22.01.2018

Ruhe trägt zur Heilung bei

Erste Patientin der neuen Intensivstation fühlt sich gut aufgehoben

Oksana Grabenschow, Dr. Dimitri Varvakas, Saskia Beutner, Intensivstationsleiter Jörg Koch, Dr. Brigitte Lehning und Dr. Peter Kläs in einem Einzelzimmer der neuen Intensivstation.

Saskia Beutner wurde wegen eines Nierenleidens auf der neuen Intensivstation im Krankenhaus Lübbecke-Rahden behandelt.

Auf der neuen Intensivstation am Krankenhaus Lübbecke-Rahden wurde der Geräuschpegel deutlich gesenkt. Eine junge Patientin berichtet, wie sie ihren Aufenthalt dort erlebte.

Als sich der Zustand von Saskia Kim Beutner verschlechtert, ist es schon nach Mitternacht. Die 20-jährige Studentin aus Preußisch Oldendorf liegt mit einem Nierenleiden in der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Operative Uro-Onkologie am Krankenhaus Lübbecke-Rahden. Dr. Dimitrios Varvaras ordnet die sofortige Verlegung auf die neue Intensivstation an, die wenige Tage zuvor eröffnet wurde. „Plötzlich kamen Schwestern in mein Zimmer und erklärten mir ruhig, dass ich verlegt werden würde. Ich war zu dem Zeitpunkt desorientiert, ich habe kaum den Ernst der Lage begriffen“, erzählt Saskia Beutner einige Wochen später. „Trotzdem fühlte ich mich gut aufgehoben. Es ging eine enorme Gelassenheit von den Ärzten und Schwestern aus, da konnte ich mich gar nicht aufregen“, fügt die Studentin lächelnd hinzu.

Als sie wenige Minuten später auf der Intensivstation eintrifft, nimmt Saskia Beutner die neue Umgebung nur allmählich wahr. Sie liegt in einem Zweibettzimmer, in dem sie unter ständiger medizinischer Beobachtung steht. Nach und nach entpuppt sich die Station als Hort der Ruhe. Dazu tragen das individuelle Einstellen der Beleuchtung ihrer Zimmerhälfte sowie die Trennwand zu ihrem Bettnachbarn, von dem sie fast nichts hört und sieht, bei. In den folgenden Tagen empfindet sie die Intensivstation als „geschäftig ruhig“. „Das kompetente Personal schafft eine entspannte Atmosphäre. Wenn man krank ist, sagt einem Jeder, dass man viel Ruhe brauche. Das habe ich erst verstanden, als ich mit Fieber und einem Blutdruck von 40 zu 80 auf der Intensivstation lag“, berichtet Saskia Beutner.

Die Wahrnehmungen sind kein Zufall: Die neue Intensivstation am Krankenhaus Lübbecke-Rahden zielt darauf ab, den Patienten ein möglichst ruhiges und gesundheitsförderndes Umfeld zu bieten. „Die Geräuschkulisse spielt dabei eine sehr große Rolle, sie kann zu einer Verunsicherung führen, die völlig unbegründet ist“, sagt Jörg Koch, Stationsleiter des Pflegedienstes auf der neuen Intensivstation. Er erklärt, dass Patienten gerade auf Pieptöne medizinischer Apparaturen sehr sensibel reagieren: „Auch ein Piepsen, dass nicht dem Patienten selber gilt, kann zu einer Verunsicherung führen, die vollkommen unbegründet ist.“ Bauliche Veränderungen auf der Station verringern den Geräuschpegel merklich. „Es hallt jetzt nicht mehr. Dadurch fühlen sich die Patienten durch die Geräusche nicht mehr so angesprochen“, berichtet Koch. Wird das Stationspersonal über ein Gerät alarmiert, nehmen es der Patient und das Umfeld kaum noch war. Koch: „Das hilft auch uns sehr!“

Besonders demenzerkrankte Menschen reagieren sehr sensibel auf ihre Umgebung. „Die deutlich geminderten Hintergrundgeräusche erleichtern uns die Arbeit mit diesen Patienten“, sagt Oberarzt Dr. Peter Kläs von der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Operative Uro-Onkologie. Zum neuen Konzept der Intensivstation gehört auch eine Beleuchtung, die in Stärke und Farbe variabel ist und vom Patienten per Fernbedienung verändert werden kann. Außerdem wurden die neuen Zimmer mit modernen Flachbildschirmen ausgestattet, die an der Wand oder am Bett angebracht sind. „Jeder Patient hat seinen eigenen Fernseher, so kann man auch in einem Doppelzimmer über Kopfhörer fernsehen, ohne den anderen Patienten zu stören oder ihm seine Lieblingssendung vorzuenthalten“, sagt Oksana Grabeschow, die zum Team der Intensivpflegekräfte gehört. „Der Fernseher hat mir in meiner Woche auf der Intensiv so manchen Tag gerettet“, bestätigt Saskia Beutner.

Maximal zwölf Patienten können auf der neuen Intensivstation behandelt werden, die meisten in Einzelzimmern. Ein kleiner Vorraum, der durch zwei Schiebetüren geschlossen werden kann, dient jeweils als Schleuse. „Dort kann das Intensivteam die Schutzkleidung anlegen, falls ein Patient isoliert werden muss“, erklärt Dr. Brigitte Lehning, Direktorin des Instituts für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin und organisatorische Leitung der Intensivstation. „Wir können jetzt deutlich mehr Privatsphäre bieten.“ Das hat auch Auswirkungen auf die Besuchszeiten, die nun individueller gehandhabt werden. „Die Patienten auf dieser Station sind in einer Ausnahmesituation und wir versuchen, den Angehörigen so weit wie möglich entgegen zu kommen“, sagt Dr. Lehning. „Es kam schon vor, dass ein Verwandter nachts arbeitete und vor Schichtbeginn hier zu Besuch kommen konnte.“ Das Team der Station macht hier individuell vieles möglich.

Saskia Beutner ist mehrmals operiert und inzwischen nach Hause entlassen worden.  „Die Intensivstation hat sehr zu meiner Genesung beigetragen. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wäre auch nur eine Sache anders gelaufen. Vielleicht wäre ich heute nicht mehr da…“. Ihre Erkrankung hat sie hinter sich gelassen. Denn auch wenn ihr die Ruhe und die Atmosphäre auf der neuen Intensivstation gefallen haben, muss sie nicht unbedingt wieder dahin zurück. „Ich habe mich gut betreut gefühlt. Überrascht hat mich, dass entgegen der üblichen Erwartungen auch auf der Intensivstation auf die Privatsphäre große Rücksicht genommen wird. Trotzdem bin ich natürlich sehr froh, dass ich jetzt wieder gesund zu Hause bin.“