Am Universitätsklinikum Minden ist erstmals ein neuartiges, dreifach-spezifisches Antikörpertherapieverfahren zur Behandlung schwerer rheumatologischer Systemerkrankungen in einer ersten klinischen Studie eingesetzt worden. Die ersten Patientinnen und Patienten mit schweren Krankheitsverläufen wurden im Rahmen der experimentell-klinischen Studie des amerikanischen Unternehmens OBLENIO behandelt – ein bedeutender Meilenstein in der Entwicklung innovativer Immuntherapien.
Die Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie wurde aufgrund ihrer international anerkannten Expertise und langjährigen Erfahrung auf dem Gebiet der Immuntherapie als ein Studienstandort für die Anwendung des neuartigen Therapiekonzept ausgewählt und hat in dieser Studie weltweit die ersten Patientinnen und Patienten behandelt. Damit setzt das Universitätsklinikum Minden Maßstäbe in der Rheumatologie.
Das innovative Therapieprinzip basiert auf einem dreifach-spezifischen Antikörper: Während gleichzeitig zwei krankheitsrelevante Signalwege des Immunsystems gezielt und nachhaltig blockiert werden, aktiviert ein dritter Wirkmechanismus gezielt Immunzellen, um krankheitsverursachende Zellen zu erkennen und zu eliminieren. Ziel ist es, die fehlgeleitete Immunreaktion nicht nur zu kontrollieren, sondern ursächlich zu durchbrechen.
„Immuntherapien haben großes Potenzial in der Behandlung rheumatologischer Erkrankungen. Die bisherigen Therapieprinzipien hatten bislang das Ziel, rheumatologische Symptome zu lindern, bestenfalls temporär zu unterdrücken. Wir sind noch ganz am Anfang der Studie, aber sollten die Ergebnisse dieser Studie positiv ausfallen, könnte dies einen Durchbruch in der Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie Rheuma bedeuten und Patientinnen und Patienten eine neue Behandlungsoption geben, die an der Ursache der Erkrankung ansetzt“, erklärt Professor Dr. Gunter Aßmann, Direktor der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie am Johannes Wesling Klinikum Minden die Bedeutung der Studie.
Der Geschäftsführende Direktor des Universitätsklinikums Minden, Dr. Ansgar Hörtemöller, freut sich, dass Minden zu einem Mittelpunkt der rheumatologischen Forschung geworden ist: „Dass diese hochinnovative Therapie erstmals am Universitätsklinikum Minden zum Einsatz kommt, ist eine außergewöhnliche Auszeichnung für unser Haus. Sie unterstreicht die hohe wissenschaftliche und klinische Kompetenz unserer Teams sowie die enge Verzahnung von universitärer Spitzenforschung und exzellenter Patientenversorgung. Solche Innovationen entstehen nur an Standorten, die international Vertrauen genießen – und sie geben Patientinnen und Patienten Zugang zu Therapien, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären.“
Die ersten Patientinnen und Patienten wurden in der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie des Johannes Wesling Klinikums behandelt. Im Rahmen der Studie werden die diese nun weiterhin engmaschig medizinisch überwacht.
Nach diesem weltweit ersten Einsatz sollen weitere ausgewählte Patientinnen und Patienten am Universitätsklinikum Minden sowie am Universitätsklinikum Erlangen, wo der leitende Prüfarzt der Studie Prof. Dr. Ricardo Grieshaber-Bouyer ansässig ist, behandelt werden. Anschließend ist die Ausweitung der Studie auf weitere Zentren weltweit vorgesehen. Für Menschen mit schweren rheumatologischen Systemerkrankungen eröffnet sich damit eine vielversprechende neue Perspektive.
