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01.03.2019

Ein Netzwerk gegen den Krebs

Im Viszeralonkologischen Zentrum kooperieren Experten im Kampf gegen Krebs

Dr. Berthold Gerdes, Direktor der Klinik für Allgemeinchirurgie, erklärt Viktor Stoll anhand einer anschaulichen Skizzenzeichnung des Bauchraums den Verlauf der erfolgreichen Operation. Die Skizzen wurden eigens von Professor Gerdes entwickelt und dienen der Veranschaulichung für den Patienten. Das Viszeralonkologische Zentrum hat allen niedergelassenen Ärzten in der Region solche Skizzenblöcke zur Verfügung gestellt.


So sieht der Bauch von innen aus - jedenfalls auf der Skizze.

Professor Dr. Berthold Gerdes, Direktor der Klinik für Allgemeinchirurgie, zeigt das Team, welches sich hinter dem Viszeralonkologischen Zentrum Minden verbirgt. Erst die Zusammenarbeit aller hat die erfolgreiche Behandlung der komplexen Tumorerkrankung von Viktor Stoll möglich gemacht. Viktor Stoll und seine Ehefrau sind beeindruckt, dass so viele Experten zum größten Teil hinter den Kulissen für die erfolgreiche Behandlung gearbeitet haben.

Die Hände in den Schoß zu legen, ist Viktor Stolls Sache nicht. Der Rentner ist immer sportlich und aktiv gewesen. Gern werkelt er in Haus und Garten – wieder, ist hinzuzufügen. Denn vor etwa einem halben Jahr hatte er so starke Rückenschmerzen, dass er zur Untersuchung ins Krankenhaus Lübbecke kam. Die Diagnose: Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ein Schock, aber für Viktor Stoll noch lange kein Grund aufzugeben, zumal er seine Frau Katharina an seiner Seite wusste: „Ich bin ein optimistischer Mensch und dachte nur: ‚Was hilft es, wenn ich den Kopf hängen lasse? Damit muss ich jetzt klarkommen.‘“ 

Dr. Bernd Wejda, Abteilungsleitender Arzt im Krankenhaus Lübbecke-Rahden, stellte die Diagnose: ein bösartiger Tumor in der Bauchspeicheldrüse. Die Lübbecker Ärzte überwiesen Viktor Stoll an das Johannes Wesling Klinikum, wo die Diagnose in speziellen feingeweblichen Untersuchungen bestätigt wurde. Und der nächste Schock für den Patienten folgte: der bösartige Tumor war so groß, dass die Chirurgen zu diesem Zeitpunkt keine Chance für eine operative Entfernung gesehen haben. Aber die Ärzte im Viszeralonkologischen Zentrum Minden, zu dem das Krankenhaus Lübbecke als Kooperationspartner gehört, konnten dem Patienten trotzdem eine Behandlungsmöglichkeit aufzeigen. 

Das von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Viszeralonkologische Zentrum Minden ist auf die Therapie von Tumoren des Bauchraumes spezialisiert. Klinikärzte und niedergelassene Ärzte aus unterschiedlichen Fachrichtungen arbeiten hier beispielsweise bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs und Speiseröhrenkrebs eng zusammen. Nicht nur für Viktor Stoll ein Glücksfall. Denn diese Kooperation unter dem Dach eines Universitätsklinikums ermöglicht es, den Patienten Medizin auf höchstem Niveau zugänglich zu machen – „mitten im ländlichen Raum, ohne dass sie dafür erst hunderte Kilometer weit fahren müssen“, beschreibt Professor Dr. Berthold Gerdes, Direktor der Klinik für Allgemeinchirurgie, die Vorteile des Zentrums.

Für Viktor Stoll bedeutete das konkret: Auf der wöchentlich stattfindenden Tumorkonferenz beriet ein ganzes Team über die Behandlung seines Tumors: Fachärzte aus den Bereichen Pathologie, Chirurgie, Radiologie, Strahlentherapie, Chemotherapie und Gastroenterologie. Weil der Tumor sich bereits stark ausgedehnt hatte, waren benachbarte Blutgefäße umwuchert. Daher schlossen die Ärzte eine Operation zu diesem Zeitpunkt aus und entschieden sich für eine Vorbehandlung mit einer Chemotherapie. 

„Die folgenden drei Monate waren nicht einfach“, geben Viktor Stoll und seine Frau zu. Insgesamt neun Behandlungen musste er in dieser Zeit über sich ergehen lassen. Aber die anschließende erneute Tumorkonferenz gab Grund zur Hoffnung: Der Tumor hatte sehr gut auf die Medikamente angesprochen, war erheblich kleiner geworden und nach dem Urteil der Chirurgen  jetzt auch möglicherweise operabel.

Der Eingriff Ende November verlief erfolgreich. Viktor Stolls Pankreaskarzinom konnte mit einer aufwendigen  Operation vollständig entfernt werden. Jetzt soll eine weitere Chemotherapie, die in den kommenden Wochen erfolgt, die Tumor-Gefahr noch weiter senken: „Pankreaskrebs ist sehr aggressiv. Wenn der Tumor entfernt ist, besteht für den Patienten eine Chance, dass er den Krebs auch langfristig in den Griff kriegt. Eine Chance – keine Garantie“,  erläutert Professor Dr. Berthold Gerdes, der als Direktor der Klinik für  Allgemeinchirurgie, Viszeral-, Thorax- und Endokrine Chirurgie des Universitätsklinikums Minden das Viszeralonkologische Zentrum zusammen mit Professor Dr. Carsten Gartung, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, sowie dem niedergelassenen Gastroenterologen Privatdozent Dr. Bernd Bokemeyer leitet. 

Viktor Stolls Chancen stehen gut. Dafür hat am Viszeralonkologischen Zentrum Minden ein ganzes Netzwerk von Experten Hand in Hand gearbeitet: Ärzte des Mindener Klinikums und der kooperierenden Krankenhäuser,  niedergelassene Ärzte,  Therapeuten, Ernährungsberater und Pflegekräfte. Ständiger Austausch untereinander, aber auch mit renommierten Spezialisten anderer Universitätskliniken sorgt dafür, dass die etwa 500.000 Menschen im Versorgungsgebiet des Mindener Klinikums Zugang zu einer Medizin auf der Höhe der Zeit haben. Dazu dienen auch überregionale Fachtagungen, wie sie das Leitungsteam des Viszeralonkologischen Zentrums am Samstag, 9. März,  im Kurzentrum Bad Oeynhausen ausrichtet. Thema sind die „Standards und Grenzen in der Behandlung komplexer viszeralonkologischer Tumorerkrankungen“. Als wissenschaftlicher Tagungsleiter fungiert Professor Dr. Berthold Gerdes. Als Referenten zugesagt haben Professor Dr. Volker Ellenrieder (Universitätsklinikum Göttingen), Professor Dr. Waldemar Uhl (Katholisches Klinikum Bochum, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum), Professor Dr. Arnulf Hölscher (Universitätsklinikum Köln), Professor Dr. Martin Griesshammer  sowie Dr. Jerzy Laniewski und Dr. Daniel Zeyse (alle Johannes Wesling Klinikum, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum).