07.11.2018

Sprechstunde bei den Teddydocs

150 Kinder haben im Uni-Klinikum ihre Stofftiere verarzten lassen

Sophias Einhorn ist schon wieder fast gesund. Nun geht es nur noch in die „Apotheke“, um ein paar Traubenzucker-Tabletten zu besorgen.


Der Teddy hat „Aua“ am Arm und das Schwein hat zu viele Bonbons gefressen: Die Röntgenbilder des Radiologieteams Hendrik Grüber (links) und Felix Lingsminat zeigen es.

Reger Andrang im Behandlungszimmer der Teddydocs.

Alisas Katze hat sich ein Bein gebrochen. Zusammen mit Teddydoc Laura Schulz untersucht Alisa ihr Stofftier ganz genau.

Rahim sieht gebannt zu, wie Teddydoc Elena Grötzinger seinem Teddy die Atemmaske aufsetzt. Angst hat er nicht.

High Five: Amian bedankt sich bei Teddydoc Hilke Jung für die erfolgreiche Operation von „Äffchen“.

Der Elki-Bär begleitete die Kindergartengruppen durch den Tag.

Wenn jemand anderen einen Bärendienst erweist, bedeutet das normalerweise nichts Gutes. Anders bei der Bärenklinik, die die Medizinstudierenden jetzt wieder im Medizin Campus OWL des Mindener Universitätsklinikums eingerichtet hatten. Dieser Bärendienst war eine rundum positive Sache für alle Beteiligten. 

Insgesamt 150 Jungen und Mädchen aus acht Kindertageseinrichtungen besuchten die Sprechstunde der Teddydocs. Im Wartezimmer drängten sich besorgte Kuscheltier-Eltern und Stoffhasen mit gebrochenen Ohren, Einhörner mit Bauchschmerzen und Teddybären, die sich beim Spielen den Kopf gestoßen hatten. „Die Idee der Bärenklinik kommt ursprünglich aus Skandinavien“, berichtete Niklas Mohr, der das Studierendenprojekt betreute. „Ziel ist es, den Kindern auf diese Weise die Angst vor dem Krankenhaus zu nehmen.“ 

Deshalb wurden dort, wo normalerweise Vorlesungen und Seminare gehalten werden, möglichst realistisch die Abläufe in einer Klinik nachgestellt. Der erste Weg führte die Kinder zur „Anmeldung“. Auf einem Laufzettel wurden der Name und die Beschwerden des Stofftieres notiert, damit ging es weiter zu den Teddydocs ins Behandlungszimmer. Die kuscheligen Patienten wurden gewogen, vermessen und gründlich untersucht, dabei kamen verschiedene Instrumente zum Einsatz. Sogar an ein Röntgengerät hatten die Studierenden gedacht – gebastelt aus Pappkartons und von zwei flinken Zeichnern mit immer neuen Röntgenbildern bestückt. 

Weil den Teddy-Eltern alles ganz genau erklärt wurde und sie anfassen und ausprobieren durften, verloren Stethoskop und Co. schnell ihren Schrecken. Nicht einmal der „OP-Saal“, die nächste Station auf dem Weg durch die Bärenklinik, löste Unbehagen aus. Und das, obwohl hier alle mit Kittel, Haube und Mundschutz „verkleidet“ waren, damit beim Operieren – na klar – alles schön sauber zuging. Auch hier durften die Jungen und Mädchen wieder selbst aktiv werden, Spritzen setzen, Verbände anlegen oder die Beatmungsmaske halten.

Danach waren Teddy, Einhorn und Hase ganz schnell wieder fit. Vereinzelte OPs seien sogar ganz besonders erfolgreich gewesen, berichtete „Teddydoc“ Elena Grötzinger, Medizinstudentin im siebten Semester, lachend: „Ich hatte vorhin einen Hasen namens Mümmelmann auf dem OP-Tisch, der tatsächlich ein Loch im Bauch hatte. Das habe ich dann schön sorgfältig genäht.“

Den Kindern machte dieser Besuch in der Klinik, zu dem auch noch die Besichtigung eines Rettungswagens und Tipps zu gesunder Ernährung gehörten, richtig Spaß, aber das war eigentlich nur ein willkommener Nebeneffekt. Denn wichtiger war: Wer den Krankenhausbetrieb auf so spielerische Weise erlebt, hat auch nicht mehr so viel Angst, wenn er selbst und nicht der Teddy einmal Patient ist. „Wenn die Jungen und Mädchen hier beispielsweise eine Beatmungsmaske schon einmal gesehen haben, schafft das eine Vertrautheit, von der sie im Ernstfall profitieren können“, so Niklas Mohr. Die fünfjährige Sophia hat sich jedenfalls schon fest vorgenommen, zu Hause gleich auch noch all ihre anderen Puppen und Stofftiere zu verarzten: „Einen Arztkoffer hatte ich vorher schon. Ich hatte nur keinen Mundschutz.“ Den bekam sie jetzt in der Bärenklinik geschenkt. Auch Anke Niermann, die Leiterin der Kita Habsburgerring, geht davon aus, dass der Klinikbesuch wohl noch nachwirken wird: „Kann schon sein, dass wir bei uns in der Kita in den nächsten Tagen selbst einen Röntgenapparat nachbauen“, vermutete sie schmunzelnd.