Krebsbehandlungen werden immer komplexer. Umso wichtiger ist die enge Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachrichtungen. Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt das Viszeralonkologische Zentrum Minden (VZM). Das von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierte Netzwerk hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der zentralen Anlaufpunkte für die Behandlung von Krebserkrankungen des Bauchraums in der Region zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen entwickelt – mit nachweislich überdurchschnittlichen Behandlungsergebnissen.
Zertifizierte Krebszentren gelten bundesweit als Qualitätsstandard in der Onkologie. Sie bündeln die Expertise von Kliniken, Facharztpraxen und weiteren spezialisierten Einrichtungen. Studien zeigen, dass Patientinnen und Patienten, die in solchen Strukturen behandelt werden, häufig bessere Behandlungsergebnisse und höhere Überlebenschancen haben als außerhalb zertifizierter Zentren.
Das Viszeralonkologische Zentrum Minden hat sich auf die Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen des Verdauungstraktes spezialisiert. Behandelt werden unter anderem Darm-, Magen-, Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Von der Früherkennung über Operationen und medikamentöse Therapien bis zur Nachsorge begleitet das Netzwerk die Betroffenen entlang der gesamten Behandlungskette.
„Die hohe Qualität unserer Versorgung ist kein Verdienst einzelner Personen. Sie entsteht durch das Zusammenspiel vieler Partner, die ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Verantwortung täglich in dieses Netzwerk einbringen“, sagt Professor Dr. Berthold Gerdes, Leiter des Viszeralonkologischen Zentrums und Direktor der Klinik für
Viszeral-, Thorax- und Endokrine Chirurgie am Universitätsklinikum Minden. „Die enge Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in der Region ist dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor.“
Zum Netzwerk gehören neben den Kliniken des Universitätsklinikums Minden zahlreiche Partner aus der Region, darunter Krankenhäuser in Bad Oeynhausen, Lübbecke sowie Schaumburg, onkologische und gastroenterologische Facharztpraxen, radiologische Einrichtungen, Strahlentherapeuten, Rehabilitationskliniken und weitere spezialisierte Versorgungseinrichtungen. Gemeinsam entwickeln die Expertinnen und Experten individuelle Behandlungskonzepte für ihre Patientinnen und Patienten.
Das Fundament für die heutige Struktur wurde bereits 2011 mit der Zertifizierung des Darmkrebszentrums Minden gelegt. Es folgten das Pankreaszentrum im Jahr 2012 sowie die Zentren für Magen- und Speiseröhrenkrebs in den Jahren 2017 und 2019. Aus diesen Einzelzentren entstand schließlich das Viszeralonkologische Zentrum Minden. Ein Kernelement der Zusammenarbeit ist die wöchentliche interdisziplinäre Tumorkonferenz. Dort werden sämtliche Erkrankungsfälle gemeinsam besprochen und individuelle Therapieempfehlungen entwickelt. Regelmäßige Audits und Qualitätsprüfungen durch die Deutsche Krebsgesellschaft stellen sicher, dass die hohen Anforderungen dauerhaft erfüllt werden.
„Wir freuen uns, dass das Konzept der Zentrenbildung bei komplexen Krebserkrankungen auch in unserer Region aufgegangen ist“, sagt Professor Dr. Carsten Gartung, stellvertretender Leiter des Zentrums und Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektionskrankheiten am Universitätsklinikum Minden. „Unsere Qualitätsberichte zeigen deutlich überdurchschnittliche Überlebensraten und sehr gute Ergebnisse in der Tumortherapie.“
Auch für die Zukunft sieht sich das Zentrum gut aufgestellt. Derzeit befindet sich ein Leberzentrum im Aufbau. Gleichzeitig gewinnen moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz in Diagnostik und Bildgebung, robotergestützte Chirurgie sowie individualisierte Krebstherapien zunehmend an Bedeutung.
Ein weiterer Meilenstein folgte 2024: Das Viszeralonkologische Zentrum schloss sich mit weiteren zertifizierten Krebszentren des Johannes Wesling Klinikums Minden zum Cancer Center Minden (CCM) zusammen. Damit entstand eine übergeordnete Struktur für die Behandlung zahlreicher Tumorerkrankungen.
„Genau der Aufbau solch komplexer Strukturen zur Weiterentwicklung der Krebsbehandlung auf höchstem Niveau ist Aufgabe unseres Universitätsklinikums“, betont Universitätsprofessor Dr. Ralf Gutzmer, Leiter des Cancer Center Minden. „Unser Ziel ist es, die Krebsmedizin in der Region kontinuierlich weiterzuentwickeln und den Patientinnen und Patienten Zugang zu modernsten Behandlungsmöglichkeiten zu bieten.“
Im Rahmen einer Festveranstaltung würdigte das Viszeralonkologische Zentrum jetzt die langjährige Zusammenarbeit mit seinen Kooperationspartnern. Professor Gerdes und Professor Gartung überreichten den beteiligten Einrichtungen Urkunden als Zeichen der Anerkennung. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von dem Chirurgen Dr. Florian Ludwig.
„Die Urkunde steht symbolisch für das, was das Zentrum seit mehr als einem Jahrzehnt prägt: eine vertrauensvolle und sektorenübergreifende Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen Ziel – die bestmögliche Versorgung von Menschen mit Krebs in der Region“, sagen Professor Gartung und Professor Gerdes.
