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23.07.2013

"Zwei kleine Schnitte retteten mein Leben"

Bad Oeynhausener Spezialisten implantieren Stent bei einem Notfall

Foto: MKK Kann Leben retten. Der Einsatz von Stentprothesen gehört am Krankenhaus Bad Oeynhausen zu den Routineeingriffen.


Foto: MKK Visite mit Gefäßchirurg Ernest Danch (l.). Patient Gerhard Stroede (r.) hält eine Stentprothese in seiner Hand. So eine Gefäßstütze rettete ihm das Leben.

Foto: MKK Gefäßchirurg am Krankenhaus Bad Oeynhausen, Ernest Danch, zeigt ein Modell eines Bauchaortenaneurysmas.

"Da denkste doch im Leben nich dran", erinnert sich Gerhard Stroede, während es an der Tür klopft. "Zeit für das Abendessen!", entgegnet ihm die Krankenschwester. Der 63-Jährige ist Patient im Krankenhaus Bad Oeynhausen. Er richtet sich in seinem Bett auf und antwortet mit einem Lächeln. Vor ein paar Tagen entging der Familienvater knapp dem Tod, erzählt er. Die Diagnose: eine geplatzte Bauchschlagader.

"Das tückische an dieser Erkrankung: Es ist ein schleichender Prozess", erklärt Dr. Heinrich Walter, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Krankenhaus Bad Oeynhausen. Wenn sich in den Baucharterien bereits Verkalkungen gebildet haben und die Bauchschlagader schon überdehnt ist, spürt der Erkrankte noch lange Zeit keine direkten Beschwerden. „Das einzige, was ich wahrnahm, waren heftige Schmerzen im Kreuz und in den Schenkeln", erinnert sich Patient Stroede. „Irgendwann, als selbst Staubsaugen, Gartenarbeit oder Spazierengehen mit dem Hund zu anstrengend wurden, drängte mich meine Frau, zu einem Arzt zu gehen.“

Zweieinhalb Liter Blut im Bauchraum
Nach einer Computertomografie wurde ein Bauchaortenaneurysma diagnostiziert. Eine krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader im Bauchraum. Im Eiltempo wurde der Vater von zwei Kindern ins Gefäßzentrum des Krankenhauses Bad Oeynhausen gebracht. „Die Aussackung an der Bauchschlagader des Patienten war bereits durchgebrochen", bestätigt Gefäßchirurg Walter. „Jetzt zählte jede Minute.“ Der Mann musste sofort operiert werden.

„Sofort-OP hieß es - ab diesem Moment verstand ich gar nichts mehr", fährt Patient Stroede fort. „Es ging mir so vieles durch den Kopf: wie ich meine Frau kennengelernt habe und die Geburten unserer Kinder", erzählt der aus Bünde stammende Mann sichtlich gerührt. Zweieinhalb Liter Blut hatte er zu diesem Zeitpunkt durch die innere Blutung breites verloren. Das bedeutete: akute Lebensgefahr. „Herr Stroede drohte innerlich zu verbluten. Wir mussten schnell reagieren", betont Ernest Danch, Oberarzt in der Klinik für Gefäßchirurgie am Krankenhaus Bad Oeynhausen. „Ist die Bauchschlagader erst durchbrochen, sterben drei von vier Menschen durch den hohen Blutverlust", fügt er hinzu.

Kleiner Eingriff, große Wirkung
Die geplatzte Bauchschlagader konnte mit einer Stent-Prothese versorgt werden. „Diese Gefäßstütze dichtet die geplatzte Ader von innen ab", erklärt der Experte das Verfahren. Der Stent wird in die Bauchschlagader eingesetzt, er presst sich an die gesunde Wand. „Zwei kleine Schnitte in der Leistengegend reichen aus, um dem Patienten das Leben zu retten." Die zusammengefaltete Prothese wird durch Oberschenkel- und Beckenschlagader geschoben. Sie entfaltet sich innerhalb des aufgedehnten Bereiches in der Bauchschlagader. Das Blut kann durch die Prothese fließen und nimmt so den Druck von den Gefäßwänden. „Damit konnten wir bei Herrn Stroede die Zeit-Bombe entschärfen", bringt es der Gefäßspezialist auf den Punkt. „Er war dann außer Lebensgefahr."

Hohe Standards wie in Universitätskliniken
Nicht nur bei planbaren OPs arbeiten die Ärzte des Gefäßzentrums mit speziellen Kathetern minimalinvasiv, also mit kleinen Schnitten. Sogar in Notfällen können die Bad Oeynhausener Gefäßchirurgen die modernen Stent-Prothesen einsetzen. „Seit vielen Jahren verwenden wir diese Gefäßstützen. Dadurch können wir auch im Akutstadium – wenn die Schlagader durchbrochen ist – mit Stent-Prothesen operieren", erläutert Chefarzt Dr. Walter. Das Krankenhaus Bad Oeynhausen gehört zu den wenigen Häusern in ganz Deutschland, die selbst bei Notfall-Operationen in der Lage sind, diese Stents zu implantieren. „Da sind wir einer der Spitzenreiter", lobt der Experte sein Ärzte-Team.

Neue Methode setzt sich gegen alte durch
Die herkömmliche OP-Methode ist aufwendiger. „Die Gefäßerweiterung oder Aussackung an der Bauchschlagader muss komplett herausgeschnitten und durch eine Plastikröhre ersetzt werden", beschreibt Oberarzt Danch das konventionelle Verfahren. In Notfällen ist diese Methode noch heute Standard in den meisten gefäßchirurgischen Abteilungen in Deutschland. Dabei muss ein großer Schnitt vom Brustkorb bis zum Schambein gesetzt werden. Die Operation dauert drei bis vier Stunden. „Der Patient verliert viel Blut, das Herz wird geschwächt, ebenso die Nieren. Eine Extremsituation für den menschlichen Körper mit langem Krankenhausaufenthalt", so der Experte.

Kurz nach der Operation wieder völlig schmerzfrei
Bereits einige Stunden nach der OP konnte Gerhard Stroede aufstehen und sich bewegen. „Ich habe endlich keine Schmerzen mehr", sagt er sichtlich erleichtert. Eine Ursache für den Durchbruch einer Bauchschlagader können stark verkalkte Arterien sein. „Kein Einzelfall in diesem Alter“, weiß der Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, Dr. Heinrich Walter: „Ab dem 60. Lebensjahr treten Aneurysmen häufig auf. Wir raten in diesem Alter zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung der Aorta durch Ultraschall.“ Vorsorgen will Patient Gerhard Stroede jetzt auch. Und ein neues Ziel hat sich der 63-Jährige gesteckt: „Ich höre mit dem Rauchen auf und werde künftig mehr Sport treiben."