Rund 150 Patientinnen und Patienten sowie Angehörige aus ganz Deutschland kamen zum 23. überregionalen Neuroendokrinen Tumortag in Ostwestfalen-Lippe zusammen. Die Veranstaltung des Netzwerks Neuroendokrine Tumoren (NeT) e. V. bot Einblicke in moderne Behandlungsmöglichkeiten und Gelegenheit zum direkten Austausch mit Expertinnen und Experten. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Privatdozentin Dr. Nehara Begum, Leiterin der Sektion Neuroendokrine Neoplasien am ENETS-Zentrum am Universitätsklinikum Minden.
Neuroendokrine Tumoren sind seltene Krebserkrankungen, die unterschiedliche Organe betreffen können. Ihre Behandlung erfordert häufig die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. Das Team des Zentrums für Neuroendokrine Neoplasien am Universitätsklinikum Minden stellte aktuelle Entwicklungen aus Chirurgie, Endoskopie, Radiologie und Strahlentherapie vor.
Besonders großes Interesse fanden die Vorträge von Dr. Jan-Robert Kröger und Dottore Michele Sorleto. Anschauliche Bilder und Videos zeigten moderne Verfahren wie die Mikrowellenablation und die transarterielle Chemoembolisation (TACE) sowie innovative endoskopische Techniken, darunter die Submukosadissektion und die Vollwandresektion. Auch aktuelle Entwicklungen in der Computertomografie und bei chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten standen auf dem Programm.
Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden in Workshops einzelne Themen vertiefen. Besonders gefragt war die Arbeitsgruppe zur Leberchirurgie von Professor Dr. Sven Arke Lang mit rund 50 Teilnehmenden. Die Veranstaltung bot zugleich viel Raum für individuelle Fragen und den persönlichen Austausch.
„Bei der Behandlung neuroendokriner Tumoren kommt es entscheidend darauf an, die unterschiedlichen fachlichen Perspektiven zusammenzubringen und die Therapie individuell auf die Patientinnen und Patienten abzustimmen. Genauso wichtig ist es, Betroffene gut zu informieren und ihre Fragen ernst zu nehmen. Der große Zuspruch zeigt, wie wertvoll dieser direkte Austausch ist“, sagt Begum.
Ein Höhepunkt war die Verleihung des GLORINET-Preises 2026 an Professor Dr. Markus Essler, Nuklearmediziner aus Bonn. Privatdozentin Dr. Nehara Begum selbst hatte die Auszeichnung im Vorjahr erhalten.
Spezialisiertes Zentrum für seltene Tumorerkrankungen: Gemeinsam mit Professor Dr. Berthold Gerdes hat Privatdozentin Dr. Begum das Zentrum für Neuroendokrine Neoplasien am Universitätsklinikum Minden gegründet. Im Frühjahr 2025 wurde es von der European Neuroendocrine Tumor Society (ENETS) als spezialisiertes Behandlungszentrum zertifiziert. Deutschlandweit gibt es derzeit 16 solcher ENETS-zertifizierten Zentren. Sie bündeln die Expertise verschiedener Fachrichtungen, um Patientinnen und Patienten mit diesen seltenen Tumorerkrankungen eine spezialisierte, individuell abgestimmte Versorgung zu ermöglichen.
