Die multimodale Schmerztherapie – Hilfe bei chronischen Schmerzen


Chronische Schmerzen besiegen

Akute Schmerzen haben als Warnsignal eine wichtige Schutzfunktion für den Körper und dienen als Hinweis auf Krankheiten oder Funktionsstörungen. Dauerhafte Schmerzen hingegen können einen chronischen Charakter entwickeln und zu einem eigenständigen Krankheitsbild werden und somit das Leben eines Menschen sehr belasten. Wenn das Familien- und Sozialleben, der Berufsalltag und das psychische Befinden über eine lange Zeit davon beeinflusst werden und den Menschen in seinem Leben stark beeinträchtigen, muss etwas passieren. In der multimodalen Schmerztherapie bieten wir betroffenen Menschen Hilfe und Begleitung an. Unser Ziel ist es, gemeinsam einen eigenverantwortlichen Umgang mit dem Schmerz zu entwickeln und diesen möglichst stark zu lindern.

Wann ist die multimodale Schmerztherapie etwas für mich?
Wenn Sie unter chronischen Schmerzen leiden und verschiedene ambulante Behandlungen oder eventuell auch operative Eingriffe nicht zu dem von Ihnen erhofften Erfolg geführt haben, kann die multimodale Schmerztherapie eine stabile Ausgangssituation für weiterführende ambulante Behandlungen bieten. Diese wird im Krankenhaus Bad Oeynhausen im Institut für Anästhesiologie und Intensivmedizin angeboten. Dafür steht eine Station mit 8 bis 10 Betten zur Verfügung. Hier betreuen schmerztherapeutisch ausgebildete Ärzte, Psychotherapeuten, Pflegekräfte – sogenannte Pain Nurses – sowie Physiotherapeuten und Sozialarbeiter die chronisch schmerzkranken Patienten in einem interdisziplinären Team. Auf unsere Schmerzpatienten zugeschnittene Therapiekonzepte berücksichtigen auch psychische, soziale und somatische Faktoren. In den uns zur Verfügung stehenden 16 Tagen ist ausreichend Zeit, um ein stabiles gesundheitsbezogenes Verhalten zu entwickeln. Eine erfolgreiche Schmerztherapie bietet die Chance auf eine Wiedereingliederung in die Familie, das Berufsleben und die sozialen Zusammenhänge. Dafür sind die Kooperation aller Fachdisziplinen und eine enge vertrauensvolle Mitarbeit des Patienten erforderlich.

Was sind chronische Schmerzen und wie entstehen sie?
Beim akuten Schmerz steht die Warnfunktion im Vordergrund. Der Körper kann sich vor weiteren Verletzungen schützen, wir fassen keine heißen Gegenstände an oder gehen zum Zahnarzt wenn wir Schmerzen haben. Wir sind vor Verletzungen geschützt oder eine Krankheit kann sich nicht ausbreiten. Beim chronischen Schmerz tritt diese Schutzfunktion in den Hintergrund. So können z.B. Verschleißerkrankungen von Gelenken und Wirbelsäule immer wieder neue oder auch dauerhafte Beschwerden hervorrufen. Diese dauerhaften Beschwerden können nun auf verschiedenen Wegen zu einem eigenen Problem werden.

Das Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass unser Nervensystem lernfähig ist, dies trifft auch bei andauernden Schmerzen zu. In anderen Bereichen ist dies sehr angenehm, z.B. wenn wir eine neue Sprache, Tanzschritte oder ein Lied lernen wollen. Zunächst machen wir meist langsam Fortschritte, irgendwann läuft es wie von alleine. Bei chronischen Schmerzen konnte gezeigt werden, dass immer wieder neu gereizte Nerven sehr viel empfindlicher werden und nach einiger Zeit auch einen kleinen Reiz schon als bedeutenden Schmerz weiterleiten. Dieser Reiz wäre vorher eventuell gar nicht wahrgenommen worden. Diese Nerven, oder "Nervenschaltstellen" im Rückenmark, können dann von selbst beginnen, Schmerzreize an das Gehirn zu senden, ohne dass eine Verletzung oder Störung im Körper vorliegt. Werden im Gehirn jetzt dauerhaft Schmerzreize aus dem Rückenmark eingeleitet, werden diese für das Gehirn immer "wichtiger". Dies geht mit einer Veränderung der grauen Substanz des Gehirns einher. Die Fähigkeit Genuss wahrzunehmen und Freude zu empfinden geht zurück, der Schmerz steht immer mehr im Mittelpunkt.

Im Gehirn spielt die Aufmerksamkeit eine wichtige Rolle. Je häufiger der Schmerz in unserer Wahrnehmung im Vordergrund steht, umso mehr Raum gewährt ihm unser Gehirn nach dem Motto: das Wichtigste zuerst. Wenn alle Mechanismen zusammenkommen, wird das Schmerzerleben dominant. Schmerzreize kommen häufiger im Gehirn an und werden dann bevorzugt verarbeitet. Dann ist der chronische Schmerz zum eigenständigen Krankheitsbild geworden.

Die Situation wird belastend
Die Betroffenen leiden unter erheblichen Belastungen und häufig unter privaten und beruflichen Einschränkungen. Angst vor Bewegungen, Rückzug von Freunden oder gesellschaftlichen Ereignissen und dauerhaft gedrückte Stimmung sind häufige Folgen. Dies setzt einen sehr ungünstigen Kreislauf in Gang. Die Patienten bewegen sich weniger, nehmen Schonhaltungen ein, verlieren so weitere Stabilität, z.B. in ihren Gelenken und lösen so erneute Schmerzimpulse aus. Dies löst erneute Verspannungen, gedrückte Stimmung, verstärkte Schmerzen usw. aus – der Teufelskreis hat begonnen.

Wie kann die multimodale Schmerztherapie helfen?
Das Entscheidende ist: die multimodale Schmerztherapie ist behandlungsintensiv und setzt an allen beschriebenen Faktoren gleichzeitig an. Unsere Patienten werden von einem Team behandelt, das den chronischen Schmerz in allen wesentlichen Faktoren in intensiver Absprache behandelt. Dazu gehören Ärzte für spezielle Schmerztherapie, Fachärzte des entsprechenden Bereichs, psychologische Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sozialberater und Pflegekräfte. Die Mitglieder des Teams treffen sich regelmäßig und sprechen die notwendigen Therapiemaßnahmen in festgelegten Abständen ab.