmäßigen Termine liegt für Elvira Gahr und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Inge Tegtmeier und Hermine Ducks-Schiller auf der Hand: „Man muss nicht erst zu uns ins Büro fahren oder telefonieren, um mit uns zu sprechen. Da ist die Hemmschwelle größer und so unterbleibt das oft. Hier können wir gleich Rede und Antwort stehen.“ Wobei es nicht immer um konkrete Beratung gehen muss. „Manchmal reicht es auch, dass jemand da ist, mit dem man über ganz normale Alltagsdinge reden kann.“ Und manchmal falle es auch leichter, sich einen ambulanten Betreuer ins Haus zu holen, wenn man sich „auf neutralem Boden“ schon einmal kennengelernt hat, so ihre Erfahrung.

Inzwischen ist die Anwesenheit der Mitarbeiter des Hospizkreises auf der Palliativstation des Johannes Wesling Klinikums zur Selbstverständlichkeit geworden. Der Einsatz für das Wohl der Patienten hat hier eine dritte tragende Säule bekommen: neben der bestmöglichen medizinischen Versorgung und der engagierten und zugewandten Pflege die Begleitung durch Ehrenamtliche. „Wir sind da“, sagt Elvira Gahr.


Infos zum Hospizkreis Minden:

Im Hospizkreis Minden engagieren sich mehr als 50 ehrenamtliche Sterbe- und Trauerbegleiter. Sie bieten etwa 150 Menschen im Jahr Hilfe und Lebensbegleitung. Die Ehrenamtlichen werden in mehrmonatigen „Ermutigungskursen“ auf ihre Aufgabe vorbereitet und stehen unter Schweigepflicht. Sie übernehmen keine pflegerischen Aufgaben.
Der Hospizkreis betreut Schwerstkranke in der letzten Phase ihres Lebens zu Hause, in Alten- und Pflegeheimen und im Klinikum. Auch für trauernde Angehörige gibt es spezielle Angebote.
Weitere Aufgaben des Hospizkreises sind Beratung (zum Beispiel zu den Themen Palliative Medizin, Patientenverfügung, Unterstützungsmöglichkeiten) und Vermittlung von anderen Beratungsstellen (zum Beispiel für Betroffene, die außerhalb des Gebiets Minden/Porta/Petershagen/Hille wohnen).