Sie sind mehr als Wolle. Mehr als ein Accessoire. Sie sind ein Zeichen für Solidarität, Mut, Hoffnung und Aufklärung. 203 pinke Schals schmücken seit dieser Woche Bäume an vier Stellen in Minden: vor dem Universitätsklinikum Minden, in der Innenstadt, an der Portastraße und an der Weser. Jeder einzelne ist von Hand gefertigt. Und jeder einzelne soll eine Krankheit sichtbar machen, an der in Deutschland jedes Jahr rund 75.000 Frauen erkranken: Brustkrebs. Anlässlich des Brustkrebsmonats Oktober gibt es die „Pinken Alleen“ damit zum ersten Mal in dieser Größenordnung auch in Minden.
Die Idee dazu hatte Sabine Mirbach. Sie weiß selbst, was die Diagnose bedeutet und wie sie das Leben plötzlich auf den Kopf stellt: 2015 erkrankte sie mit 44 Jahren an Brustkrebs. Seitdem setzt sie sich mit großem Engagement und viel Herzblut dafür ein, dem Thema eine Stimme und ein Gesicht zu geben. Ihre Aktionen reichen von pinken Schals über Porträtprojekte bis zu den „Sorgenwürmern“, kleinen gehäkelten Figuren, die Brustkrebspatientinnen Mut machen sollen. Die Pinken Alleen entwickelte sie nach dem Vorbild einer Aktion aus Südafrika und bringt den Pinken Oktober damit seit mehreren Jahren in Ostwestfalen-Lippe auf die Straßen. „Ich möchte nicht, dass Brustkrebs nur dann zum Thema wird, wenn jemand selbst betroffen ist. Wir müssen vorher darüber sprechen. Über Vorsorge und über Ängste. Und auch darüber, dass nach einer Diagnose das Leben weitergeht“, sagt die Initiatorin.
Drei Monate lang wurde gestrickt und gehäkelt: von Mitarbeitenden der verschiedenen Standorte der Mühlenkreiskliniken, von Patientinnen, Genesenen und Angehörigen sowie von engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Ein besonderer Dank gilt der Brustkrebshilfe OWL e.V., dem Landfrauenverband Minden-Lübbecke, dem Landfrauenverband Sachsenhagen und dem Alsweder Stricktreff, die besonders viele Schals gestrickt haben.
„Ich hatte gehofft, dass viele mitmachen. Aber dass wir am Ende 203 Schals aufhängen können, hat mich selbst überwältigt“, sagt Julia Wordell, Funktionsoberärztin im Brustzentrum Minden-Herford. „Hinter jedem Schal stecken Zeit, Liebe und die Bereitschaft, sich mit dem Thema Brustkrebs auseinanderzusetzen.“
Die Schals stehen für Frauen, die gerade erst die Diagnose erhalten haben, für Frauen mitten in der Therapie und für Frauen, die die Erkrankung hinter sich gelassen haben. Und sie stehen für Hoffnung: Brustkrebs ist häufig, aber in vielen Fällen gut behandelbar. Das zertifizierte Brustzentrum Minden-Herford versorgt jährlich mehr als 400 an Brustkrebs erkrankte Frauen aus Ostwestfalen-Lippe und Niedersachsen. Hinzu kommen nahezu 700 Patientinnen in der Brustsprechstunde.
„Wenn eine Frau hierherkommt, bringt sie nicht nur eine medizinische Diagnose mit. Sie kommt auch mit einem Rucksack voller Ängste und Sorgen zu uns“, sagt der geschäftsführende Oberarzt Willibroad Che Chi, Koordinator des Brustzentrums.
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. „Früherkennung kann Leben retten. Man sollte die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und Veränderungen an der Brust immer ernst nehmen“, sagt Universitätsprofessor Dr. Philipp Soergel, Direktor der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Minden.
Die Schals bleiben bis nach dem 7. November hängen, denn die pinken Bäume sollen auch als Wegweiser dienen: Am Samstag, 7. November, lädt die Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe zum Brustkrebsinformationstag ins Universitätsklinikum Minden ein. Auf dem Programm stehen unter anderem moderne Diagnostik und Therapie, Operation, Nachsorge, Ernährung, Bewegung und psychosoziale Unterstützung. Auch der persönliche Austausch spielt eine wichtige Rolle. Organisiert wird der Tag gemeinsam mit der Brustkrebshilfe OWL e.V., die dort ihre Arbeit vorstellt. Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
