Erfolgreiches Infektiologisches Symposium 2026

Fokus auf Antibiotic Stewardship und moderne Infektionsmedizin

Die Referentinnen und Referenten des Infektiologischen Symposiums 2026.

Rund 80 Besucherinnen und Besucher sowie sechs hochkarätige Referentinnen und Referenten kamen zum Infektiologischen Symposium 2026 im Universitätsklinikum Minden zusammen, um aktuelle Entwicklungen und zukunftsweisende Erkenntnisse rund um das Thema Antibiotic Stewardship (ABS) zu diskutieren. Einen Nachmittag lang stand der Abraham-Jacobi-Hörsaal ganz im Zeichen eines verantwortungsvollen und zielgerichteten Antibiotikaeinsatzes.

Mit inspirierenden Fachvorträgen führten die Expertinnen und Experten durch die unterschiedlichen Aspekte des ABS. Im Mittelpunkt standen unter anderem Resistenzentwicklungen, Verbrauchsdaten, modernes Therapeutisches Drug Monitoring sowie neue Leitlinien zur Behandlung schwerer Infektionen.

Eine zentrale Voraussetzung für die Sicherung rationaler Antibiotikaverordnungen ist die kontinuierliche Verfügbarkeit und Auswertung von Resistenz- und Verbrauchsdaten. In den Mühlenkreiskliniken werden diese Daten bereits seit mehr als 15 Jahren von der Mikrobiologie und der Apotheke systematisch aufgearbeitet und präsentiert. Die gewonnenen Vergleichsdaten ermöglichen eine verlässliche Überwachung lokaler Resistenz- und Verbrauchstrends.

Unter dem Motto „Look at your hospitals“ stellten die ABS-Expertinnen Dr. Jasmina Petridou und Ursula Fischer die aktuellen Entwicklungen in den Kliniken vor. Die positiven Ergebnisse und stabilen Resistenzsituationen seien insbesondere dem engen mikrobiologischen Monitoring des konzerneigenen Zentrallabors zu verdanken, erläuterte Dr. Jasmina Petridou. Sie präsentierte die wichtigsten Erreger, deren Resistenzlagen sowie relevante Problemkeime und betonte, dass es im Jahr 2025 weder erhebliche Resistenzanstiege noch größere Ausbruchsgeschehen gegeben habe. Diese erfreuliche Entwicklung sei auch Ausdruck der erfolgreichen Arbeit der ABS-Teams in den Kliniken.

Ursula Fischer ging auf die gesetzlich vorgeschriebene Erfassung und Bewertung des Antibiotikaverbrauchs seit der Novellierung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2011 ein. Die Verordnungsdichte in den Kliniken sei in den vergangenen Jahren weitgehend konstant geblieben und bewege sich weiterhin im Bereich vergleichbarer Häuser aus dem RKI-AVS-Vergleich. Gleichzeitig hätten sich die Verordnungsmuster deutlich verändert: Chinolone würden mittlerweile signifikant seltener eingesetzt, während Penicillin-Derivate inzwischen die am häufigsten verordneten Wirkstoffe darstellen. Über alle Häuser hinweg sei Piperacillin/Tazobactam das am häufigsten eingesetzte Antibiotikum. Auch der bundesweite Trend eines steigenden Anteils an Penicillin-Derivaten sowie eines rückläufigen Cephalosporin-Einsatzes sei in den Mühlenkreiskliniken erkennbar. Reserveantibiotika würden weiterhin sehr zurückhaltend eingesetzt.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Therapeutischen Drug Monitoring (TDM), das Lea-Laurine Schuster und Dr. Arne Björn Potthast aus Sicht der Apotheke sowie des Zentrallabors beleuchteten. Vorgestellt wurden neue Möglichkeiten des TDM im Johannes Wesling Klinikum. Ziel des TDM ist die Messung von Arzneimittelkonzentrationen in Körperflüssigkeiten, um Therapien individuell anzupassen und die Behandlung sicherer sowie effektiver zu gestalten. Gerade bei kritisch kranken Patientinnen und Patienten oder eingeschränkter Organfunktion könne der Grat zwischen therapeutisch notwendiger möglichst hoher Dosierung und toxischen Nebenwirkungen sehr schmal sein.

Die erst im Februar 2026 veröffentlichte S3-Leitlinie zur Antibiotikatherapie schwerer Infektionen und multiresistenter Bakterien (AWMF 067-011) stellte Dr. Peter Witte vor. Die Leitlinie liefert konkrete Handlungsempfehlungen insbesondere zur mikrobiologischen Diagnostik und zum gezielten Einsatz von Reserveantibiotika. Im Fokus stehen schwere Infektionen durch multiresistente gramnegative sowie grampositive Erreger. Entscheidend sei dabei die schnelle Identifikation von Erregern und Resistenzmechanismen, um eine möglichst zielgerichtete Therapie zu ermöglichen. Der therapeutische Grundsatz lautet dabei: „So schmal wie möglich – so breit wie nötig.“

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