Die Universitätsmedizin am Johannes Wesling Klinikum (JWK) erhält eine wichtige personelle Verstärkung und zugleich Kontinuität in einem zentralen medizinischen Fachgebiet: Privatdozent Dr. Gerrit Jansen erhält den Ruf auf die W3-Professur für Notfallmedizin am Medizincampus OWL der Ruhr-Universität Bochum. Mit der Professur übernimmt er zugleich dauerhaft die Leitung der Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin am Universitätsklinikum Minden und ihren Standorten in Bad Oeynhausen. Das hat der Verwaltungsrat der Mühlenkreiskliniken in der jüngsten Sitzung beschlossen. Jansen hatte die Klinik bereits seit dem Frühjahr 2025 kommissarisch geführt.
„Mit Gerrit Jansen gewinnen wir für diese herausgehobene Position einen Mediziner und Wissenschaftler, der unser Haus, unsere Strukturen und vor allem die Menschen hier sehr gut kennt“, sagt Dr. Olaf Bornemeier, Vorstandsvorsitzender der Mühlenkreiskliniken. „Die W3-Professur für Notfallmedizin besitzt für die weitere Entwicklung unserer Universitätsmedizin eine große Bedeutung. Dass wir diese Position mit einem ausgewiesenen Experten aus den eigenen Reihen besetzen können, ist ein starkes Signal für den Medizin- und Wissenschaftsstandort Minden.“
Die Neubesetzung steht zugleich vor einem besonderen Hintergrund. Jansens Vorgänger, Universitätsprofessor Dr. Jochen Hinkelbein, war im März 2025 im Alter von nur 51 Jahren bei einem tragischen Flugzeugunglück ums Leben gekommen. Seit Januar 2023 hatte Hinkelbein die Universitätsklinik geleitet und die mit der Klinikdirektion verbundene W3-Professur für Notfallmedizin inne. Sein plötzlicher Tod hatte Mitarbeitende, Wegbegleiter und die medizinische Fachwelt weit über Minden hinaus erschüttert. „Jochen Hinkelbein hat in seiner viel zu kurzen Zeit bei uns wichtige Impulse gesetzt und Spuren hinterlassen, die bleiben werden“, betont Bornemeier. „Die Neubesetzung dieser Position ist deshalb für uns auch emotional etwas Besonderes. Gerrit Jansen hat damals als Geschäftsführender Oberarzt in einer außerordentlich schwierigen Situation Verantwortung übernommen und der Klinik Stabilität gegeben. Dafür sind wir ihm sehr dankbar. Nun freuen wir uns darauf, gemeinsam mit ihm das nächste Kapitel der Universitätsmedizin in Minden aufzuschlagen.“
Der künftige Universitätsprofessor Dr. Gerrit Jansen ist seit 2023 am Johannes Wesling Klinikum tätig und verfügt über eine breite klinische und wissenschaftliche Expertise. Als Facharzt für Anästhesiologie mit den Zusatzqualifikationen Intensivmedizin, Notfallmedizin sowie Klinische Akut- und Notfallmedizin verbindet er die verschiedenen Bereiche der Klinik in besonderer Weise. Wissenschaftlich beschäftigt er sich intensiv mit Fragen der präklinischen und klinischen Notfallmedizin. Dazu gehören unter anderem die Versorgung von Patientinnen und Patienten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand, Atemwegsmanagement und Beatmung sowie die Weiterentwicklung notfallmedizinischer Versorgungsstrukturen.
Dr. Ansgar Hörtemöller, Geschäftsführender Direktor der Mühlenkreiskliniken, sieht in der Berufung zugleich eine wichtige Entscheidung für die klinische Weiterentwicklung: „Die Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin ist ein zentraler Bestandteil eines Hauses der Maximalversorgung. Jansen und seine Kliniken organisieren und verantworten in weiten Teilen den OP, die Intensivversorgung und natürlich die Notfallversorgung. Gerrit Jansen kennt diese Schnittstellen sehr genau und steht für eine ausgeprägt interdisziplinäre Zusammenarbeit. Wir freuen uns, dass wir mit ihm langfristig planen und die Klinik gemeinsam weiterentwickeln können.“
Eine besondere Rolle kommt der Professur in der Verbindung von Patientenversorgung, Forschung und Lehre zu. Die W3-Professur für Notfallmedizin bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar mit der klinischen Praxis zu verknüpfen und gleichzeitig die Ausbildung angehender Ärztinnen und Ärzte weiter auszubauen. Das Johannes Wesling Klinikum stärkt damit seine Position als universitärer Medizinstandort.
Für PD Dr. Gerrit Jansen ist die Berufung deshalb sowohl Anerkennung als auch Auftrag: „Ich freue mich sehr über das Vertrauen, das mit dieser Berufung verbunden ist. Wir haben in Minden ein hoch engagiertes Team und hervorragende Voraussetzungen, um klinische Versorgung, Forschung und Lehre eng miteinander zu verbinden. Gerade die Notfallmedizin lebt davon, wissenschaftliche Erkenntnisse schnell in die Versorgung zu übertragen und gleichzeitig Erfahrungen aus der täglichen Praxis zum Ausgangspunkt neuer Forschungsfragen zu machen. Hierfür haben wir in den vergangenen Jahren eine standortübergreifende und überregionale Forschungsgruppe aufgebaut, aus der bereits viele wegweisende Publikationen veröffentlicht worden sind, die in der Fachwelt große Beachtung gefunden haben und auf deren Grundlage die medizinischen Leitlinien der Notfallmedizin weiterentwickelt wurden.“
Dabei blickt Jansen auch auf die besondere Situation der vergangenen Monate zurück: „Die Zeit nach dem plötzlichen Tod von meinem Freund und Mentor Jochen Hinkelbein war für viele von uns persönlich sehr schwer. Ich habe die Verantwortung damals in einer Situation übernommen, die sich niemand von uns gewünscht hat und bin sehr dankbar für das tolle Team an meiner Seite. Mir ist wichtig, das, was aufgebaut wurde, wertzuschätzen und gleichzeitig gemeinsam mit unserem Team eigene Schwerpunkte zu setzen und die Klinik weiterzuentwickeln.“
Zu diesen Schwerpunkten sollen neben der Weiterentwicklung der klinischen Versorgung insbesondere die notfallmedizinische Forschung, die interprofessionelle Aus- und Weiterbildung sowie die Zusammenarbeit mit Rettungsdiensten und anderen Partnern in der Region gehören. Auch die universitäre Lehre soll weiter gestärkt werden. „Notfallmedizin beginnt nicht erst an der Tür des Krankenhauses und endet nicht in der Notaufnahme“, sagt Jansen. „Entscheidend ist eine durchgängige Versorgungskette – vom Ersthelfenden, über den Rettungsdienst und die Notaufnahme bis hin zur Intensivstation oder weiteren spezialisierten Behandlung. Diese Schnittstellen wissenschaftlich zu untersuchen und gemeinsam mit unseren Partnern weiterzuentwickeln, ist eine Aufgabe, auf die ich mich sehr freue.“
