Eine Krebsdiagnose verändert das Leben von jedem Menschen von einem Moment auf den anderen. Neben der Angst um die eigene Gesundheit verlieren viele ein Stück Vertrautheit mit ihrem eigenen Spiegelbild. Massiver Haarausfall und sichtbare Hautveränderungen sind oft Spuren der Therapie und können das Selbstwertgefühl tief erschüttern. Spezielle Kosmetik-Kurse, die sich bewusst diesen Veränderungen widmen, geben betroffenen Frauen mehr als praktische Tipps: Sie schenken Halt, stärken das Vertrauen in den eigenen Körper und erinnern daran, dass Würde, Schönheit und Selbstbestimmung auch in schwierigen Zeiten ihren Platz haben.
In den Räumlichkeiten des Johannes Wesling Klinikums fand deshalb der zweite, durch Spenden finanzierte, Haut- und Makeup-Workshop für Krebspatientinnen statt. Geleitet wurde der zweistündige Kurs von Naturkosmetikerin Stefanie Bröhldick, die auf die Arbeit mit onkologischen Patientinnen spezialisiert ist. Sie kennt die Herausforderungen und Wünsche der Teilnehmerinnen und hat passend dazu ein tolles Styling-Konzept abgestimmt. In geschützter Atmosphäre erhielten die Teilnehmerinnen praxisnahe Tipps zur täglichen Hautpflege und zum Schminken während und nach einer Krebstherapie.
„Der Kurs zeigt, wie wichtig ergänzende Angebote im Krankenhausalltag sind und welchen Unterschied gezielte Spenden machen können. Sie schaffen Raum für Selbstfürsorge, stärken das Selbstwertgefühl vieler Frauen und tragen dazu bei, die Lebensqualität von Krebspatientinnen spürbar zu verbessern“, so Oberärztin der Onkologie Dr. Margareta Botea.
Im Fokus des Kurses standen typische therapiebedingte Veränderungen: Wie lässt sich trotz Haarausfall ein harmonischer Gesichtsausdruck schaffen? Wie können Konturen sanft betont werden, um frisch und gesund auszusehen? Und welche Pflege eignet sich für empfindliche Haut, die durch die Behandlung zu Rötungen, sichtbaren Äderchen oder Unreinheiten neigt? Die Teilnehmerinnen lernten im Kosmetik-Kurs, wie sie ihre strapazierte, empfindliche Haut richtig reinigen, um die perfekte Basis für ein Makeup zu erhalten. Dabei wird nicht nur die Haut betrachtet, sondern auch die Lippen, der Hals und die Augenpartien. Danach folgte die Grundierung und das Rouge, um eventuelle Hautverfärbungen auszugleichen. „Hierbei ist es besonders wichtig, dass das Makeup dem eigenen Hautton entspricht. Hat sich die Hautfarbe durch die Therapie verändert, rate ich den Frauen, einfach einen neutralen Beigeton zu verwenden und den Teint eher durch ein passendes Rouge aufzufrischen“, sagt Stefanie Bröhldick. Sie erklärte den Frauen zudem, wie man das Makeup sowie das Rouge richtig aufträgt, um nicht künstlich zu wirken. Neben der Pflege und dem richtigen Makeup gab es auch eine kurze Anleitung zum Augenbrauen nachzeichnen – und das an der richtigen Stelle. Für die meisten eine wahre Herausforderung, dass nicht die eine Augenbraue höher hängt als die andere. „Aber hier gibt es einen einfachen Anhalte-Trick am Auge mit einem Pinsel, den ich den Frauen einmal vorgeführt habe. Danach ging es an das Selbstausprobieren. Übung macht bekanntlich die Meisterin“, sagt die Kosmetikerin.
Neben konkreten Schmink- und Pflegetechniken vermittelte der Kurs aber vor allem auch eines: das Gefühl, den eigenen Körper wieder aktiv wahrnehmen und positiv beeinflussen zu können. Für alle Frauen war es ein Moment des Innehaltens und des persönlichen Austausches untereinander – fernab von medizinischen Terminen und Therapien. „Am wertvollsten war der Austausch untereinander. Zu sehen, dass andere ähnliche Sorgen haben, hat mir unglaublich viel Kraft gegeben“, ist nur eine der Aussagen der Teilnehmerinnen. Teilnehmerin Melanie Creedy ist sich nach dem Kurs sicher: „Die Tipps haben mir gezeigt, wie ich mich trotz Haarausfall und Hautveränderungen wieder wohler fühlen kann. Das hat mein Selbstvertrauen spürbar gestärkt. Nach dem Kurs habe ich mich zum ersten Mal seit Langem wieder gern im Spiegel angeschaut.“
Wo sich aber alle Vier sehr einig waren: Es sollte noch viel mehr dieser Styling-Kurse für Krebspatientinnen geben. Man nimmt nicht nur praktische Tipps mit, sondern schöpft auch gleichzeitig viel Mut aus der Gruppe. Daher wäre es so wichtig, dass noch mehr Menschen aus der Region dieses Kursformat finanziell unterstützen, denn nur durch genügend Spenden können wir noch mehr Frauen in einer schwierigen Zeit wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Wer das Projekt weiter unterstützen möchte, kann dies sehr gerne unter www.muehlenkreiskliniken.de/spende.
