Schilddrüsenoperation

Grundlagen

Die Schilddrüse produziert ein Hormon, das eine wichtige Funktion in der Regulation der Stoffwechselaktivität des Körpers hat. Schilddrüsenerkrankungen sind sehr häufig; jeder sechste Mensch in Deutschland hat einen krankhaften Befund der Schilddrüse. In den häufigsten Fällen ist die Schilddrüse vergrößert (Struma) und es finden sich Knoten in der Schilddrüse (Knotenstruma). Hierbei ist die Hormonproduktion der Schilddrüse jedoch meist nicht gestört. Ursächlich ist meist ein Jodmangel. Schilddrüsenvergrößerungen treten zudem familiär gehäuft auf. Jährlich werden in Deutschland etwa 100.000 Operationen an der Schilddrüse vorgenommen.


Welche Beschwerden treten auf?

Bei einer Vergrößerung der Schilddrüse kommt es zu Beschwerden am Hals: Die häufigsten sind Schluckstörungen, Kloßgefühl im Hals, Asymmetrie des Halses und bei sehr großen Schilddrüsen Luftnot und/oder Heiserkeit.

Bei einer Überfunktion der Schilddrüse kommt es zu einer erhöhten Herzfrequenz und Herzrasen, zu vermehrtem Schwitzen, zum Gewichtsverlust, zum Haarausfall und zu innerer Unruhe/Nervosität.


Welche Untersuchungen sind erforderlich?

Wenn ihre Vorgeschichte und die klinische Untersuchung den Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung nahelegen, sollten folgende Untersuchungen erfolgen:

  • Die Bestimmung der Schilddrüsenhormone im Blut
  • Eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse
  • Bei einigen Erkrankungen muss zusätzlich eine Schilddrüsenszintigraphie in einer nuklearmedizinischen Praxis durchgeführt werden

Mit diesen Untersuchungen kann der überwiegende Teil der Schilddrüsenerkrankungen hinreichend abgeklärt werden. Im Rahmen der Ultraschalluntersuchung bekommt der Arzt durch das unterschiedliche Erscheinungsbild der Knoten Hinweise auf deren Beschaffenheit und kann somit harmlose von verdächtigen Knoten unterscheiden.

Falls verdächtige Knoten festgestellt werden, kann eine ultraschallgesteuerte Feinnadelpunktion zur Entnahme von Schilddrüsengewebe erfolgen. Diese Untersuchung wird durch einen in dieser Technik spezialisierten Arzt, meist einen Nuklearmediziner oder Endokrinologen, durchgeführt.


Wann sollte ein Schilddrüsenknoten operiert werden?

Die Indikation zur operativen Therapie von Schilddrüsenerkrankungen wird immer gemeinsam mit dem behandelnden Hausarzt und dem Nuklearmediziner/Endokrinologen gestellt.

Die Indikationen sind:

  • Lokale Probleme bei der Knotenstruma (siehe oben)
  • Eine deutlich vergrößerte Schilddrüse auch ohne lokale Beschwerden
  • Eine Überfunktion der Schilddrüse bei Versagen der konservativen (medikamentösen) Therapie (siehe unten)
  • Vorliegen von verdächtigen Knoten, die eine Krebsvorstufe darstellen
  • Der Verdacht auf oder der Nachweis einer bösartigen Schilddrüsenerkrankung (Schilddrüsenkrebs).

Die Operationsstrategie unterscheidet sich bei den unterschiedlichen Erkrankungen wie folgt:

Schilddrüsenknoten
Hierbei müssen alle Knoten in der jeweiligen Schilddrüsenhälfte entfernt werden. In den meisten Fällen wird die betroffene Schilddrüsenseite komplett entfernt. Liegen verdächtige Knoten in beiden Schilddrüsenlappen vor, muss meist die ganze Schilddrüse entfernt werden. Manchmal wird ein kleiner Rest gesunden Gewebes belassen.

Morbus Basedow
Bei dieser Erkrankung sind sämtliche Zellen der Schilddrüse gleichmäßig erkrankt. Daher ist bei dieser Erkrankung die vollständige Entfernung der Schilddrüse erforderlich.

Bösartige Erkrankung der Schilddrüse
Neben der Entfernung der gesamten Schilddrüse sollten hier zusätzlich die umgebenden Lymphknoten vollständig entfernt werden.


Nervenschonung bei der Operation

Bei der Operation müssen die beiden Stimmbandnerven (Nervus laryngeus recurrens), die unmittelbar hinter der Schilddrüse liegen, in den Kehlkopf ziehen und die für die Stimmbildung verantwortlich sind, besonders geschont werden. Wird der Stimmbandnerv bei der Operation verletzt, kann das schwerwiegende Folgen (vorübergehende oder bleibende Heiserkeit bis zur Notwendigkeit eines Lüftröhrenschnitts) nach sich ziehen. Entscheidend für die Schonung des Nervens ist die frühe Darstellung bei der Operation. Hierbei wird in unserer Klinik bei jeder Operation das sogenannte Neuromonitoring eingesetzt. Dieses hilft dem Chirurgen, die Nerven zu lokalisieren und zu identifizieren. Zudem wird die Funktionstüchtigkeit des Nervens überprüft, um möglichst nervenschonend und funktionserhaltend vorzugehen.


Wie funktioniert Neuromonitoring?

Es wird nach dem Prinzip „Stimulation und Reizantwort“ verfahren. Über eine feine Sonde wird vom Operateur ein minimaler Stromstoß abgegeben. Handelt es sich bei der gereizten Struktur um den Stimmbandnerv, leitet dieser den Impuls an den Kehlkopfmuskel weiter und das Stimmband bewegt sich. Diese Stimmbandbewegung wird über den Beatmungsschlauch im Kehlkopf gemessen und durch ein optisches Signal am Monitor des Messgeräts und durch einen Ton angezeigt. So kann sich der Operateur von der Lage und Funktion des Nervens überzeugen und die Operationstaktik an die anatomischen und funktionellen Gegebenheiten anpassen.

Besonders hilfreich ist das Neuromonitoring bei erschwerten Operationsbedingungen. Dies trifft z.B. für große Schilddrüsen zu, bei einer Krebsoperation oder bei Wiederholungseingriffen. Hierbei ist der Nerv besonders gefährdet, verletzt zu werden. In solchen Fällen benutzen wir in unserer Klinik das sogenannte permanente Neuromonitoring. Hierbei wird der Vagusnerv mit einer Stimulationselektrode verbunden und es werden permanent in jeder Sekunde während der gesamten Operation kleine Stromstöße abgegeben. Der Operateur muss zur Kontrolle nicht die Präparation unterbrechen, sondern bekommt andauernd über ein akustisches Signal eine Rückmeldung über die regelrechte Nervenfunktion. Das ermöglicht dem Chirurgen sofort zu erkennen, wenn sich der Nerv in Gefahr befindet, und zu handeln, bevor eine Nervenirritation zu einer Schädigung führt.


Alternative/ergänzende Behandlung

Kleine Knotenstrumen, die keine Beschwerden machen und in der Ultraschalluntersuchung nicht verdächtig erscheinen, können durch regelmäßige Ultraschall- und Laborkontrollen verlaufsbeobachtet werden.

Sollte sich in einer Knotenstruma ein stoffwechselüberaktiver Knoten finden und sonst keine Operationsindikation bestehen, so kann dieser überaktive Knoten sehr gut mit der sogenannten Radio-Jodtherapie behandelt werden. Bei dieser Therapie wird dem Körper radioaktiv markiertes Jod injiziert. Dies reichert sich dann sehr spezifisch im Schilddrüsengewebe an und zerstört diesen stoffwechselaktiven Knoten.

Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, die zunächst immer mit Medikamenten behandelt wird. In etwa 50% der Fälle tritt darunter eine Ausheilung ein. Nur bei Patienten, die nach 18-monatiger medikamentöser Therapie einen Rückfall ihrer Schilddrüsenüberfunktion haben, muss die Schilddrüse darüber hinaus behandelt werden. Hier kommen zwei Alternativen in Betracht: bei großer Schilddrüse und bei Augenbeteiligung sollte eine Schilddrüsenoperation erfolgen. Zudem kann ein Morbus Basedow auch sehr gut mittels Radio-Jodtherapie behandelt werden.

Bei einem Teil der bösartigen Schilddrüsenerkrankungen ist nach der Operation eine zusätzliche Radio-Jodtherapie notwendig. Diese erfolgt in der Regel 6 Wochen nach der Operation. Nach dieser kombinierten Therapie des Schilddrüsenkrebses ist die Prognose der Patienten mit Schilddrüsenkrebs hervorragend. Fast alle Menschen können dauerhaft geheilt werden.


Organisatorischer Ablauf einer Schilddrüsenoperation

Wenn Sie sich über eine Schilddrüsenoperation in unserer Klinik informieren möchten, nehmen Sie telefonisch mit dem Sekretariat Kontakt auf (Telefon 0 57 31 / 77 14 04) oder schreiben Sie eine E-Mail:
allgemeinchirurgie-oeynhausen(at)muehlenkreiskliniken.de
Sie erhalten dann umgehend einen ersten Beratungstermin in der Sprechstunde.

Folgende Unterlagen sollten sie zu ihrem Termin mitbringen:

  • Eine Überweisung oder eine Einweisung zur stationären Behandlung von ihrem Hausarzt
  • Ergebnisse bereits durchgeführter Untersuchungen (falls vorhanden)
  • Den Untersuchungsbefund eines HNO-Arztes, der die Funktion der Stimmbänder dokumentiert
  • Eine Auflistung der von Ihnen eingenommenen Medikamente

In der Sprechstunde werden die Befunde gewertet und mit Ihnen ein individuelles Vorgehen besprochen. Sollte eine Operation empfohlen werden, wird ein entsprechender Termin vereinbart und die Operation im Rahmen eines zusätzlichen ambulanten Treffens vorbereitet. Dieser Termin findet an einem Vormittag wenige Tage vor der Operation statt und dauert ca. 2 Stunden. Hierbei wird Ihnen erneut Blut abgenommen, zudem ggf. ein EKG geschrieben. Außerdem finden die abschließenden Aufklärungsgespräche mit dem Chirurgen und dem Anästhesisten statt.

Die Operation erfolgt am Aufnahmetag und in Vollnarkose. Der Patient wird vom Narkosearzt mit einem speziellen Beatmungsschlauch versorgt, der durch Elektroden eine Überwachung der Stimmbänder mit dem Neuromonitoring ermöglicht. Wenn der Patient eingeschlafen ist, erfolgt die Polsterung und Lagerung. Diese ermöglicht einerseits eine gute, möglichst Wirbelsäulen–schonende Positionierung des Patienten, andererseits wird durch ein leichtes Überstrecken von Kopf und Hals eine optimale Lagerung für den Operateur erreicht.


Nach der Operation

Nach einer Operation der Schilddrüse treten kurzfristig Wundschmerzen auf, die wir prophylaktisch behandeln. Sie können am Abend der Operation wieder trinken und essen. Wir verwenden Hautfäden, die sich auflösen, somit muss nach kein Fadenmaterial am Hals entfernt werden. Am 2. Tag wird das Wundpflaster entfernt und Sie können wieder duschen. Vor der Entlassung werden Sie nochmals von einem HNO-Arzt untersucht, der die Funktionstüchtigkeit der Stimmbänder überprüft. Nach Abklingen der Schmerzen im Wundbereich können Sie sich wieder uneingeschränkt belasten. Die Einschränkung dauert in der Regel eine Woche bis 10 Tage. Nach dieser Zeit sind Sie auch wieder arbeitsfähig.

Eine ausreichende Menge von Schilddrüsenhormonen ist für den menschlichen Organismus wichtig. Bei der ganz überwiegenden Anzahl der von uns durchgeführten Schilddrüsenoperationen verbleibt so wenig Schilddrüsengewebe im Körper, dass lebenslang Schilddrüsenhormon ersetzt werden muss. Einmal am Tag müssen Sie dann eine Tablette einnehmen. 4 bis 6 Wochen nach der Operation wird durch den Hausarzt die Stoffwechsellage der Schilddrüse durch eine Blutentnahme überprüft. Dann muss gegebenenfalls die Dosis des Schilddrüsenhormons angepasst werden. Eine darüber hinaus gehende regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenhormone sollte einmal im Jahr erfolgen.

Unter der Voraussetzung, dass der Hormonspiegel richtig eingestellt ist, haben Sie mit keiner Einschränkung nach der Entfernung der Schilddrüse zu rechnen und Sie können genauso weiterleben wie vor der Operation.