21.08.2020

Bestmögliche Versorgung für Frauen mit Krebs

Universitätsklinikum gründet ein Gynäkologisches Krebszentrum

Professor Dr. Philipp Soergel, Direktor der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Johannes Wesling Klinikum, wirbt eindringlich für die gynäkologische Vorsorgeuntersuchung: Je früher der Krebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.


Im gynäkologischen Krebszentrum am Universitätsklinikum Minden werden Patientinnen mit verschiedenen Krebsformen behandelt und operiert, darunter Eierstock-, Gebärmutter- und Vulvakrebs.

Am Universitätsklinikum Minden ist ein Gynäkologisches Krebszentrum gegründet worden. Der Leiter des Zentrums ist Professor Dr. Philipp Soergel, der als Universitätsprofessor auch die Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Johannes Wesling Klinikum führt. Die stellvertretende Leitung übernimmt Professor Dr. Martin Griesshammer, Direktor der Universitätsklinik für Hämatologie, Onkologie, Hämostaseologie und Palliativmedizin. „Wir haben in Minden schon immer eine sehr gute und interdisziplinäre Versorgung von Frauen mit Eierstockkrebs, Gebärmutter- oder Gebärmutterhalskrebs und Vulvakrebs vorgehalten. Mit der Gründung des neuen Zentrums stellen wir diese interdisziplinäre Versorgung auf institutionelle Füße“, so Professor Dr. Philipp Soergel. In dem Zentrum arbeiten Gynäkoonkologen, internistische Onkologen, Radiologen, Strahlentherapeuten und Pathologen Hand in Hand. In wöchentlichen Tumorkonferenzen wird jeder Fall individuell besprochen und die verschiedenen Behandlungsoptionen aus der Blickrichtung aller Fachrichtungen diskutiert. „Im Zentrum steht immer, die bestmögliche, ganzheitliche Behandlung für jede Frau in ihrer Krankheits- und Lebenssituation zu finden. Neben den reinen medizinischen und diagnostischen Parametern fließen auch die Gesamtumstände in die Betrachtung mit ein. Am Ende einer Fallbesprechung steht eine mit allen Fachdisziplinen abgestimmte Behandlungsempfehlung. Die letzte Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Behandlung trifft aber immer die Patientin – zusammen mit dem behandelnden Arzt“, erklärt Professor Dr. Soergel.

Ein weiteres Ziel ist der fachliche Austausch der Ärztinnen und Ärzte untereinander. „Der wissenschaftliche und medizinische Fortschritt ist atemberaubend. Es werden hunderte wissenschaftliche Artikel pro Monat veröffentlicht – allein im Bereich der gynäkologischen Onkologie. Eine Person allein kann gar nicht den Überblick behalten. Im Team ist es uns aber möglich, den unmittelbaren Kontakt zur Forschung und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu halten, um die neuesten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren in Minden anzuwenden“, sagt Professor Dr. Griesshammer, stellvertretender Leiter des neuen Gynäkologischen Krebszentrums am Johannes Wesling Klinikum.

Bezüglich der technischen Ausstattung ist am Johannes Wesling Klinikum im Zusammenhang mit der Gründung ein großer Innovationsschub ausgelöst worden. Im gynäkologischen OP wird zukünftig die sogenannte Schlüssellochchirurgie in hochauflösender 3-D-Technik, bekannt aus dem Heimkinobereich, durchgeführt. „Die 3-D-Laparoskopie ermöglicht eine bessere visuelle und räumliche Darstellung, ein wackelfreies Bild und eine deutliche Entlastung des Assistenten, sodass dieser effizienter in der Operation unterstützen kann“, erklärt Professor Dr. Soergel.

Neben der medizinischen Begleitung durch das Ärzte- und Pflegeteam kommt auch der psychologischen und seelsorgerischen Unterstützung eine große Bedeutung zu. Dabei arbeitet das Zentrum zum einen mit der Krankenhausseelsorge zusammen und zum anderen mit den therapeutischen Spezialisten der übrigen Krebszentren am Johannes Wesling Klinikum. 

Eierstockkrebs und Gebärmutter- oder Gebärmutterhalskrebs sind nach dem Brustkrebs die häufigsten Krebsarten bei Frauen. Von 100.000 Frauen erkranken jedes Jahr etwa 40 an einer gynäkologischen Krebserkrankung. „Wir können mittlerweile sehr vielen Frauen helfen. Die Fünf-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit liegt je nach Krebsart zwischen 60 und 80 Prozent – und damit zum Teil deutlich über anderen weit verbreiteten Krebsarten“, sagt Professor Dr. Soergel.

Je früher eine Krebserkrankung erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. „Deswegen werbe ich nachdrücklich für die regelmäßige Vorsorge beim niedergelassenen Gynäkologen. Mein Appell an alle Frauen lautet: Nehmen Sie die Vorsorgeuntersuchungen bei Ihrem Frauenarzt unbedingt in Anspruch! Sie vergrößern mit einer frühen Diagnose eines Krebses Ihre Überlebenswahrscheinlichkeit nicht nur um ein paar Prozentpunkte, sondern Sie verdoppeln oder verdreifachen Ihre Chance, den Krebs zu besiegen“, verdeutlicht Professor Soergel sehr drastisch die Wichtigkeit der Krebsvorsorge. 

Neben dem neuen Gynäkologischen Krebszentrum besteht seit vielen Jahren ein von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziertes Brustzentrum Minden-Herford am Universitätsklinikum Minden. Hier werden jährlich etwa 240 Frauen mit Brustkrebs in Minden behandelt.