Es riecht nach Schleifstaub und frischem Kunststoff. In der Werkstatt der Technischen Orthopädie der Auguste-Viktoria-Klinik in Bad Oeynhausen surren Maschinen, werden Formen gegossen, Einlagen geschliffen und Carbonfasern millimetergenau zugeschnitten. An den Werkbänken stehen Emma Bebernik und Nils Wenzel und tüfteln an Hilfsmitteln für ihre Patientinnen und Patienten. Die 16-Jährige und der 20-Jährige haben im August ihre Ausbildung zur Orthopädietechnik-Mechanikerin bzw. zum Orthopädietechnik-Mechaniker begonnen. Eine Ausbildung, die gleich zwei Leidenschaften vereint: für das Handwerk und für den Menschen.
„Genau das macht den Beruf auch aus, dass man sich handwerklich ausleben kann, aber eben auch nah am Menschen dran ist. Wir fertigen Hilfsmittel an, die unseren Patienten ein Stückchen Lebensqualität schenken“, sagt Nils Wenzel, Auszubildender in der Technischen Orthopädie. Nach einem zweiwöchigen Praktikum in der Werkstatt stand für den 20-Jährigen fest, dass er unbedingt die Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker machen möchte, einen „speziellen Beruf“, wie er sagt.
Dass jedes Hilfsmittel individuell angepasst wird – genau passend für den jeweiligen Menschen, das hat Auszubildende Emma Bebernik anfangs überrascht. „Ich passe aktuell Schuheinlagen für unsere Patientinnen und Patienten an und selbst die Einlagen sind alle unterschiedlich“, erzählt die Auszubildende.
Die Ausbildung in der Technischen Orthopädie ist kein gewöhnlicher Handwerksberuf. Sie verbindet medizinisches Wissen, Präzision und Einfühlungsvermögen – mit handwerklichem Geschick. In drei Jahren lernen die Auszubildenden alles über den menschlichen Bewegungsapparat, über Materialien, Fertigungstechniken, analoge und digitale Verfahren. Sie arbeiten mit Kunststoff, Metall, Leder, Silikon und modernen Carbonfasern. „Jede Orthese, jede Prothese und jedes Hilfsmittel ist ein Unikat. Abgestimmt auf die Bedürfnisse eines ganz bestimmten Menschen“, sagt Oliver Knudsen, Ausbildungsleiter in der Technischen Orthopädie.
Besonders an der Ausbildung in der Auguste-Viktoria-Klinik ist die Nähe zu den Patientinnen und Patienten. Die Werkstatt ist direkt in die orthopädische Fachklinik eingebettet. Orthopädietechniker*innen, Ärzt*innen, Physiotherapeut*innen und Pflegefachpersonen arbeiten Hand in Hand. Wenn eine Patientin oder ein Patient nach einer Operation eine Orthese braucht oder nach einer Amputation mit einer Prothese versorgt wird, dann sind die Azubis oft hautnah dabei. Von der Vermessung über die Anpassung bis zur Übergabe. „Man sieht sofort, was die eigene Arbeit bewirkt“, betont der Ausbildungsleiter.
Auch Emma Bebernik und Nils Wenzel schätzen genau das an ihrer Arbeit.
Die Technische Orthopädie der AVK gilt als eine der renommiertesten Ausbildungsstätten für Orthopädietechnik-Mechaniker*innen in Nordrhein-Westfalen. Mehrfach wurden die Auszubildenden der Technischen Orthopädie zu Landes- oder sogar Bundessiegern im Orthopädietechnik-Handwerk gekürt. Der Grund dafür liegt auf der Hand, oder besser gesagt in der Handarbeit. „Wir legen viel Wert auf die Qualität der Ausbildung und räumen den Auszubildenden genügend Zeit ein, um sich intensiv auf Prüfungen vorzubereiten. Wir versuchen sie die Nachwuchskräfte mit allen Mitteln zu unterstützen. Wir investieren in die Fachkräfte von morgen und investieren damit gleichzeitig in unser Fach“, fasst Orthopädietechnikmeister Oliver Knudsen zusammen.
Neben handwerklichem Geschick spielt auch die Technik eine immer größere Rolle. In der Werkstatt stehen moderne CNC-Fräsen, 3D-Scanner und Computerprogramme, mit denen Modelle digital berechnet und gefertigt werden können. So entstehen Hilfsmittel, die perfekt passen und den Patientinnen und Patienten mehr Bewegungsfreiheit geben. Trotzdem bleibt das Gespür der Hand unersetzlich. „Das Gefühl, wann etwas richtig sitzt, wie ein Material sich verhält oder eine Form zu einem Menschen passt“, erläutert Oliver Knudsen.
Die beiden Auszubildenden dürfen dem Ausbildungsleiter heute über die Schulter schauen, wie er einen Gipsabdruck für eine Beinprothese anfertigt. Zunächst wird der Patient vermessen, ehe der Gipsabdruck angefertigt wird. Zwar steht die Prothetik erst im zweiten Lehrjahr auf dem Plan, aber Emma Bebernik und Nils Wenzel hören schon gespannt zu. „Die Prothetik ist einer der spannendsten Bereiche des Berufs“, sagen die beiden Auszubildenden im ersten Lehrjahr.
Wer seine Ausbildung hier macht, hat beste Berufsperspektiven. Die Orthopädietechnik ist ein Beruf mit Zukunft und europaweit gefragt. In einer Gesellschaft, die älter wird, steigt auch der Bedarf an Hilfsmitteln. Und mit neuen Materialien und digitalen Verfahren entwickelt sich das Handwerk stetig weiter. „Für mich ist es der schönste Beruf, den es gibt – vor allem die Förderung der Auszubildenden macht mir sehr viel Spaß. Das ist genau meins“, sagt Oliver Knudsen.
Am Ende des Tages räumen die Auszubildenden ihre Werkzeuge weg, beschriften Modelle und dokumentieren ihre Arbeit. Auf einem Arbeitstisch steht eine fertige Orthese, grau gemustert. Bald wird sie einem Menschen helfen, sicherer zu gehen. Vielleicht wieder Sport zu treiben. Oder vielleicht einfach nur schmerzfrei den Alltag zu meistern. Dass ihre Arbeit einen Unterschied macht, macht Emma Bebernik und Nils Wenzel stolz.
Wer sich für eine Ausbildung als Orthopädietechnik-Mechanikerin oder Orthopädietechnik-Mechaniker interessiert, kann sich noch bis zum 31. Dezember 2025 bewerben. Ausbildungsbeginn ist am 1. August 2026. Alle Informationen gibt es unter https://www.muehlenkreiskliniken.de/muehlenkreiskliniken/karriere/karrierestart/orthopaedietechnik-mechanikerin
