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02.06.2017

Mindener Mediziner an die Spitze der Schlaganfallforschung berufen

Professor Peter Schellinger und Dr. Jörg Glahn in führende Positionen der Europäischen Schlaganfallorganisation gewählt

Professor Dr. med. Peter Schellinger (links), Direktor der Universitätsklinik für Neurologie und Neurogeriatrie am Johannes Wesling Klinikum und Dr. med. Jörg Glahn, Leitender Oberarzt der Universitätsklinik für Neurologie und Neurogeriatrie, sind zusammen in leitenden Positionen in der Europäischen Schlaganfallorganisation ESO aktiv.

Professor Peter Schellinger, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie und Neurogeriatrie am Johannes Wesling Klinikum, ist in die höchste Leitungsebene der Europäischen Schlaganfallorganisation ESO berufen worden. Der Mindener Arzt und Wissenschaftler ist der einzige Deutsche in dem achtköpfigen Kernvorstand, dem Executive Committee. Der Leitende Oberarzt Dr. Jörg Glahn aus Minden ist in die Leitlinienkommission der ESO gewählt worden und erarbeitet das Programm der wichtigsten internationalen Schlaganfallkonferenz. 

Die Europäische Schlaganfallorganisation ESO ist mit 7500 Ärzten und Wissenschaftlern die weltweit größte Fachorganisation, die sich dem Kampf gegen die Folgen von Schlaganfällen widmet. Die Gesellschaft ist Ansprechpartner der Weltgesundheitsorganisation WHO, von Regierungen und großen Pharmaunternehmen. „Die ESO definiert weltweit Standards im Kampf gegen Schlaganfälle. Wir beraten Regierungen, drängen ganze Krankenkassensysteme zu Kostenübernahmen spezieller Behandlungen und bilden Ärzte, Therapeuten und Krankenpfleger aus“, sagt Professor Schellinger, der zuvor schon acht Jahre im erweiterten Vorstand der ESO, im „Board of Directors“, tätig war und zu den Gründungsmitgliedern der Gesellschaft zählt. 

Jedes Jahr organisiert die ESO eine dreitägige Konferenz mit inzwischen mehr als 4500 Fachbesuchern. „Was dort besprochen wird, sind immer die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Näher an der Weltspitze der Wissenschaft kann man nicht sein“, sagt Professor Peter Schellinger.  Bei der vergangenen Konferenz in Prag wurden allein 1800 wissenschaftliche Poster und etwa 400 Vorträge vorgestellt. Dabei gibt es immer wieder etwas Neues – auch für einen so profunden Kenner wie den Mindener Chefarzt. „Nach jeder Konferenz passen wir bei uns am Johannes Wesling Klinikum in Minden die Behandlungsabläufe bei Schlaganfällen an. Es gibt immer etwas, das wir gemäß neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen verbessern oder adaptieren können“, so Schellinger. 

Ein Großteil der Arbeit der Europäischen Schlaganfallorganisation als internationaler Verband dreht sich um die Angleichung von Behandlungsstandards. „Wir versuchen beispielsweise die Gesundheitssysteme in osteuropäischen Staaten dahin zu entwickeln, dass sie ähnlich gute Ergebnisse erzielen wie wir in Deutschland“, sagt Professor Schellinger. 

Dass der Kampf durchaus erfolgreich sein kann, zeigen die Zahlen. In den vergangenen 20 Jahren wurde die Sterblichkeitsrate bei Schlaganfällen von zwanzig  auf zehn Prozent reduziert. Und das ohne die Rate von Schwerstpflegefällen steigen zu lassen. „Wer heute in Deutschland einen Schlaganfall hat, hatte nie bessere Chancen, ohne oder mit geringen Einschränkungen weiter leben zu können. Dieses Wissen wollen wir mit anderen teilen“, so der Professor.  Ganz uneigennützig ist das Engagement aber nicht: „Selbstverständlich wollen wir auch vom Wissen, das andere haben, profitieren – zum Wohle unserer Patienten im Kreis Minden-Lübbecke. Aus diesem Grund gibt es die ESO“, sagt Professor Schellinger.  

Dass der Mindener Chefarzt nun als einziger Deutscher in die höchste Führungsebene der ESO berufen worden ist, macht ihn ein wenig stolz. „Es ist eine Bestätigung meiner Arbeit. Auf den Posten haben sich mehrere hochrangige Wissenschaftler beworben. Dass ich mich am Ende durchsetzen konnte, freut mich natürlich“, sagt er.  

Professor Peter Schellinger trifft bei den Treffen der ESO auf ein bekanntes Gesicht: Dr. Jörg Glahn, Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor der Universitätsklinik für Neurologie und Neurogeriatrie am Johannes Wesling Klinikum, ist Mitglied der Programmkommission der jährlichen Konferenz des Verbandes. Er bereitet zusammen mit acht weiteren Kollegen das jährliche Mega-Treffen der besten Wissenschaftler der Welt in Sachen Schlaganfall inhaltlich vor. Als Vorsitzender einer Arbeitsgruppe kümmert sich Dr. Glahn besonders um die assoziierten Berufsgruppen wie Sprach- und Ergo- und Physiotherapeuten sowie Pflegekräfte, die einen wesentlichen inhaltlichen Teil in der Schlaganfallversorgung ausmachen. „Der Kampf gegen Schlaganfälle ist eine Teamaufgabe. Ein Arzt allein kann nichts ausrichten, genauso wenig wie ein einzelner Therapeut oder Pflegekraft. Nur zusammen im Team können wir  unseren Patienten helfen und Spätfolgen lindern“, sagt Dr. Glahn. Ergänzt wird das Team  im Johannes Wesling Klinikum in Minden insbesondere auch durch die Kollegen der Neuroradiologie, Neurochirurgie, Kardiologie, Gefäßchirurgie und anderer Abteilungen.

Der Mindener Schlaganfallspezialist kann bereits auf zahlreiche Erfolge zurückblicken. Er war es beispielsweise, der die Ausbildungsinhalte der auf zertifizierten Stroke Units geforderten Weiterbildung zur „Stroke Nurse“ definiert hat. In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 3000 dieser Fachpflegekräfte, die für die Versorgung von Schlaganfallpatienten ausgebildet sind. Allein an der  Akademie für Gesundheitsberufe der Mühlenkreiskliniken wurden bislang 400 dieser Spezialisten in der 240 Stunden umfassenden Weiterbildung unterrichtet. Dr. Glahn wurde darüber hinaus in die Leitlinienkommission der ESO berufen. Hier will er sich insbesondere um  Schluckstörungen nach Schlaganfällen kümmern. Dazu will er evidenzbasierte Verfahrensanweisungen auf Europäischer Ebene definieren und umsetzen.

„Wir haben in der Schlaganfallversorgung durch Standardisierung und Internationalisierung extrem viel erreicht. Und wir in Minden sind ganz vorne mit dabei“, sagt Professor Peter Schellinger, der sein Wissen mittlerweile auch als Universitätsprofessor an Studierende am Medizin Campus OWL in Minden weitergibt.  Trotzdem sind Schlaganfälle immer noch die Erkrankung mit den meisten Todesfällen und häufigste Ursache permanenter Pflegebedürftigkeit in industrialisierten Ländern. „Wir treten gemeinsam an, um das zu ändern.“