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04.08.2017

Schonende Behandlung von Nierensteinen

Krankenhaus Lübbecke-Rahden setzt neue Technologie ein

Das Team der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Operative Uro-Onkologie im Krankenhaus Lübbecke-Rahden (von links) Direktor Dr. Johannes Polith, Ferdinand Peters, Dr. Stephan Leibelt, Andreas Meier und Dr. Peter Kläs mit dem neuen Renoskop zur Spiegelung von Nierensteinen.

Größenvergleich: Ein Steinfangkörbchen zur Entfernung von Ablagerungen, das neue flexible Uretero-Renoskop und eine Lasersonde zur Steinzertrümmerung im Vergleich zu einem Cent-Stück (Im Uhrzeigersinn von unten links).

Das neue Uretero-Renoskop misst im Durchmesser nur 3,3 Millimeter.

Wenn es draußen länger heiß und sonnig ist, dauert es oft nicht lang, bis im Krankenhaus Lübbecke-Rahden die ersten Patienten mit Nierensteinen eingeliefert werden. „Gerade während der heißen Jahreszeit haben viele Menschen Probleme mit abgegangenen Nierensteinen“, sagt Dr. Johannes Polith, Direktor der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Operative Uro-Onkologie im Lübbecker Krankenhaus. Die zugehörige Erklärung liefert er umgehend: „Bei sommerlicher Hitze wird viel Wasser ausgeschwitzt, sodass sich in den Nieren schneller Ablagerungen bilden können. Salze, die sonst über den Urin ausgeschieden werden, werden dann zu Nierensteinen. Wenn sich diese lösen, können sie im Harnleiter steckenbleiben und ihn verstopfen.“ In diesem Fall sprechen Ärzte von einer Nierenkolik, die meist enorme Schmerzen mit sich bringt. „Viele Patientinnen sagen, eine Geburt wäre weniger schmerzhaft“, sagt Oberarzt Dr. Peter Kläs. Um Betroffene schnell und schonend zu behandeln, gibt es in der Klinik für Urologie im Krankenhaus Lübbecke-Rahden seit Anfang des Jahres ein neues Behandlungsgerät: Das flexible Video-Uretero-Renoskop. „Das für die Spiegelung von Nierensteinen eingesetzte neue Gerät ist feiner und dünner als bisherige Modelle“, erklärt Kläs. Genau gesagt misst es im Durchmesser nur 3,3 Millimeter. An der Spitze befindet sich neben einer kleinen Lampe eine HD-Kamera, die hochauflösende Bilder und Videos von Harnröhre, Harnleiter, Blase und Nierenbecken ermöglicht. „Die hohe Bildqualität ist ein enormer technischer Fortschritt in der Urologie“, sind sich Dr. Peter Kläs und sein Kollege Dr. Stephan Leibelt in Bezug auf das um 275 Grad schwenkbare Gerät einig. Um Nierensteine zerstören zu können, gibt es im Inneren des Renoskops einen Arbeitskanal. Durch diesen kann ein Laser geführt werden, mit dem die Steine zu Sand zerkleinert werden. Die Überreste werden anschließend ausgespült oder gehen nach der kleinen Operation von selbst ab. 

Um die Bildung von Nierensteinen zu vermeiden, empfehlen Dr. Kläs und Dr. Leibelt viel zu trinken. „Besonders im Sommer sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden“, erklärt Kläs. In einigen Fällen sei die Steinbildung jedoch erblich bedingt. Dann müssten Patienten meist regelmäßig behandelt werden. So auch Dr. Kläs‘ letzte Patientin, die bereits seit ihrer Jugend von Nierensteinen betroffen ist. Von der neuen Behandlungsmethode ist sie begeistert. „Ich habe bereits verschiedene Verfahren der Steinentfernung hinter mir. Mir wurden Nierensteine über einen Schnitt in der Haut entfernt und durch Schallwellen zerstört. Die neue Behandlung mit dem Renoskop ist im Vergleich zu den anderen Methoden viel angenehmer. Außerdem bin ich viel schneller wieder fit“, sagt sie. Etwa drei Stunden nach dem Eingriff im Lübbecker Krankenhaus ist sie wieder auf den Beinen. Einen Tag nach dem Eingriff kann sie das Krankenhaus verlassen.

Es gibt verschiedene Anzeichen für Nierensteine. So klagen manche Menschen über Schmerzen in der Nierengegend, andere wiederum über Bauchschmerzen. „In einigen Fällen können Rückenschmerzen, die nach längerer orthopädischer Behandlung keine Besserung zeigen, auf Nierensteine zurückzuführen sein. Dann ist eine Differenzialdiagnose gefragt“, sagt Dr. Kläs. Oft leben Betroffene aber auch jahrelang beschwerdefrei bis sich ein Nierenstein löst und schlagartig Probleme bereitet. Insgesamt gibt es bis zu 15 verschiedene Arten von Ablagerungen, die sich mit dem neuen Renoskop gut behandeln lassen. In der Urologie kommt das neue Gerät darüber hinaus bei der Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen und Untersuchungen von Blutungen im Harntrakt zum Einsatz. „Die neue Technik bietet einen enormen Vorteil, denn durch die hochaufgelöste Kamera lassen sich Tumoren sehr gut von gesundem Gewebe unterscheiden. Krebserkrankungen können so frühzeitig entdeckt und behandelt werden“, erläutert Dr. Kläs. In die neue Operationstechnik der Urologie des Krankenhauses Lübbecke-Rahden haben die Mühlenkreiskliniken insgesamt etwa 70.000 Euro investiert.