Rooming-in bei Demenz

Für Menschen mit einer Demenzerkrankung und ihre Angehörigen ist ein Krankenhausaufenthalt oft eine belastende und herausfordernde Situation. Im Krankenhaus Lübbecke-Rahden wird daher seit einigen Jahren ein deutschlandweit einzigartiges Behandlungskonzept angeboten: Das Rooming-in für Angehörige von Demenzkranken.

Dabei wird einem Angehörigen angeboten, sich als Begleitperson in einem Zweibettzimmer mit aufnehmen zu lassen. In Absprache mit den Pflegekräften entscheidet dieser dabei selbst, wieviel Zeit er mit dem Patienten verbringen möchte. „Der Angehörige hat dann die Möglichkeit, den Betroffenen zu Untersuchungen zu begleiten und bei den Visiten anwesend zu sein”, erklärt die pflegerische Projektbeauftragte, Anita Bohn. Ziel ist es, dem Erkrankten durch die Präsenz eines Angehörigen Sicherheit und Halt zu geben und zeitgleich besondere Situationen des Krankenhausaufenthaltes zu verbessern. „Dank des neuen Konzepts und der Zusammenführung verschiedener Pfade in der Diagnostik und Therapie demenziell Erkrankter gibt es weniger Komplikationen. Außerdem kann die Dauer des Krankenhausaufenthalts verkürzt werden”, sagt die ärztliche Ansprechpartnerin des Projekts Dr. Heike Hopmann-Witte über das Rooming-in.

Kirstin Grothe ist betroffene Angehörige und kennt das Rooming-in-Angebot des Krankenhauses Lübbecke-Rahden. Ihr Vater wurde am Standort Lübbecke operiert, ihre Mutter begleitete ihn während dieser Zeit. „Ich wusste, meine Eltern sind gut versorgt”, sagt Kirstin Grothe heute. Dies nahm ihr viele Sorgen, die sie sich sonst zu Hause gemacht hätte, wäre ihr Vater allein im Krankenhaus gewesen. Während des Behandlungszeitraums übernachteten beide Elternteile in einem Zimmer. „Nachts wurden die Betten zusammengeschoben”, berichtet Kirstin Grothe. So wurde eine vertraute Atmosphäre erzeugt. „Beim Rooming-in werden Patientenzimmer oft mit persönlichen Dingen von zu Hause eingerichtet. Es werden zum Beispiel Bettdecken mitgebracht oder Blumen auf die Fensterbank gestellt, damit sich die Betroffenen in der ungewohnten Umgebung wohler fühlen”, ergänzt Anita Bohn. Auch für Kirstin Grothes Mutter war der Aufenthalt im Krankenhaus eine Erleichterung. „Meine Mutter konnte darüber sprechen, wie sie sich in der für alle ungewohnten Situation fühlt”, sagt sie und lobt dabei besonders die Arbeit des Krankenhausteams: „Dank der Unterstützung im Krankenhaus haben meine Eltern zurück ins Leben gefunden.”

Für Dr. Christine Fuchs, Geschäftsführerin des Krankenhauses Lübbecke-Rahden, ist Einfühlungsvermögen eine besondere Stärke des Krankenhauses. „Alle Mitarbeiter sind mit Herz und Empathie dabei”, sagt sie. Im Krankenhaus Lübbecke-Rahden sind fast alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kontaktaufnahme und im Umgang mit Patienten mit Demenz speziell geschult. Das für Patienten kostenlose Rooming-in-Angebot im Krankenhaus Lübbecke-Rahden gibt es seit sieben Jahren. 2007 vom Ärztlichen Leiter des Medizinischen Zentrums für Seelische Gesundheit, Professor Dr. Udo Schneider, ins Leben gerufen, wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit der Robert-Bosch-Stiftung und dem Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V., insbesondere mit Professor Michael Isfort, wissenschaftlich untersucht. Bis heute wird es von einer Arbeitsgruppe begleitet und ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. „Ich habe bereits Anfragen aus Österreich und Luxemburg zum Projekt erhalten”, sagt Anita Bohn. Im Umgang mit Demenz ist das Krankenhaus Lübbecke-Rahden Vorreiter. Nicht nur beim Thema Rooming-in, auch bei der Diagnose einer Demenzerkrankung ist das Krankenhaus die richtige Anlaufstelle. „Zum Zeitpunkt der Operation war die Demenz meines Vaters noch nicht diagnostiziert”, berichtet Kristin Grothe. Die Diagnostik wurde im Krankenhaus gestartet, da bereits im Vorfeld einiges auf eine Demenzerkrankung hindeutete. Dadurch konnte der Betroffene in das Demenznetz des Kreises Minden-Lübbecke übergeleitet werden. Die ärztliche Demenzbeauftragte, Dr. Hopmann-Witte, organisierte alle nötigen Untersuchungen und kümmerte sich auch nach dem Krankenhausaufenthalt um die Betreuung.