Multiple Sklerose

In unserer Neurologischen Klinik werden pro Jahr etwa 200 Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose stationär untersucht und behandelt. Außerdem finden ambulante Behandlungen in der Privatsprechstunde von Prof. Schellinger und nach Überweisung durch einen Neurologen oder Nervenarzt in der MS-Ambulanz (Terminvergabe unter 0571 790-53501) statt. Durch die enge Zusammenarbeit mit den führenden Forschungszentren ist das diagnostische und therapeutische Vorgehen stets auf dem aktuellen Niveau.

Was ist Multiple Sklerose?
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, die ganz unterschiedlich verlaufen kann und meist im frühen Erwachsenenalter beginnt.
Das Gehirn stellt eine Art Schaltzentrale dar, in der Signale über das Rückenmark zum Körper gesendet oder von dort empfangen werden; diese werden von verschiedenen Nervenfasern geleitet, die ähnlich wie elektrische Kabel von einer Schutz- bzw. Isolierschicht, dem Myelin, umgeben sind. Bei MS entstehen durch eine Fehlfunktion des Immunsystems Entzündungsherde, bei denen sich die Entzündung gegen das Myelin richtet. Dadurch können die Botschaften nicht so wirkungsvoll übertragen werden: je nach Lage des Entzündungsherdes kann es zu verschiedenen Symptomen, wie z.B. Sehstörungen, Taubheitsgefühlen, Lähmungen, Gang- oder Blasenstörungen kommen.
Das akute Auftreten von einem oder mehreren Entzündungsherden mit entsprechenden körperlichen Störungen und Ausfällen nennt man Schub. Ein Schub entwickelt sich innerhalb von Stunden oder Tagen und klingt nach einiger Zeit wieder ab. Im Verlauf kann das entzündete Nervengewebe vernarben (sklerosieren). Seltener entwickelt sich eine MS ohne die genannten Schübe - die Krankheit verläuft dann schleichend zunehmend ("chronisch progredient").

Wie wird die Diagnose MS gestellt?
Das Erscheinungsbild der MS ist sehr vielgestaltig; die meisten Anfangsbeschwerden der MS können auch durch andere Krankheiten verursacht werden. Es ist in den letzten Jahren leichter geworden, eine MS festzustellen.

Nach der sorgfältigen Erhebung der Krankheitsgeschichte schließt sich eine gründliche neurologische Untersuchung durch den Arzt an. Die frischen oder älteren Entzündungsherde können durch eine Kernspintomographie, die nicht mit einer Strahlenbelastung verbunden ist, dargestellt werden. Um den für MS typischen Entzündungsprozess nachzuweisen - und andere Ursachen der Symptome auszuschließen, wird eine Untersuchung des Liquors, des sogenannten "Nervenwassers" durchgeführt.

Kernspintomographie mit MS-typischen Entzündungsherden

Entzündungszellen im Liquor (Nervenwasser)

Meistens schließen sich noch weitere Untersuchungen wie verschiedene Labortests sowie die Untersuchung der Sehnerven (VEP - "Schachbrettmusteruntersuchung") an. Die Diagnose "Multiple Sklerose" kann nur gestellt werden, wenn nachgewiesen ist, dass die Entzündung zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten des Nervensystems aktiv ist. Dies ist z. B. der Fall, wenn 2 Schübe aufgetreten sind, oder wenn in der Kernspintomographie mehrere unterschiedlich alte Herde gefunden werden. Manchmal ist nach dem ersten Ereignis noch keine sichere Diagnosestellung möglich.
Wenn wir die Diagnose stellen, erfolgt eine individuelle Risikoabschätzung für den weiteren Krankheitsverlauf und ein ausführliches Aufklärungsgespräch, auch über die notwendigen Therapien.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei MS?
Der Verlauf einer MS kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein. Deshalb ist es anfangs oft nicht möglich, eine sichere Voraussage zu treffen. Die Angst, bald einen Rollstuhl zu brauchen ist in den allermeisten Fällen unbegründet. Durch die Fortschritte, die in der Behandlung der MS in den letzten Jahrzehnten gemacht wurden, hat sich die Prognose der MS gebessert, Ziel ist jetzt ein Zustand, in dem keine Aktivität der Erkrankung nachweisbar ist.

Bei der Behandlung der MS gibt es drei Aspekte:

Bei einem Schub wird dieser zunächst mit Kortison (3-5 Tage Methylprednisolon, ggf. Wiederholung mit erhöhter Dosis) behandelt.

Bei schlechtem Ansprechen und schwerwiegenden Symptomen kann innerhalb von 4-6 Wochen eine Plasmapherese nötig sein.

Um die zugrundeliegende Entzündungsaktivität zu beeinflussen, gibt es aktuell 14 zugelassene Präparate (weitere in der Zulassung/Erprobung). Diese unterscheiden sich in Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Darreichungsform, so dass die Auswahl des richtigen Medikamentes von vielen Faktoren abhängig ist und mit dem Patienten individuell besprochen werden muss.

Mittlerweile gibt es zunehmend auch Behandlungsoptionen für die chronisch progredienten Verlaufsformen der MS.

Als dritter Faktor ist eine symptomatische Therapie eventuell bleibender Symptome mittels Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie zu nennen.