03.03.2020

Jung-Ärzte erhalten den hippokratischen Eid

15 Mediziner entscheiden sich für ein Leben und Arbeiten in der Region

Professor Dr. Bernhard Erdlenbruch (1.v.l.) und Professor Dr. Jörg Radermacher (2.v.l.) überreichten den Nachwuchsmedizinern feierlich den hippokratischen Eid.


Die ersten 60 in OWL ausgebildeten Medizinerinnen und Mediziner haben jetzt ihre Arbeit aufgenommen. Ein Viertel hat sich für eine medizinische Arbeit in OWL entschieden. Jetzt haben Professor Dr. Jörg Radermacher, Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen, Professor Dr. Bernhard Erdlenbruch, Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, und Professor Dr. Dietrich Henzler, Direktor der Universitätsklinik für Anästhesiologie, operative Intensiv-, Rettungsmedizin und Schmerztherapie am Klinikum Herford, auf der Entlassfeier der Fachschaft den jungen Medizinern feierlich die hippokratischen Eide sowie eine gravierte Uhr überreicht.  

"Der hippokratische Eid ist eine Richtschnur für uns Ärzte. Nicht alles ist mehr aktuell. Aber der Eid greift alle moralischen Fragestellungen auf, denen wir auch heute tagtäglich begegnen, beispielsweise bei der Sterbehilfe oder der Abtreibung. Jetzt ist es an Ihnen, den Eid für sich auszulegen", sagte Professor Radermacher in seiner Ansprache. In dem Eid sei beispielsweise auch festgehalten, dass man sein Wissen an die Kinder seines Lehrers weitergeben solle. "Meine Kinder haben das Medizinstudium bereits hinter sich. Aber vielleicht erinnern Sie sich später daran, wenn ein PJ-Student oder Famulant eine Frage an sie hat."

Professor Dr. Dietrich Henzler aus dem Klinikum Herford erinnerte an die Verantwortung, die man nun gemeinsam trage. "Ärzte treffen lebenswichtige Entscheidungen - Tag für Tag. Das bringt Verantwortung mit sich, bleiben Sie achtsam und sehen Sie den Patienten immer als Menschen", so Professor Dr. Henzler.

60 junge Menschen haben im Rahmen des Bochumer Modells im Jahr 2016 am Medizin Campus OWL in Minden, Herford, Bad Oeynhausen und Lübbecke den klinischen Teil ihres Medizinstudiums begonnen. Die meisten sind nicht freiwillig nach OWL gekommen, sondern wurden nach Minden versetzt. "'Finden Sie Minden' war damals das geflügelte Wort in Bochum. Die Gefühlslage bei uns lag zwischen Schock und großer Überraschung", sagt Lukas Schrickel als Absolventenvertreter bei der Entlassfeier. Im Nachhinein könne er sagen, dass für ihn OWL ein Glücksfall geworden sei. "Ich fühle mich hier sehr wohl und daher habe ich auch beschlossen vorerst zu bleiben", so Schrickel. Das läge aber eher an der geografischen Schönheit OWLs und dem klinischen Angebot vor Ort und eher weniger am kulturellen Angebot, witzelte Schrickel in seiner Rede. Im April beginnt er als Assistenzarzt der Universitätsklinik für Hämatologie, Onkologie, Hämostaseologie und Palliativmedizin am Johannes Wesling Klinikum.

Mit ihm bleiben 14 junge Assistenzärztinnen und Assistenzärzte OWL treu. Sie arbeiten künftig in Kliniken und Krankenhäusern in Minden, Lübbecke, Herford und Bad Oeynhausen. Eine Absolventin hat sich dafür entschieden, den ersten Teil ihrer Facharztausbildung in Allgemeinmedizin in einer Hausarztpraxis in OWL zu absolvieren. "Dass aus dem ersten Jahrgang so viele junge Ärzte in der Region bleiben, ist ein hervorragendes Ergebnis und ein toller Lohn für alle an dem Projekt Beteiligten - insbesondere natürlich für die Dozenten und die Fachvertreter", kommentiert der Vorstandsvorsitzende der Mühlenkreiskliniken Dr. Olaf Bornemeier.

Derzeit ist der zweite Jahrgang des Medizin Campus OWL im ersten Abschnitt des Praktischen Jahrs (PJ). Allein an den Standorten der Mühlenkreiskliniken sind derzeit 30 PJ-Studierende beschäftigt. Im Klinikum Herford absolvieren aktuell sechs angehende Ärztinnen und Ärzte ihr Praktisches Jahr. Das Praktische Jahr kann an allen Akademischen Lehrkrankenhäusern im In- und Ausland absolviert werden.