Brustkrebs mit 36

Auch junge Frauen betroffen – großer Brustkrebsinformationstag am 7. November im Uni-Klinikum Minden

Ein Stückchen Normalität hat sich Lena Hellmich bewahrt. Und dieses Stückchen Normalität gibt ihr viel Kraft. Kraft, um zu kämpfen, aber auch um über ihre Krankheit aufzuklären. Auf Instagram lässt sie ihre fast 9.000 Follower*innen an ihrem Leben teilhaben, teilt Eindrücke und Ausschnitte aus ihrem Alltag.

Lena Hellmich liebt das Leben. In all seinen Facetten. Und daran hat sich auch durch ihre Diagnose nichts verändert. Im Gegenteil, „jetzt will ich bewusster leben und mein Leben voll auskosten“, sagt sie. Mit 36 Jahren bekam sie die Diagnose Brustkrebs. „Das war natürlich niederschmetternd und brutal.“ Doch sie will kämpfen, den Feind in ihrem eigenen Körper besiegen. Und sie will anderen Frauen Mut machen. „Man denkt immer, dass das Thema junge Frauen nicht betrifft. Durch meine eigene Erkrankung habe ich erst bemerkt, wie viele junge Frauen eigentlich Brustkrebs haben“, sagt sie.

Die Mindenerin hat mittlerweile ihre sechste Chemotherapie erhalten. Zehn folgen noch. Jeden Montag ist sie aktuell im Universitätsklinikum Minden. Über mehrere Stunden läuft die Therapie langsam durch ihren Körper. Medikamente, die helfen sollen, die Krankheit zu bekämpfen, aber gleichzeitig den ganzen Körper fordern. „Ich schlafe viel während der Chemo, höre Musik oder Podcasts. Danach bin ich natürlich sehr erschöpft, aber nach ein, zwei Tagen geht es meist wieder“, erzählt die 36-Jährige.

Für ihren Chemo-Tag macht sich Lena Hellmich immer zurecht, weil sie sich so wohler fühle, wie sie sagt. Die Krankheit soll nicht sichtbar sein. Ihre Haare hat sie noch nicht verloren, auch wenn immer mehr Strähnen ausfallen. „Wenn das so weitergeht, rasiere ich sie mir ab“, sagt Hellmich und wirkt dabei kein bisschen betrübt.

Sie hat sich diesem Kampf gestellt, mit allem, was dazugehört. Sie will als Siegerin aus diesem Kampf gehen, das war ihr von der ersten Sekunde an klar.

Im Sommer 2026 entdeckt die junge Frau im Urlaub auf Mallorca abends zufällig einen Knoten in ihrer Brust. Sechs Monate zuvor war sie bei der Vorsorge, wo nichts Auffälliges festgestellt wurde. Lena Hellmich erinnert sich an den Moment: „Ich hatte ein ganz komisches Gefühl als ich das erstastet habe. Mir war sofort bewusst, dass das da nicht hingehört. Ich wollte es auch gar nicht richtig anfassen.“

Nach dem Urlaub ging alles ganz schnell. Es folgten Untersuchungen in der Radiologie und eine Stanzbiopsie der Brust, bei der Gewebeproben entnommen wurden. „Ein Moment, in dem plötzlich alles real wurde und die Angst vor dem, was kommen könnte, immer größer wurde“, schildert die Marketing-Mitarbeiterin.

Nur einen Monat nach dem Entdecken des Knotens in ihrer Brust hatte Lena Hellmich die Diagnose: Brustkrebs. Ihre schlimmsten Befürchtungen waren wahr geworden. „Mit 36 so eine Diagnose zu bekommen, das war einfach nur brutal. Ich war tagelang aufgelöst und musste mich erstmal sammeln“, erinnert sie sich.

Die Wahrscheinlichkeit unter 40 Jahren Brustkrebs zu bekommen, ist relativ gering. „Brustkrebs im Alter zwischen 30 und 40 Jahren ist vergleichsweise selten und betrifft etwa sieben Prozent aller Patientinnen“, erklärt Universitätsprofessor Dr. Philipp Soergel, Direktor der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Uni-Klinikum Minden. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen – jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Etwa 80.000 Frauen erhalten jährlich die Diagnose Brustkrebs in Deutschland.

Der Mindener Gynäkologe erläutert: „Tumore bei Frauen unter 40 Jahren sind oft dichter im Gewebe und neigen dazu, aggressiver zu sein, weshalb sie seltener entdeckt werden. Auch greift das reguläre Mammographiescreening in Deutschland erst ab 50 Jahren.“

Deshalb sei es umso wichtiger, dass Frauen auch regelmäßig selbst ihre Brust abtasten und bei Auffälligkeiten oder Veränderungen sofort ärztlichen Rat suchen.

Lena Hellmich hat sich sofort Hilfe in einem spezialisierten Zentrum gesucht. Das zertifizierte Brustzentrum Minden-Herford (BZMH) im Universitätsklinikum Minden ist eine wichtige Anlaufstelle für Brustkrebspatientinnen. Dort werden jährlich mehr als 400 erkrankte Frauen mit Brustkrebs aus OWL und Niedersachsen von einem interdisziplinären Team aus Gynäkologen, Onkologen, Radiologen, Pathologen, Psychologen und Pflegefachpersonen versorgt. Außerdem werden nahezu 700 Patientinnen in der Brustsprechstunde betreut. „Unsere Arbeit steht im Dienst der erkrankten Frau. Das bedeutet für uns, dass die an Brustkrebs erkrankte Patientin im Mittelpunkt unserer Anstrengungen steht. Wir setzen uns für eine aktive Rolle der Frau bei der Entscheidungsfindung und Durchführung von Diagnostik und Therapie bei einer Brustkrebserkrankung ein“, erläutert Universitätsprofessor Dr. Soergel.

Auch die Mindener Patientin hat sich aktiv mit ihrer Therapie und allem, was dazugehört, beschäftigt. „Ich gehe mit richtiger Ausrüstung zur Chemo, habe beispielweise eine Kühlhaube für den Kopf, so bleiben die Haare wohl länger erhalten und so ein paar andere nützliche Dinge habe ich mir angeschafft“, erzählt Lena Hellmich. Die Chemotherapie habe sie sich deutlich schlimmer vorgestellt. Sie kann immer noch regelmäßig zum Sport, trifft Freunde, unternimmt viel.

Ein Stückchen Normalität hat sich Lena Hellmich bewahrt. Und dieses Stückchen Normalität gibt ihr viel Kraft. Kraft, um zu kämpfen, aber auch um über ihre Krankheit aufzuklären. Auf Instagram lässt sie ihre fast 9.000 Follower*innen an ihrem Leben teilhaben, teilt Eindrücke und Ausschnitte aus ihrem Alltag. Vorher hat sie über ihr Single-Leben als Mitte 30-Jährige berichtet, jetzt zeigt sie, wie ein Chemo-Tag in der Klinik abläuft. „Für mich ist das bisschen wie Selbsttherapie, dass ich das auf meinem Kanal teilen kann“, sagt Lena Hellmich. Sie erhalte unglaublich viel Zuspruch, andere Betroffene fühlen sich plötzlich gesehen und nicht mehr allein mit der Diagnose. „Es tut unglaublich gut, offen darüber zu sprechen. Ich habe natürlich auch gute und schlechte Tage, ich zeige alles, ganz ungefiltert.“

Ungefiltert erzählt die Mindenerin von einer Nachricht, die sie gerade erst erhalten hat. Eine Nachricht, die plötzlich wieder alles aus den Fugen gebracht hat. Kurz nach ihrer Diagnose hatte sie sich einem Gentest unterzogen, um herauszufinden, ob der Tumor erblich bedingt entstanden ist. Ihre Großmutter hatte nämlich auch bereits Brustkrebs. Und tatsächlich wurde bei der Marketing-Managerin eine krankheitsrelevante Veränderung im BRCA1-Gen festgestellt. „Dieses Gen spielt normalerweise eine wichtige Rolle bei der Reparatur von Schäden im Erbgut. Ist seine Funktion verändert, kann dies das Risiko für bestimmte Krebsarten, wie Brust- und Eierstockkrebs, deutlich erhöhen“, erläutert Universitätsprofessor Dr. Soergel.

„Das war ein Schock, obwohl ich irgendwie damit gerechnet hatte. Trotzdem ist kurz eine Welt für mich zusammengebrochen, weil jetzt natürlich auch nochmal ganz andere Entscheidungen getroffen werden müssen“, erzählt Lena Hellmich. Es gibt beispielsweise die Möglichkeit, eine vorbeugende Entfernung beider Eierstöcke und Eileiter durchführen zu lassen. „Über all diese Dinge muss ich mir noch Gedanken machen. Für mich steht aber fest, dass ich nicht aufgebe, diese Krankheit wird mich nicht in die Knie zwingen“, sagt die Brustkrebs-Patientin.

Lena Hellmich will mit ihrer Offenheit anderen Betroffenen Mut machen, „wenn meine Geschichte dafür sorgt, dass auch nur eine Frau zur Vorsorge geht, dann war es das wert.“

Auch der Mindener Gynäkologe und Klinikdirektor macht sich stark für das Thema Vorsorge: „Vorsorge kann Leben retten! Vor allem bei Brustkrebs. Die heutigen Vorsorgemaßnahmen sind sehr gut entwickelt. Brustkrebs betrifft immer mehr Frauen, ja. Aber auch immer mehr Frauen überleben die Krankheit – die Heilungschancen sind heute, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird, sehr gut.“

Lena Hellmich spürt, dass der Knoten, der Fremdkörper in ihrem eigenen Körper, kleiner wird. Sie hat das Gefühl, dass die Chemo und zusätzliche Immuntherapie anschlägt. Eine Ultraschall-Untersuchung vor wenigen Tagen sorgt für Klarheit: Tatsächlich ist der Knoten in ihrer Brust bereits um über die Hälfte geschrumpft. Sie ist zuversichtlich, dass ihre Geschichte gut ausgeht. Und hat sich schon etwas für das Ende ihrer Therapie überlegt. „Wenn alles geschafft ist, fliege ich nach Mallorca. Dort, wo alles begonnen hat, soll es auch enden. Ich möchte dort dann mit diesem Kapitel abschließen“, sagt die junge Frau. Für sie ist die Erkrankung nur eins von vielen Kapiteln in ihrem Leben. Es sollen noch viele schöne, glückliche und erfüllende Kapitel folgen.

 

Brustkrebsinformationstag am 7. November
Die Fortschritte in der Medizin eröffnen Betroffenen heute vielfältige und schonendere Therapieoptionen. Am Brustkrebsinformationstag am 7. November 2026 informieren Expertinnen und Experten über die neuesten Entwicklungen in Diagnostik und Behandlung. Themen sind unter anderem neue medikamentöse Therapien und personalisierte Behandlungsansätze, operative Möglichkeiten – von brusterhaltenden Eingriffen bis zur Rekonstruktion, Nachsorge, Ernährung und Bewegung während und nach der Therapie sowie psychosoziale Unterstützung und der Umgang mit der Diagnose.

Der Informationstag findet zwischen 10 und 16 Uhr im Universitätsklinikum Minden statt und wird gemeinsam mit dem Verein Brustkrebshilfe OWL organisiert. Das Programm richtet sich an Betroffene, Angehörige und Interessierte. Zwischen den Vorträgen gibt es mehrfach die Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zum Besuch einer Ausstellung. Der Brustkrebsinformationstag wird von folgenden Sponsoren unterstützt: Bäckerei Bertermann, AstraZeneca, Daiichi-Sankyo, Gilead und Abbott.

Die Veranstaltung ist kostenfrei und eine Anmeldung nicht erforderlich. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.muehlenkreiskliniken.de

 

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