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Neues Hauptbehandlerkonzept erfolgreich umgesetzt: Viszeralchirurg Dr. Oke Akkermann (re.) und Assistenzärztin Dr. Maike Thülig (li.) kümmerten sich um die lebensgefährliche Tumorerkrankung von Udo Reinkehr (mit Ehefrau Edith).
Neuen Weg gegangen, der belohnt wurde: Professor Dr. Berthold Gerdes, Direktor der Klinik für Allgemeinchirurgie, Viszeral-, Thorax und Endokrine Chirurgie am Johannes Wesling Universitätsklinikum und sein Team sind mit dem Innovationspreis der Universität Witten/Herdecke für nachhaltiges Krankenhausmanagement ausgezeichnet worden.

Nur einmal seine Geschichte erzählen

Vor einem halben Jahr war Udo Reinkehr (64) in einer lebensbedrohlichen Situation. Im Frühjahr 2016 breitete sich in der Bauchgegend ein Tumor aus, der weit voran geschritten war. Es würde ein größerer Eingriff im OP werden, dessen Ausgang nicht sicher schien. Sofortiges Handeln war erforderlich, doch Reinkehr, der im Jahr zuvor seine Schwester an Krebs verloren hatte, zögerte. "Das Vertrauen zu meinem Arzt war entscheidend. Ohne dieses Verhältnis hätte ich die OP nicht machen lassen. Und dieses notwendige Vertrauen war von Anfang an da", sagt Reinkehr. Entstanden ist es, weil er während seiner gesamten Behandlung stets mit einem Mediziner sprach. Reinkehr musste seine Geschichte nie zweimal erzählen.

Neben ihm sitzt Dr. Oke Akkermann, Oberarzt an der Klinik für Allgemeinchirurgie, Viszeral-, Thorax und Endokrine Chirurgie am Johannes Wesling Universitätsklinikum. Er ist der medizinische Ansprechpartner für Reinkehr, im Fachjargon Hauptbehandler genannt. Konkret bedeutet das: Viszeralchirurg Dr. Akkermann hat die Voruntersuchungen begleitet, war bei allen Operationen anwesend und kümmert sich bis heute um die Nachsorge. Er kennt Udo Reinkehrs Krankenakte wie kaum jemand in der Klinik. "Wenn sich etwas verändert, muss ich mich nicht lange einlesen", sagt Oberarzt Akkermann. Das spart sowohl dem Patienten als auch den Medizinern Zeit. "Vor allem aber schafft es ein Vertrauensverhältnis", sagt Akkermann.

Was sich logisch anhört, ist nicht immer vorhanden. An der Klinik für Allgemeinchirurgie gab eine Besprechung außerhalb der Dienstroutine den Ausschlag. "Wir haben darüber gesprochen, wie wir unsere Arbeit als Team gestalten wollen und was wir in unserem Beruf für wichtig erachten", sagt Professor Dr. Berthold Gerdes, Direktor der Klinik für Allgemeinchirurgie, Viszeral-, Thorax- und Endokrine Chirurgie.

"Wie können wir den Kern der Medizin, das "Arzt-Patienten-Verhältnis", weiter verbessern?" Am Ende des Treffens stand das Hauptbehandlerkonzept, mit dem "der Patient als Mensch in den Mittelpunkt rückt, um den herum die Prozesse organisiert werden", sagt Gerdes, der auch vom "Kern unseres Berufsverständnisses" spricht. Sieben Oberärzte und Direktor Professor Gerdes kümmern sich im Verlauf eines Jahres um mehr als 2.000 Patienten - die Assistenzärzte unterstützen sie dabei. "Die Hauptbehandler sehen ihre Patienten jeden Tag, manchmal zweimal."

Mit diesem Hauptbehandlerkonzept hat die Klinik für Allgemeinchirurgie den zum ersten Mal vergebenen Innovationspreis "Voraus//gedacht" für nachhaltiges Krankenhausmanagement 2016 gewonnen. Über 40 Kliniken aus ganz Deutschland beteiligten sich an dem Wettbewerb, der von der Universität Witten / Herdecke ausgeschrieben war. "Wir erfahren immer wieder von Projekten, die in einzelnen Krankenhäusern initiiert werden", sagt Sarah Becker, Initiatorin des Preises und Geschäftsführerin der Gesellschaft für Krankenhausmanagement mbH. "Damit diese auch zum Vorbild für andere Häuser werden können, bedarf es aber einer größeren Öffentlichkeit. Deshalb haben wir 'Voraus//gedacht' ins Leben gerufen". In einer mehrwöchigen Abstimmung hatten knapp 10.000 Internetnutzer ihre Stimmen abgegeben. 

Professor Gerdes freut sich vor allem für sein Team über den Innovationspreis. "Wir sind in der Mindener Allgemeinchirurgie einen neuen Weg gegangen, der belohnt wurde. Die Auszeichnung ist eine Wertschätzung für den Einsatz der Mitarbeiter meiner Klinik. Sie zeigt, dass es auch in einem großen Klinikbetrieb möglich ist, als Mediziner nah am Patienten zu sein."

Für Udo Reinkehr und seine Frau Edith stehen jetzt seine endgültige Genesung und die halbjährlichen Kontrolluntersuchung im Vordergrund. Dreizehn Stunden dauerte die Entfernung seines Tumors am Johannes Wesling Universitätsklinikum im März 2016. "Als wir vor der OP nicht weiter wussten, konnten wir eine Telefonnummer wählen. Das hat uns seelisch aufgefangen", sagt Edith Reinkehr. Am anderen Ende war Dr. Oke Akkermann - ihr Hauptbehandler.