Narbenbruch (Narbenhernie)

  • Was bedeutet Narbenbruch?

    Was bedeutet Narbenbruch?

    In Deutschland beträgt die geschätzte Zahl neu aufgetretener Narbenbrüche 40.000-70.000 jährlich. In unserer Klinik werden im Jahr über 50 Narbenbrüche operiert.

    Ein Narbenbruch kann im Bereich von Operationsnarben an der Bauchwand entstehen, wenn dort eine Schwächung der Bauchwand auftritt. Dies passiert nach bis zu 20% aller Operationen. In der Bauchwand entsteht dann eine Lücke (die sog. Bruchpforte) durch die Gewebe aus der Bauchhöhle (z.B. Fettgewebe oder Darmanteile) unter die Haut vorfallen kann. Dieser „Vorfall“ ist dann als Vorwölbung sicht- und tastbar. Ein Narbenbruch muss nicht notwendigerweise Beschwerden verursachen, gefürchtet ist jedoch die Einklemmung von Darmanteilen in der Bruchpforte, die dann absterben können, weil durch die Einklemmung die Blutzufuhr vermindert ist.

  • Die Entstehung eines Narbenbruchs wird durch folgende Umstände begünstigt

    Die Entstehung eines Narbenbruchs wird durch folgende Umstände begünstigt

    Husten, akute oder chronische Atemwegserkrankungen, maschinelle Beatmung nach Bauchoperation, Darmverschluss, Bauchwasser, Übergewicht, Nierenfunktions-störungen, Wundinfekte, Zuckerkrankheit, Tumorleiden, Eiweißmangel, Alkohol- und Nikotinmissbrauch, Bindegewebsschwäche, wiederholte Bauchschnitte, fehlerhafte Wundverschlusstechnik.

  • Welche Beschwerden verursacht der Narbenbruch?

    Welche Beschwerden verursacht der Narbenbruch?

    Häufig bemerken die Patienten eine zunächst kleine Vorwölbung im Narbenbereich, diese kann sich im Zeitverlauf dann mehr oder weniger rasch vergrößern. Insbesondere bei der Betätigung der Bauchmuskulatur (z. B. beim Aufrichten aus dem Liegen, Stuhlgang, Husten und Niesen, schwerem Heben, Sport) tritt die Vorwölbung besonders deutlich hervor. Zudem können Schmerzen auftreten. Der Bruch kann meist per Hand in die Bauchhöhle zurückgedrückt werden. Bestehen allerdings starke Schmerzen und ist der Bruch nicht mehr zurückdrückbar liegt möglicherweise eine Einklemmung vor. Dann sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden, damit entweder der Bruch zurückgedrückt oder bei nachgewiesener Einklemmung eine umgehende Operation erfolgen kann bevor das vorgefallene Gewebe abstirbt.

  • Welche Untersuchungen sind beim Narbenbruch erforderlich?

    Welche Untersuchungen sind beim Narbenbruch erforderlich?

    Meistens kann die Diagnose durch die körperliche Untersuchung des Patienten gestellt werden. Gelegentlich ist bei kleinen Bruchlücken, die nur schwer tastbar sind, eine ergänzende Ultraschalluntersuchung der Bauchdecke erforderlich. Bei großen Brüchen und stark übergewichtigen Patienten ist eine Computertomographie der Bauchhöhle notwendig, um die Ausmaße des Bruches einschätzen zu können.

  • Warum muss der Narbenbruch operiert werden?

    Warum muss der Narbenbruch operiert werden?

    Ein Narbenbruch bildet sich nie von selbst zurück. Im Gegenteil kommt es durch den Innendruck im Bauchraum zu einer stetigen Vergrößerung der Bruchpforte, so dass immer mehr Darmanteile unter die Haut vorfallen können. Zudem besteht jederzeit die Gefahr der Einklemmung. Um dieser Notfallsituation vorzubeugen, besteht prinzipiell mit der Diagnosestellung die Notwendigkeit einer Operation.

  • Wie wird der Narbenbruch operiert?

    Wie wird der Narbenbruch operiert?

    Konventionelle Operation mit Bauchschnitt

    Bei sehr kleinen Brüchen unter 2 cm kann die Bauchdecke nach Wiedereröffnung der alten Narbe durch eine Naht geschlossen werden. Bei größeren Brüchen ist die Naht nicht erfolgversprechend, hier wird nach Eröffnung der Narbe die Bauchdecke durch Einpflanzung eines Kunststoffnetzes verstärkt. Dabei wird das Netz zwischen die Schichten der Bauchwand hinter die Muskulatur eingebracht (sog. Sublay-Technik).


    Minimal invasive Operation (Bauchspiegelung, Schlüsselloch-Technik)

    Hierbei wird der Bruch von innerhalb der Bauchhöhle aus repariert. Per Bauchspiegelung wird zunächst das vorgefallene Gewebe in die Bauchhöhle zurückverlagert und dann ein Kunststoffnetz von innen vor der Bruchpforte platziert.  Das Netz wird mit Fäden und resorbierbaren Ankern in der Bauchdecke befestigt. Der Körper scheidet das Netz innerhalb von wenigen Wochen ein, so dass es zu einem Teil der Bauchdecke wird und dauerhaft in seiner Position bleibt.

    Dieses Verfahren ist kommt zum Beispiel bei Rückfallbrüchen (erneuter Bruch nach bereits erfolgter Operation) oder sonstigen besonderen Bedingungen (z. B. stark übergewichtiger Patient, Bruch an speziellen Stellen) zur Anwendung. 

    Ausgesprochen große Brüchen, bei denen bereits größere Anteil des Darms aus der Bauchhöhle in den Bruch verlagert sind, stellen eine besondere Herausforderung für den Chirurgen dar. Die Operation solcher Hernien erfordert immer ein individuelles Konzept für jeden einzelnen Patienten. Hier kommen mitunter ausgedehnte Operationen der Bauchwand zur Anwendung, bei denen die verschiedenen Schichten der Bauchdecke voneinander getrennt werden, um z.B. Gewebe aus den Flanken zur Mitte hin zu verlagern, damit dort der Bruch verschlossen werden kann (sog. Komponentenseparationstechnik).

    Welches Verfahren bei Ihnen zur Anwendung kommt, wird in einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt entschieden.

    Komplikationen nach Narbenbruchoperationen sind mit und ohne Netzeinlage selten. Nach der Implantation von großen Kunststoffnetzen kommt es nicht selten zu Flüssigkeitsansammlungen im Wundbereich (Serome), die sich meistens nach ein paar Wochen spontan zurückbilden und daher in der Regel nicht behandlungsbedürftig sind. Nur in seltenen Fällen, z.B. bei Fortbestehen größerer Flüssigkeitsansammlungen ist eine Punktion in örtlicher Betäubung erforderlich.

    Häufiger kommt es für einige Wochen nach der Operation zu einem Ziehen in der Bauchwand, insb. bei Beugung oder Drehung des Rumpfes. Dies ist durch die Nähte der Bauchwandschichten und die Befestigung der Netze in der Bauchwand bedingt. Diese Beschwerden nehmen jedoch mit zeitlichem Abstand von der Operation ab und verschwinden dann gänzlich.