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27.08.2018

Krankenhaus Lübbecke wird zur Kinokulisse

Interview mit dem Regisseur Andreas Olenberg zur Welturaufführung von „Phantomschmerz“


Einen Kinofilm drehen – das war der Kindheitstraum von Andreas Olenberg (28), Daniel Littau (27) und Sebastian Sellner (27). Die Espelkamper Schulfreunde haben sich diesen Traum nun erfüllt. Und eine ganze Region hat ihnen dabei geholfen. „Phantomschmerz“ feiert am 1. September in Espelkamp Weltpremiere. Am 6. September ist der bundesweite Kinostart. Ein zentraler Drehort befand sich im Krankenhaus Lübbecke-Rahden. Regisseur Andreas Olenberg spricht im „einblick“ über den Dreh im Lübbecker Krankenhaus. 

Am 1. September feiert „Phantomschmerz“ in Espelkamp die Weltpremiere – inklusive rotem Teppich und allem, was man aus dem Fernsehen kennt. Mit dabei sind alle Schauspieler und das gesamte Team. Einen Tag später wird der Film im Zoopalast in Berlin gezeigt. Warum haben Sie sich für Espelkamp als Ort der Weltpremiere entschieden?
Wir sind von einer Welle der Euphorie aus OWL getragen worden. Unseren Film gäbe es nicht, wenn nicht die gesamte Region mitgeholfen hätte. Es war für uns klar, dass die Premiere dann auch in unserer Heimat stattfinden wird.

Wie kamen drei Jugendliche auf die Idee, einen Film zu drehen?
Es war wie ein Virus. Andreas hat eine kleine Web-Cam zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ein ganz einfaches Ding. Wir haben damit angefangen, kleine Geschichten zu drehen. Ich habe Regie geführt, Daniel stand vor der Kamera. Wir haben die Filmchen in unserer Familie gezeigt und Anerkennung bekommen. Später haben wir dann Drehbücher geschrieben, Klassenkameraden als Schauspieler gecastet. Es wurde immer professioneller und besser. Wir haben uns alles selbst beigebracht. Am Ende hatten wir mehr als 70 Kurzfilme gedreht, mit denen wir auch an nationalen und internationalen Wettbewerben  teilgenommen haben – mit Erfolg. Die Preisgelder haben wir immer in neues Equipment investiert. Aus jedem Kurzfilm haben wir unsere Lehren gezogen und versucht, beim nächsten Mal noch besser zu werden. Als dann irgendwann die Frage aufkam, was wir beruflich machen wollen, war uns eigentlich allen klar, dass Filme drehen unsere Berufung ist.

Aber gelernt haben Sie das nicht?
Ich bin von allen Filmhochschulen abgelehnt worden und habe dann Medieninformatik und -gestaltung studiert. Daniel hat sich dreimal an verschiedenen Schauspielschulen beworben und ist nicht genommen worden. Nein, klassisch gelernt haben wir Filme machen nicht. Aber damit sind wir in der Branche nicht allein. Es sind viele Autodidakten sehr erfolgreich.

Wie kam die Idee für einen Kinofilm auf?
Wir hatten bereits sehr viele Kurzfilme gedreht. Bei einer Geschichte hatten wir die Überlegung, dass der Stoff mehr hergibt. Also haben wir weitergeschrieben. Am Ende stand die erste Version für ein Drehbuch. Wir wollten das Genre Kurzfilm auch verlassen. Kurzfilme sind toll, um zu üben und zu lernen. Aber außer bei Wettbewerben schaut sie sich keiner an. 

Hatten Sie Unterstützer für den Film?
Anfangs nicht. Wir haben uns mit dem Drehbuch um einen Produzenten, Filmförderungen und TV-Partnerschaften bemüht – ohne Erfolg. Wir wurden als junge Träumer nicht ganz ernst genommen. Aber wir haben an unseren Film geglaubt. Wir hatten die erste Version des Drehbuchs ins Internet gestellt und um Anregungen und Verbesserungen gebeten. So haben ganz viele Menschen an unserem Drehbuch mitgearbeitet, bis es schließlich fertig war. Wir wussten also: Die Geschichte hat Potenzial. 

Wie haben Sie es geschafft, namhafte Schauspieler für Ihren Film zu begeistern?
Die Schauspieler haben das Potenzial offensichtlich besser erkannt als Produzenten und Filmförderer. Wir hatten sehr schnell einige namhafte Interessenten – und dass, obwohl klar war, dass wir zunächst keine Gage zahlen konnten. Am Ende mussten wir sogar ein Casting für die Hauptrolle veranstalten. Sven Martinek hat es gewonnen. Anderen durchaus sehr bekannten Schauspielern mussten wir absagen. 

Wie lief der Dreh ab? Als Regisseur ohne Erfahrung an anderen professionellen Sets mussten Sie Profi-Schauspielern sagen, was sie machen sollen. Gab es da keine Konflikte?
Nein, überhaupt nicht. Von Sven Martinek weiß ich, dass er es genossen hat. Wir hatten 53 Drehtage, was enorm viel ist. Normalerweise würde ein solcher Film in maximal 30 Tagen gedreht. Wir hatten also Zeit, uns um Details zu kümmern. Das haben die Schauspieler sehr genossen, weil sie es sonst anders kennen. Außerdem hatten wir am Set eine sehr gute Atmosphäre. Jedem war klar, dass ich der Regisseur war und am Ende entscheide. Aber jeder durfte am Set seine Meinung sagen und Änderungen vorschlagen – vom Setrunner bis zum Schauspieler. So viel Mitsprache gibt es bei professionellen Sets nicht. 

Warum haben Sie in OWL gedreht?
Weil es schön ist. Nein, im Ernst. Wir haben uns erst in Berlin mögliche Drehorte angeschaut. Berlin wäre für die meisten Schauspieler sehr viel einfacher gewesen. Aber es sah alles nicht so schön aus. Hier in OWL konnten wir einfach viel schönere Bilder produzieren. Außerdem war die Begeisterung in OWL sofort geweckt. Egal wo wir angefragt haben, wurden wir unterstützt. Wir konnten in Lokalen drehen, im Gefängnis in Bielefeld, wir haben drei Monate lang ein Taxi für den Dreh gestellt bekommen und durften sogar im OP des Krankenhauses Lübbecke-Rahden drehen. Das ist nicht selbstverständlich. In Berlin zahlt man für solche Locations mehrere tausend Euro Miete am Tag.

Wie haben Ihnen ganz persönlich die vier Drehtage im Krankenhaus gefallen?
Das war eine unfassbar schöne Erfahrung. Ich habe ganz viel gelernt. Wir hatten mit Fredderik Collins zwar einen medizinischen Berater mit am Set. Aber trotzdem haben uns Mitarbeiter der Mühlenkreiskliniken in ganz vielen Punkten noch beraten und unterstützt. Das war einfach toll und das hatten wir so gar nicht erwartet. Den Drehtag im Operationssaal hätten wir um ein Haar absagen müssen, weil der vorgesehene Statist für den Operationstisch nicht gekommen ist. Kurzerhand hat sich ein Mitarbeiter des Krankenhauses, bereit erklärt. Er hat einen ganzen Samstag geopfert und den Patienten auf dem OP-Tisch gespielt. Das war ein großartiger Einsatz.

In dem Film „Phantomschmerz“ geht es auch um das schwierige Thema Organspende. Warum?
Es ist eigentlich kein Film über Organspende, sondern über Beziehungen. Ein klassisches Familiendrama, das sich am Ende zu einem Thriller entwickelt. Das Thema Organspende nimmt auch einen zentralen Raum ein, aber es ist nicht das dominante Thema.

Wie stehen Sie zur Organspende?
Ich finde es wichtig, dass sich jeder mit dem Thema beschäftigt. Deswegen kommt es auch im Film vor. Ich selbst habe ein zwie-gespaltenes Verhältnis zur Organspende. Das merkt man auch dem Film an. Aber ich finde, dass sich jeder damit auseinandersetzen und eine Entscheidung für sich treffen sollte. Aber wichtig ist mir, wir haben keinen Dokumentarfilm gedreht, sondern eine fiktionale Geschichte.

Haben Sie einen Organspendeausweis?
Nein, hab ich nicht.

Warum nicht?
Ich weiß nicht. Vielleicht, weil ich selbst noch nicht fertig bin mit dem Thema. Eigentlich sollte sich jeder entscheiden und dies auf einem Organspendeausweis dokumentieren. Im Zweifel muss sonst die Familie die Entscheidung treffen. Und ehrlich gesagt, will ich meine Familie im Fall der Fälle nicht zusätzlich belasten. 

Planen Sie schon weitere Projekte?
Auf jeden Fall. Wir wollen uns an eine Serie wagen. Zehn Folgen à 20 bis 30 Minuten. Aber wir sind da noch ganz am Anfang. Erst einmal wollen wir jetzt den Start unseres Kinofilms genießen.   

Wird die Serie wieder in OWL gedreht?
Ich denke schon. Aber so weit sind wir noch nicht. Ich hoffe, dass wir mit dem Kinofilm als Visitenkarte im Gepäck nun bessere Voraussetzungen haben werden. Wir hoffen, einen Streaming-Dienst oder einen TV-Sender als Auftraggeber zu bekommen. Auch bei den Filmförderungen wollen wir es noch einmal probieren. Denn eins ist uns ganz bewusst. Ein weiteres Mal können wir uns nicht auf die enorme Unterstützung aus der Region verlassen. Wir sind unfassbar dankbar, dass man uns bei diesem Traum unterstützt hat. Aber wir können das nicht bei jedem Projekt in dieser Form erwarten. „Phantomschmerz“ hat uns 50.000 Euro gekostet. 25.000 Euro davon haben wir als Sponsoring erhalten. Die restlichen 25.000 Euro haben wir uns geliehen. Ich habe mal ausgerechnet, wie viel wir ohne die Unterstützung hätten ausgeben müssen. Ich bin auf 1,2 Millionen Euro gekommen. Darunter die Gagen der Schauspieler und des 30-köpfigen Teams, Mieten für Drehorte wie das Krankenhaus, Hotelübernachtungen und, und, und… Sogar das Catering wurde uns von Gastronomen aus Espelkamp gesponsert. 

Wo wird „Phantomschmerz“ zu sehen sein?
Nach der Weltpremiere am 1. September sind wir am 2. September in Berlin. Anschließend sind wir am 3. im Rahdener Dersa-Kino und am 4. September im Lichtwerk in Bielefeld. Zu diesen Vorpremieren werden Schauspieler und Teile des Teams kommen, um mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. Am 6. September ist der bundesweite Kinostart. Wir haben den Verleih selbst organisiert, weil uns kein Verleiher wollte. Bislang haben wir Zusagen von etwa 100 Kinos deutschlandweit. 

Mit wie vielen Zuschauern rechnen Sie?
Das kann ich ganz schwer sagen. Wenn es am Ende 50.000 bis 100.000 sind, dann bin ich zufrieden. Je nachdem wie es läuft, wollen wir den Film dann auch als Blu-ray, bei Streaming-Diensten und dem Fernsehen anbieten. Das Medienecho ist jedenfalls schon gewaltig. Spiegel TV und viele weitere haben sich gemeldet. 

Mit welchem Gefühl gehen Sie in die Weltpremiere?
Wir sind natürlich mega-aufgeregt und hoffen, dass der Film gut ankommt. Wir hoffen, dass der Film unsere Visitenkarte für die Filmbranche wird. Ich will noch viele Geschichten erzählen.