Über die Abteilung

Das Behandlungsspektrum in der Kinderorthopädie umfasst zwei Fachbereiche: Allgemeine Kinderorthopädie / Neuroorthopädie

Allgemeine Kinderorthopädie
Hier werden Kinder und Jugendliche mit angeborenen und erworbenen Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates behandelt.

Schwerpunkte:

  • Hüftdysplasie / Hüftgelenkserkrankungen (Morbus Perthes, Hüftkopfabrutsch)
  • Fußdeformitäten (Klumpfuß, Sichelfuß, Knick-Senk-Fuß)
  • Beinfehlstellungen (X-Bein, O-Bein)
  • Störungen des Kniegelenkes
  • Wirbelsäulendeformitäten (konservative Skoliosebehandlung, Morbus Scheuermann)

Hüftdysplasie (Fehlbildung der Hüftgelenkspfanne)
Bei allen Neugeborenen mit Risikokonstellation (Vorerkrankung der Eltern/Beckenendlage) wird bei uns direkt nach der Geburt ein Hüftultraschall durchgeführt, um eine mangelnde Ausbildung der Hüftgelenkspfanne frühzeitig behandeln zu können. Die übrigen Säuglinge werden bei der U3 durch den Kinderarzt geschallt. Zeigt sich hierbei ein auffälliger Befund kann das Kind zur weiteren Behandlung hier vorgestellt werden. In der Regel reicht eine Behandlung mit einer Spreiz-Beugeschiene aus. Bei luxierten (verrenkten) Hüften muss das Hüftgelenk reponiert werden und anschließend in einem Beckenbeingips (Fettweißgips) fixiert werden.

Wird bei älteren Kindern eine schwere Hüftdysplasie entdeckt sind die konservativen Möglichkeiten begrenzt und die ungenügend ausgebildete Pfanne muss operativ rekonstruiert werden.

Morbus Perthes
Beim M. Perthes handelt es sich um eine im Kindesalter (um das 6. Lebensjahr) auftretende Durchblutungsstörung des Hüftkopfes. Die Kinder haben Schmerzen in der Hüfte und entwickeln einen Hinkgang. Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt. Der Hüftkopf baut sich im Verlauf von 2 Jahren von alleine wieder auf.

Ziel der kinderorthopädischen Behandlung ist ein Erhalt der Beweglichkeit der Hüfte und ein Wiederaufbau des Hüftkopfes unterhalb der Hüftpfanne. Manchmal ist hierzu ein operativer Eingriff nötig.

Hüftkopfabrutsch
Der Hüftkopfabrutsch (Epiphysiolysis capitis femoris) tritt häufig bei Jungen im pubertären Wachstumsschub auf. Die Kinder haben Schmerzen in der Hüfte und im Kniegelenk. Typisch ist auch ein Verlust der Innendrehfähigkeit der Hüfte.

Die Behandlung ist immer operativ. Der Hüftkopf wird durch 2 Drähte am weiteren Abrutschen gehindert. Nach Wachstumsabschluß können die Drähte wieder entfernt werden.

Klumpfuß
Der Klumpfuß ist mit 1:1000 Neugeborenen eine der häufigsten angeborenen Deformitäten. Der gesamte Fuß ist einwärts gedreht und nach oben gebogen. Immer ist die Achillessehne verkürzt. Hier im Haus werden die Kinder nach der Ponseti-Methode behandelt. Das Behandlungskonzept gibt es schon lange. In Langzeitstudien wurde belegt, dass die behandelten Kinder in den allermeisten Fällen flexible, schmerzfreie Füße haben. Die Ergebnisse im Vergleich zu anderen Behandlungsmethoden sind besser.

Die Behandlung beginnt i.d.R. in der ersten Lebenswoche mit einer Gipstherapie. Gegipst wird bis zum 2. Lebensmonat. Dann erhalten die Kinder eine Achillessehnendurchtrennung in Narkose. Die Durchtrennung wird perkutan (durch die Haut) durchgeführt, so dass die Narbe sehr klein ist. Anschließend wir der letzte Gips für 3 Wochen angelegt.

Nun ist der Fuß korrigiert und muss durch eine spezielle Schiene gehalten werden, um eine Wiederkehr (Rezidiv) des Klumpfußes zu vermeiden. Die Schiene wird für die ersten 3 Monate Tag und Nacht getragen und dann nur noch nachts bis zum 4. Geburtstag des Kindes.

Sichelfuß
Ein Sichelfuß ist eine bananenförmige Anspreizung des Vorfußes gegenüber dem Rückfuß. Häufig handelt es sich dabei um eine Fehlhaltung aufgrund der Enge im Mutterleib. Die meisten Sichelfüße „entfalten“ sich von alleine. Ist die Fehlstellung bei der U3 noch vorhanden, sollte mit Krankengymnastik über 3 Monate begonnen werden. Sollte sich dann keine Besserung eingestellt haben, empfehlen wir eine Gipsredression (Oberschenkelgips mit gebeugtem Knie). Meist reichen 2-4 Gipse aus, um den Fuß zu korrigieren. Das Ergebnis wird anschließend mit einer Nachtorthese gehalten.

Kindlicher Knick-Senk-Fuß
Der kindliche Knick-Senk-Fuß ist ein vollkommen normaler Befund. Das Fußlängsgewölbe ist bis zum ca. 6. Lebensjahr noch nicht richtig entwickelt. Um die Muskulatur zu kräftigen und diesen Entwicklungsvorgang zu unterstützen, empfiehlt es sich viel barfuss zu laufen und die Schuhe der Kinder mit einer weichen flexiblen Sohle zu wählen.

Einlagen sind etwas passives und starres, sie aktivieren die Fußmuskulatur nicht und wirken sich sogar nachteilig auf die kindliche Fußentwicklung aus. Beim physiologischen kindlichen Knick-Senk-Fuß sollten sie daher nicht zum Einsatz kommen.

Besteht der Knick-Senk-Fuß über das 7. Lebensjahr hinaus und bereitet er Schmerzen, kann hier auch im Einzelfall eine Operation nötig sein wie z. B. eine Verlängerung des Fersenbeins (OP nach Evans) oder eine Schraubenverblockung am Fersenbein (Calcaneusstoppschraube nach de Pellegrin).

Beinfehlstellungen (X-Bein, O-Bein)
Während des kindlichen Wachstums durchlaufen die Beinachsen eine normale Entwicklung. Zu Laufbeginn besteht häufig ein O-Bein. Dann entwickelt sich zunehmend ein X-Bein, dass seine maximale Ausprägung im 4. Lebensjahr hat. Bis zum 7. Lebensjahr ist die Beinachsenentwicklung weitgehend abgeschlossen. Sollten dann noch ausgeprägte X- Beine vorliegen, kann durch einen kleinen operativen Eingriff das Achsenwachstum beeinflusst werden. Die Kinder sollten dazu spätestens mit 10 Jahren (Mädchen) und mit 12 Jahren (Jungen) vorgestellt werden.

Störungen des Kniegelenkes
Häufige Verletzungen und Beschwerden des kindlichen Kniegelenkes sind:

  • Wachstumsschmerzen
  • Schmerzhafte Reizung der Ansatzstelle des Kniescheibenbands (M. Osgood-Schlatter)
  • Ausgerenkte Kniescheibe (Patellaluxation)
  • Riss des Kreuzbandes

Für die kinderorthopädische Sprechstunde ist eine Überweisung durch einen Orthopäden oder Chirurgen nötig.

Für Kinder mit einer Hüftdysplasie oder einem Klumpfuß ist eine Überweisung durch einen Kinderarzt, Orthopäden oder Chirurgen nötig.

Neuroorthopädie
Hier werden Kinder mit Bewegungsstörungen, verursacht durch Störungen des Nerven- und Muskelsystems, behandelt. Die häufigste zugrunde liegende Erkrankung ist hierbei die infantile Cerebralparese (ICP).

Bei der infantilen Cerebralparese handelt es sich um eine bleibende Störung der Haltung und Bewegung des Kindes. Ursache dafür ist meist eine Schädigung des unreifen kindlichen Gehirns, z. B. durch Sauerstoffmangel, Hirnblutung oder Hirninfarkt, während der Geburt oder in den ersten Lebenswochen.

Als Folge treten „Muskelverkrampfungen“ (Spastiken) auf, die mit Verkürzungen von Sehnen und Gelenkfehlstellungen einhergehen können.

Diese Funktionsstörungen können den gesamten Körper (spastische Tetraparese), überwiegend die Beine (bilateral spastische Parese) oder nur eine Körperseite (unilateral spastische Parese/ Hemiparese) betreffen.

Zunächst wird eine konservative Therapie eingeleitet mit spezieller Krankengymnastik und, wenn nötig, einer orthopädietechnischen Versorgung (Orthesen, Lagerungssysteme, Hilfsmittel).

Ergänzend findet bei Bedarf zur Behandlung der Spastik, z. B. bei Spitzfuß, „Scherengang“ oder Kauergang, eine Injektionsbehandlung mit Botulinumtoxin statt.

Beim Botulinumtoxin handelt es sich um ein Medikament, das in den verkürzten Muskel gespritzt wird, um den Muskel zu schwächen. Diese Schwächung hält etwa 3 Monate an. In dieser Zeit wird die Krankengymnastik intensiviert. Nebenwirkungen sind selten.

Sind die Kinder älter, werden nicht selten operative Eingriffe nötig zur Muskel-Sehnenverlängerung, Rekonstruktion von Gelenkfehlstellungen und Drehfehlern. Auch die häufig vorhandene Hüftdysplasie muss in einigen Fällen operativ behandelt werden.

Für die Versorgung der Kinder stehen wir in engem Kontakt mit den behandelnden Kinderärzten, Krankengymnasten und Orthopädietechnikern. Häufig werden diese Kinder bei uns im Beisein des behandelnden Krankengymnasten und des versorgenden Orthopädietechnikers angeschaut. Gerne schauen wir das Kind auch in der entsprechenden Einrichtung an, um es in seiner gewohnten Umgebung beurteilen zu können.

Für diese Sprechstunde ist eine Überweisung durch den Kinderarzt nötig.