10.05.2017

Kein Anstieg der Infektionen mit resistenten Keimen

Professor Schmitz stellt Auswertung von mikrobiologischen Ergebnissen vor

Professor Dr. Franz-Josef Schmitz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie, Hygiene, Umweltmedizin und Transfusionsmedizin der Mühlenkreiskliniken

MRE-Abstrich im Labor

Kein Grund zur Panik, aber auch keine Entwarnung - das ist das Ergebnis einer umfangreichen Auswertung von mikrobiologischen Ergebnissen, die Professor Dr. Franz-Josef Schmitz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie, Hygiene, Umweltmedizin und Transfusionsmedizin der Mühlenkreiskliniken, zusammen mit Oberärztin Dr. Jasmina Petridou erstellt hat.

In dem Zahlenwerk werden alle Nachweise antibiotikaresistenter Keime wie MRSA oder MRGN aus elf Krankenhäusern und Kliniken in Ostwestfalen-Lippe miteinander verglichen und in Beziehung zu Daten des Paul-Ehrlich-Instituts gesetzt. Das Ergebnis: Es gibt an den elf Kliniken, zu denen auch die fünf Häuser der Mühlenkreiskliniken gehören, keine vermehrten Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen. "Das ist das positive Resultat der Untersuchung", sagt Professor Dr. Franz-Josef Schmitz, der die Ergebnisse im Rahmen eines infektiologischen Symposiums am Dienstag, 16. Mai, um 17 Uhr im Hörsaal des Johannes Wesling Klinikums in Minden der Öffentlichkeit vorstellt. Neben Ärzten und Gesundheitsexperten sind auch interessierte Laien zu der Veranstaltung eingeladen.

Grund für Entwarnung sieht der Krankenhaushygieniker der Mühlenkreiskliniken jedoch  nicht: "Die Zahl der Besiedelungen - also das Vorkommen der Keime beim Menschen ohne eine Erkrankung auszulösen - ist in den vergangenen Jahren gestiegen", so der Experte. Dafür macht Schmitz vor allem zwei Gründe verantwortlich: die vermehrte Suche nach den Keimen und die zunehmende Antibiotikaresistenz. "Wer mehr sucht und testet, findet natürlich auch mehr Besiedelungen. Das ist erstmal keine schlechte Nachricht. Gleichwohl gehen wir davon aus, dass gerade die MRGN-Keime deutlich häufiger auftreten. Hier braucht es weiterhin große Anstrengungen, um den Keim in Schach zu halten", erklärt Schmitz.

Etwas besser beurteilt der Experte die Lage bei den MRSA-Keimen. "Hier beobachten wir eine Stagnation. Es scheint, als sei die gefürchtete Ausbreitung erstmal gestoppt. Zudem haben wir immer mehr Antibiotika, die wir wirksam gegen eine MRSA-Infektion einsetzen können", so Schmitz.

Wie die Entstehung und Ausbreitung von resistenten Keimen verhinderten werden kann, wird die Oberärztin Dr. Jasmina Petridou auf dem Fachsymposium der Mühlenkreiskliniken erläutern. Sie ist eine von zwei Ärzten der Mühlenkreiskliniken, die die umfangreiche Ausbildung zum Antibiotic Stewardship absolviert haben. Jede Woche geht sie im Johannes Wesling Klinikum durch die Intensivstationen und diskutiert mit den behandelnden Ärzten die Antibiotikagabe. "Es kommt darauf an, rechtzeitig das richtige Antibiotikum, in der richtigen Dosierung und mit der richtigen Dauer zu verschreiben. Ansonsten fördert man die Bildung von Resistenzen", sagt die Oberärztin. Sie beobachtet, dass sich viele Mediziner heutzutage viel mehr Gedanken über die Gabe von Antibiotika machen. Neben den Visiten auf der Intensivstation bietet Jasmina Petridou Konsile für ihre Kollegen an. Per Telefon können sich die Mediziner bei ihr melden und sich mit ihr über die richtige Antibiotikagabe austauschen. "Im Ergebnis haben wir bei uns in den Krankenhäusern der Mühlenkreiskliniken seit vielen Jahren einen signifikanten Rückgang der Antibiotikaverordnungen", so Dr. Jasmina Petridou.

Allerdings gibt es nach Angaben von Professor Schmitz neben den Krankenhäusern noch weitere Akteure, die ebenfalls verantwortungsvoll bei der Verschreibung von Antibiotika handeln müssen. "Ohne die niedergelassenen Ärzte und ohne Tierärzte kann der Kampf gegen die resistenten Keime nicht erfolgreich sein. Nur wenn wir zusammen aktives Antibiotic Stewardship betreiben, können wir die Entstehung von weiteren resistenten Keimen verhindern. Wir alle sind in der Pflicht", so der Mediziner.

Durch strikte Hygienemaßnahmen und die Erforschung neuer, wirksamer Antibiotika könne die Ausbreitung der bereits vorhandenen Keime verhindert werden. "Dass wir nicht schutzlos den Keimen ausgeliefert sind, haben die Bemühungen um die Eindämmung von MRSA gezeigt. Jetzt gilt es, die Ausbreitung von MRGN und einiger weiterer Keime zu stoppen", so der Professor für Labormedizin, Mikrobiologie und Krankenhaushygiene.

Die komplette Auswertung der Resistenzahlen kann demnächst auf der Internetseite der Mühlenkreiskliniken (www.Muehlenkreiskliniken.de) eingesehen werden.