Osteochondrose

Was bedeutet der Begriff „Osteochondrose"?
Mit „Osteochondrose" bezeichnet man eine Überlastungsreaktion der Knorpel- und Knochenzellen an der Grenze der Bandscheiben zu den Wirbelkörpern. Im ursprünglichen Sinn des Wortes ist eine Störung der Umwandlung von Knorpel- zu Knochenzellen während der Knochenbildung gemeint, die verschleißbedingten Osteochondrose der Wirbelsäule jedoch bezeichnet eine Vorgang der Degeneration von Bandscheibengewebe, Knochenanbau an den Wirbeln als Abstützreaktion (Spondylophyten) und Verminderung der Höhe des Bandscheibenfaches.

Kernspintomographie, die eine Osteochondrose zwischen dritten und vierten Lendenwirbel zeigt (gelber Pfeil). Die betroffenen Wirbel zeigen bereits knöcherne Abstützreaktionen (roter Pfeil).


Wodurch kommt es zur Osteochondrose?

Eine Störung der Balance zwischen Widerstandskraft und Belastung der Wirbelsäule kann zur Überlastung führen. Dies wird zum Beispiel durch stark körperlich beanspruchende Arbeiten, aber auch bei Fehlbelastungen durch einseitige und ungünstige Körperhaltung verursacht. Eine der häufigen Arten der Osteochondrose ist bei Jugendlichen der sogenannte Morbus Scheuermann. Hierbei werden unter anderem durch vornüber gebeugtes Sitzen die vorderen Abschnitte der Brustwirbel und Bandscheiben zu stark beansprucht, so dass Bandscheibengewebe in den Knochen hineingedrückt wird. Somit kommt es zu einer Zerstörung der Bandscheibe und des Wirbels.

Wie ist der Verlauf der Osteochondrose?
Zunächst macht sich eine Osteochondrose lediglich durch die Rückenschmerzen für den Patienten bemerkbar. Später wird aufgrund der abnehmenden Höhe der Bandscheiben und keilartiger Form eine Fehlstellung mit Lageveränderung der Wirbelsäule nach vorn eintreten. Bei dem Morbus Scheuermann fällt dann der typische Buckel der Brustwirbelsäule auf.

Bei wachsender Fehlstellung erhöht sich zunehmend die Belastung der vorderen Wirbelabschnitte, so dass die Krankheit immer schneller voranschreitet.

An der Halswirbelsäule fällt die Fehlstellung in den seltensten Fällen nur auf. Hier tritt vielmehr die Einengung der Nervenaustrittsöffnungen (Neuroforamen) durch die knöcherne Abstützreaktion der Wirbel in den Vordergrund. Diese Enge verursacht eine Bedrängung der durchtretenden Nerven und somit Schmerz oder Funktionseinschränkung der von diesem Nerven vermittelten Funktionen.

Wie sollte die Therapie gestaltet werden?
Wenn Brust- oder Lendenwirbelsäule betroffen sind kann man in Frühphasen der Erkrankung durch konsequente Stärkung der Rumpfmuskulatur (Bauch- und Rückenmuskeln!) und Haltungstraining eine gute Chance haben, ein Fortschreiten zu verhindern. In Fällen, in denen die eigene Muskulatur nicht mehr rechtzeitig auftrainiert wurde, kann mit Hilfe einer Orthese ein Teil der Belastung der Wirbel aufgefangen werden. Dennoch muß die eigene Muskulatur ebenfalls gestärkt werden. Bei besonders stark ausgeprägten Fehlstellungen oder nicht zu therapierenden Schmerzen hilft eine Stabilisierungs- und Aufrichtungsoperation.

Im Bereich der Halswirbelsäule gestaltet sich die nicht operative Therapie schwieriger. Hier kann lediglich die schmerzhafte Muskulatur durch Physiotherapie gelockert werden, so dass dieser Anteil der Schmerzen entfällt. Die Nervenreizungen können durch gezielte Injektionen vermindert werden. Je nach Fortschritt der Osteochondrose ist die Implantation einer Bandscheibenprothese oder eine Stabilisierungsoperation angebracht, wenn die nicht operative Therapie versagt.