18.04.2019

„Ständiges Sodbrennen kann die Speiseröhre schädigen“

Professor Dr. Carsten Gartung im Interview zum 1. Mindener Refluxtag am 16. Mai

Professor Dr. Carsten Gartung ist Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektionskrankheiten im Johannes Wesling Klinikum Minden.


Wenn eine medikamentöse Behandlung nicht mehr funktioniert, kann ein sogenannter Neuro-Stimulator eingesetzt werden, der verhindert, dass Magensäure in die Speiseröhre aufsteigt.

Seit eineinhalb Jahren existiert das interdisziplinäre Refluxzentrum am Johannes Wesling Klinikum. Dort werden von Ärzten verschiedener Fachrichtungen Erkrankungen rund ums Sodbrennen behandelt. Am ersten Mindener Refluxtag am 16. Mai stellt Professor Dr. Carsten Gartung, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektionskrankheiten, mit seinen Kollegen aus der Gastroenterologischen Gemeinschaftspraxis Minden und der Klinik für Allgemeinchirurgie, Viszeral-, Thorax- und Endokrine Chirurgie des Mindener Universitätsklinikums das Refluxzentrum und verschiedene Behandlungsoptionen bei Sodbrennen vor. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Hörsaal des Johannes Wesling Klinikums Minden, Hans-Nolte-Straße 1.

30 Prozent der Menschen leiden unter häufigem Sodbrennen. Wann ist Sodbrennen normal und wann ist Sodbrennen eine Krankheit?
Professor Dr. Carsten Gartung: Wenn man mal zu gut gegessen oder getrunken hat, dann ist Sodbrennen normal. Aber wenn Sodbrennen häufiger als einmal im Monat auftritt und ohne erkennbaren Anlass, dann sollte man das von einem Arzt abklären lassen.

Was geschieht denn beim Arzt?
Professor Dr. Carsten Gartung: Als erstes wird natürlich versucht, das Sodbrennen durch Änderung der Verhaltensweisen in den Griff zu bekommen: gesünderes Essen, mehr Bewegung, weniger Stress, weniger Alkohol. Wenn das Sodbrennen trotzdem noch auftritt, kann eine medikamentöse oder sogar eine chirurgische Behandlung helfen.

Was genau passiert bei Sodbrennen? Warum ist das so unangenehm?
Professor Dr. Carsten Gartung: Beim Sodbrennen wird Magensäure aus dem Magen die Speiseröhre hinauf gedrückt. Man kann sagen: Die Magensäure verätzt die Speiseröhre. Das kann auch zu dauerhaften Schädigungen an der Speiseröhre führen. Das kann viele verschiedene Ursachen haben. Beispielsweise kann der Magen zu voll, die Zusammensetzung des Mageninhalts zu fettig oder eine übersteigerte Produktion der Magensäure vorliegen. Aber auch eine Nahrungsunverträglichkeit kann dahinterstecken.

Wie kann mir denn ein Arzt helfen?
Professor Dr. Carsten Gartung: Um Ihnen helfen zu können, muss erstmal die Ursache des regelmäßigen Sodbrennens herausgefunden werden. Wenn wir die Ursache kennen, können wir gezielt dagegen vorgehen. Entweder durch eine Ernährungsumstellung bei einer Unverträglichkeit, medikamentös oder durch operative Maßnahmen, zum Beispiel durch die Implantation eines Neuro-Stimulators.

Wie entscheidet sich, welche Behandlungsoption die richtige für mich ist?
Professor Dr. Carsten Gartung: Grundsätzlich wählen wir immer erst die am wenigsten invasive Variante. Das heißt, wir versuchen den Eingriff für den Körper so gering wie möglich zu halten.

Wie funktioniert die medikamentöse Behandlung?
Professor Dr. Carsten Gartung: Es gibt Säureblocker, die den Säuregehalt und die Menge der Magensäure regulieren. Bei einer guten medikamentösen Einstellung können Patienten beschwerdefrei leben. Wichtig ist hier aber die Einstellung durch einen Arzt, der auch immer wieder einen Auslassversuch anregt. Auf keinen Fall sollte man eine langfristige Selbsttherapie mit freiverkäuflichen Säureblockern durchführen. Die freiverkäuflichen Produkte sind nur für den kurzfristigen Einsatz gedacht.

Und warum gibt es eine operative Methode?
Professor Dr. Carsten Gartung: Bei manchen Patienten funktioniert die medikamentöse Einstellung schlicht nicht mehr. In solchen Fällen können wir unseren Patienten als einziges Klinikum in der weiteren Umgebung eine neue operative Methode anbieten: die Implantation eines sogenannten Neuro-Stimulators. Das hört sich schlimmer an, als es ist. Das kleine Gerät funktioniert wie ein Herzschrittmacher. Zwei Elektroden am Übergang zwischen Magen und Speiseröhre senden einen Stromimpuls aus, so dass es zu einem Training des unteren Schließmuskels kommt, der dadurch den Mageneingang besser kontrollieren und dann wirkungsvoller verschließen kann. Die Magensäure kann so nicht weiter aufsteigen.

Wie groß ist der operative Eingriff?
Professor Dr. Carsten Gartung: Das Gerät wird bei einer halbstündigen Operation eingesetzt. Wir wenden das Verfahren jetzt seit Ende 2017 an und haben nur positive Erfahrungen gemacht. Die Patientinnen und Patienten sind in der Regel danach komplett beschwerdefrei. Auch eine medikamentöse Therapie ist danach meist nicht mehr notwendig.

Wie ist der Weg zu so einer Operation?
Professor Dr. Carsten Gartung: Der Weg geht immer über den Hausarzt. Dort wird die Grunddiagnostik durchgeführt. Sollte keine Besserung auftreten, erhalten die Patienten eine Überweisung an das Refluxzentrum im Johannes Wesling Klinikum. Dort wird von einem Team aus Ärzten verschiedener Fachrichtungen eine erweiterte Diagnostik durchgeführt. Im Anschluss wird eine individuelle Therapie ausgearbeitet. Der letzte Schritt kann die Implantation eines Magenschrittmachers sein.

Weitere Informationen über das Mindener Refluxzentrum gibt es hier.