Von der Behandlung an Kinderlähmung erkrankter Kinder bis zur hochspezialisierten Gelenk- und Wirbelsäulenchirurgie: Die Auguste-Viktoria-Klinik (AVK) in Bad Oeynhausen hat in den vergangenen sieben Jahrzehnten einen bemerkenswerten Wandel erlebt. 2026 feiert „die Auguste“, wie sie von vielen genannt wird, 70 Jahre Spezialklinik. Heute zählt sie zu den größten orthopädischen Fachkliniken Nordrhein-Westfalens.
Die Geschichte des Hauses reicht sogar noch weiter zurück. Bereits 1913 wurde an der Kanalstraße das „Auguste-Viktoria-Kinderheim“ eröffnet. Zwei Weltkriege, die Nutzung als Lazarett und die zeitweise Beschlagnahmung durch die britischen Streitkräfte prägten die ersten Jahrzehnte. Ein entscheidendes neues Kapitel begann am 1. Februar 1956: Die Einrichtung wurde als Kinderklinik wiedereröffnet. Unter der Leitung des Kinderarztes Dr. Hans Ulrich Grüninger konzentrierte sich die Klinik insbesondere auf Kinder und Jugendliche mit Lähmungserscheinungen und den Folgen der damals gefürchteten Kinderlähmung, der Polio. 160 Betten standen zur Verfügung, behandelt wurde unter anderem mit Heilgymnastik, Thermalsolebädern und Elektrotherapie.
Doch der medizinische Fortschritt veränderte auch die Klinik. Mit dem Erfolg der Polio-Impfung gingen die Erkrankungszahlen stark zurück. Die AVK reagierte und richtete sich neu aus: 1964 wurde sie zum orthopädischen Fachkrankenhaus. Damit war der Grundstein für die heutige Spezialisierung gelegt.
„70 Jahre Spezialklinik bedeuten für uns nicht, dass wir 70 Jahre lang dasselbe gemacht haben. Im Gegenteil: Die Geschichte der AVK zeigt, dass eine gute Klinik sich verändern muss, wenn sich Medizin und Gesellschaft verändern. Entscheidend ist, dass dabei die fachliche Spezialisierung und der Anspruch an die Versorgung erhalten bleiben“, sagt Dr. Olaf Bornemeier, Geschäftsführer der Auguste-Viktoria-Klinik und Vorstandsvorsitzender der Mühlenkreiskliniken.
Heute verfügt die AVK über 104 Planbetten. Im Universitären Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Patrick Orth und der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie unter Leitung von Dr. Michael Vahldiek wird nahezu das gesamte Spektrum der modernen Orthopädie und der Wirbelsäulenchirurgie angeboten – von Kinder- und Rheumaorthopädie über Sportverletzungen, Hand- und Fußchirurgie bis zur Wirbelsäulenchirurgie und Endoprothetik.
Gerade die Pflege habe diesen Wandel über Jahrzehnte mitgetragen, betont Pflegedirektorin Janin Tacke: „Medizinische Möglichkeiten, Behandlungsmethoden und Strukturen haben sich in 70 Jahren enorm verändert. Was geblieben ist, ist der Anspruch, Patientinnen und Patienten in einer für sie oft schwierigen Lebenssituation kompetent und empathisch zu begleiten. Diese Verbindung aus hoher Spezialisierung und menschlicher Zuwendung der Mitarbeitenden macht die Auguste bis heute zu etwas ganz Besonderem.“
Eine der fachlichen Besonderheiten hat die AVK in der Endoprothetik. Seit zehn Jahren ist sie als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung zertifiziert – als einziges Zentrum dieser Art im Kreis Minden-Lübbecke und eines von nur vier in Ostwestfalen-Lippe. Durch die Anbindung der Universitätsklinik für Allgemeine Orthopädie an die Ruhr-Universität Bochum gehören zudem Forschung und Lehre fest zum Klinikalltag. Auch eine medizinisch große Bedeutung für die Region besitzt die Klinik für Wirbelsäulenchirurgie die seit mehr als 25 Jahren von Klinikdirektor Dr. Vahldiek geleitet wird und sich zu einem überregional anerkannten Zentrum für die operative und konservative Therapie von Wirbelsäulenerkrankungen entwickelt hat.
Und auch nach 70 Jahren bleibt die Auguste in Bewegung. Die geplante Zusammenführung mit dem Krankenhaus Bad Oeynhausen und die Neubauplanung werden den Standort in den kommenden Jahren erneut verändern.
„Die AVK hat ihre Geschichte nie dadurch bewahrt, dass sie stehen geblieben ist. Sie hat sie dadurch bewahrt, dass sie sich weiterentwickelt hat“, sagt Geschäftsführer Olaf Kawalerczyk. „Genau das ist auch unsere Aufgabe für die kommenden Jahre: die medizinische Qualität und Spezialisierung zu sichern und zugleich die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die AVK ein wichtiger orthopädischer Standort in der Region und darüber hinaus bleibt.“
Auch die beiden Klinikdirektoren sehen darin eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft. „1956 musste die Klinik auf neue medizinische Anforderungen reagieren. Heute stehen wir wieder vor großen Veränderungen“, sagen Dr. Michael Vahldiek und Univ.-Prof. Dr. Patrick Orth. „Die Geschichte der AVK stellt ein starkes Fundament dar – Wir freuen uns, die Auguste auch künftig innovativ und leistungsfähig gemeinsam weiterzuentwickeln.“
Ihr Jubiläumsjahr nimmt die Klinik zum Anlass, sich am Freitag, 11. September 2026, ab 16 Uhr beim „Abend der offenen Klinik“ von einer Seite zu zeigen, die Besucherinnen und Besucher sonst kaum zu sehen bekommen. Geöffnet werden unter anderem die Hightech-Operationssäle, die Intensivmedizin und die Technische Orthopädie. Medizinische Verfahren werden anschaulich erklärt und teilweise selbst erlebbar gemacht. Dr. Michael Vahldiek und Univ.-Prof. Dr. Patrick Orth geben in Vorträgen Einblicke in die moderne Wirbelsäulen- und Gelenkchirurgie. Als besonderer Gast spricht der ehemalige Tennisprofi Nicolas Kiefer über Leistungssport, Verletzungen, Rehabilitation und seine zweite sportliche Karriere.
Dazu gibt es Angebote für die ganze Familie sowie Essen und Getränke. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Kostenlose Parkmöglichkeiten stehen im Parkhaus Innenstadt am Sültebusch zur Verfügung; auf dem Klinikgelände kann am Veranstaltungstag nicht geparkt werden.



