Divertikelkrankheit (Divertikulitis)

  • Was bedeutet Divertikelkrankheit?

    Was bedeutet Divertikelkrankheit?

    Bei Divertikeln des Dickdarmes, welche in westlichen Industrieländern häufig vorkommen (Anstieg mit zunehmendem Lebensalter, jeder 3. der über 60-jährigen), handelt es sich um erworbene Ausstülpungen der Darmwand. Zu über 80% ist der S-Darm (Sigma) befallen. Dies ist der vorletzte Teil des Dickdarms, der sich im linken Unterbauch befindet. Bei der Mehrzahl der Menschen verursachen diese Divertikel keine Beschwerden, sie haben keinen Krankheitswert. Man spricht von einer reizlosen Divertikulose. Der genaue Entstehungsmechanismus der Erkrankung ist bis heute nicht geklärt. Als Ursache für die Bildung von Divertikeln wird eine faser- und ballaststoffarme Kost, gesteigerte Drücke im Darm (wie z.B. bei Verstopfung) und altersbedingte Darmwandveränderungen angesehen.

  • Welche Beschwerden verursacht die Divertikelkrankheit?

    Welche Beschwerden verursacht die Divertikelkrankheit?

    Typische Beschwerden sind starke Schmerzen im linken Unterbauch mit krampfartigem oder auch anhaltendem Charakter, Fieber, Stuhlunregelmäßigkeiten, Schmerzen beim Wasserlassen. Beim Auftreten von Beschwerden oder Komplikationen spricht man von einer sog. Divertikelkrankheit. Als Ursache der Beschwerden liegt meist eine Entzündung von einem oder mehreren dieser Divertikel vor, man spricht von einer Sigmadivertikulitis oder kurz Divertikulitis. Etwa 10-20% aller Menschen mit Divertikeln entwickeln im Laufe ihres Lebens eine solche Divertikulitis.

    Als Komplikation einer Divertikulitis kann eine Perforation (Durchbruch) der Darmwand auftreten. Dann treten Darmbakterien aus dem Darm aus. Hierbei wird das Loch in der Darmwand entweder von Bauchfett abgedeckt, dann entsteht ein Abszess (Eiteransammlung), oder das Leck im Darm hat Verbindung mit der freien Bauchhöhle, dann läuft Stuhl in die Bauchhöhle, es entsteht eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) und gegebenenfalls eine Blutvergiftung (Sepsis).

    Eine weitere Komplikation stellt die Divertikelblutung dar. Diese kann gemeinsam mit einer Entzündung oder auch für sich alleine auftreten.

    Als Folge von mehreren Entzündungsschüben kann sich im betroffenen Darmabschnitt eine narbige Enge entwickeln, die zu Verstopfung oder schmerzhafter Darmentleerung führen kann.

  • Welche Untersuchungen sind erforderlich?

    Welche Untersuchungen sind erforderlich?

    Wenn Ihre Vorgeschichte oder die klinische Untersuchung den Verdacht auf eine akute Divertikelkrankheit / Divertikulitis nahe legt, sollten folgende Untersuchungen erfolgen:

    • Eingehende körperliche Untersuchung durch den Arzt
    • Die Bestimmung der Entzündungswerte im Blut
    • Eine Ultraschalluntersuchung des Bauches
    • Eine Computertomografie (CT) des Bauches
    • Eine Darmspiegelung (Koloskopie)

    Vor allem die Computertomografie kann mit hoher Sicherheit die Diagnose einer Divertikulitis von anderen Beschwerdeursachen abgrenzen. Hier kann zudem das Ausmaß der Divertikulitis am besten beurteilt werden. Sollte bei Ihnen eine operative Behandlung der Divertikulitis geplant sein, muss eine Darmspiegelung möglichst vor der Operation andere Dickdarmerkrankungen ausschließen.

  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    Die Divertikulose ist nicht behandlungsbedürftig, es empfiehlt sich aber, auf eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Trinkmenge und körperliche Bewegung zu achten. Die Therapie der Divertikulitis ist abhängig vom Ausmaß der Entzündung, die sich in der Computertomografie darstellt sowie dem Auftreten der anderen oben genannten Komplikationen.

    Konservative Behandlung
    Die unkomplizierte Divertikulitis – häufig nur mit mäßigen Schmerzen ohne Fieber / Krankheitsgefühl – lässt sich in der Regel durch eine Antibiotika-Gabe, Schmerzmedikamente und Schonkost über ca. 1 Woche zur Ausheilung bringen. Die Beschwerden gehen dann rasch zurück und Sie erholen sich nach wenigen Tagen. Ob und wann eine erneute Entzündung auftritt (Rückfall) oder sich eine Komplikation einstellt, kann jedoch nicht vorhergesagt werden. Über die Frage, wie oft man eine Rückfall-Divertikulitis konservativ, d.h. ohne Operation, behandeln sollte, wird noch diskutiert. Es gilt zumindest als gesichert, dass mit der Häufigkeit der Entzündung die Wahrscheinlichkeit einer schweren Komplikation nicht zunimmt.

    Operation
    Wenn ein Darmdurchbruch mit Bauchfellentzündung besteht ist eine umgehende Operation erforderlich. Zudem gilt, dass eine Operation mit Entfernung des entzündeten Darmabschnitts erfolgen sollte, wenn eine Divertikulitis mit Komplikationen (Abszess, gedeckter Darmdurchbruch, Engstellung des Darms, Fistel) aufgetreten ist und zudem, wenn anhaltende Beschwerden unter der konservativen Behandlung verbleiben. Die Divertikelblutung kommt in ca. 80% der Fälle von selbst zum Stillstand, jeder 4. Patient erlebt jedoch eine erneute Blutung. In der lebensbedrohlichen Blutung muss notfallmäßig operiert werden.

  • Organisatorischer Ablauf einer Operation

    Organisatorischer Ablauf einer Operation

    Zur OP-Vorbereitung zählt zunächst die Aufklärung über den geplanten Eingriff durch den Arzt. Hier haben Sie die Möglichkeit Fragen zu stellen und alle Unklarheiten aus dem Weg zu räumen. Die Darmreinigung erfolgt ähnlich, wie vor einer Darmspiegelung. Dieser Eingriff erfolgt in Vollnarkose und meist unter zusätzlicher Rückenmarksnarkose. In der Regel erfolgt die Operation in Schlüsselloch-Technik als minimal-invasiver Eingriff. Hierzu wird nach Einleiten von CO2-Gas in die Bauchhöhle über 4 kleine Hautschnitte und Einführen von chirurgischen Instrumenten in die Bauchhöhle der S-Darm von seinen Verwachsungen gelöst und über einen kleinen Hilfsschnitt über dem Schambein entfernt. Die Darmneuverbindung erfolgt über ein durch den After eingeführtes Klammernahtgerät. Ein Aufenthalt auf der Intensivstation ist nur in Ausnahmefällen nötig.

  • Nach der Operation

    Nach der Operation

    Alle Bemühungen nach der Operation zielen auf eine möglichst rasche Erholung, hier kommt das sogenannte “fast-track“- Prinzip (frei übersetzt: Schnellspur) zur Anwendung: Nach der Operation erhalten Sie eine wirksame und schonende Schmerztherapie. Der Kostaufbau erfolgt in Abhängigkeit von Ihrem Befinden ab dem ersten Tag nach der Operation mit Suppen und Joghurt, ab dem zweiten Tag dürfen Sie wieder Schonkost essen. Alle Schläuche – Venenzugang, Urinkatheter, Drainage – werden, falls überhaupt vorhanden, so früh wie möglich entfernt. Bereits am Abend des OP-Tages dürfen und sollen Sie wieder aufstehen. Einen normalen Verlauf, vorausgesetzt liegt die Dauer des Krankenhausaufenthaltes nach der Operation bei ca. 7 Tagen. Bei Entlassung sollten sich Ihre Wundschmerzen auf ein Minimum reduziert haben. Die vollständige Normalisierung Ihrer Darmtätigkeit und Stuhlgewohnheiten kann in Einzelfällen noch zwei bis drei Wochen dauern, anhaltende Einschränkungen sind aber nicht zu erwarten. Nach Abklingen der Schmerzen im Wundbereich können Sie sich wieder belasten. Eine besondere Diät brauchen Sie anschließend nicht einhalten, auf eine ausgewogene faser- und ballaststoffreiche Ernährung sollte jedoch geachtet werden.