Die Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Minden hat im vergangenen Jahr einen besonderen Meilenstein erreicht: Erstmals wurde die 400. Katheterablation im Jahr durchgeführt. Damit gehört die Rhythmologie in Minden inzwischen zu den leistungsstarken Zentren für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen in der Region – mit stark wachsender Bedeutung für Patientinnen und Patienten weit über den Kreis hinaus.
„Als ich vor fast 14 Jahren hier angefangen habe, gab es am Standort noch keine eigene Rhythmologie“, erinnert sich Professor Dr. Marcus Wiemer, Direktor der Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin. „Der Weg von den ersten Ablationen in Kooperation mit externen Kollegen bis zu einem hochspezialisierten, eigenen Team mit modernster Technik war lang – und er ist vor allem das Ergebnis hervorragender Teamarbeit.“
Ein wichtiger Schritt war der Aufbau eines zweiten Herzkatheterlabors (HKL) sowie die systematische Entwicklung der elektrophysiologischen Expertise. Maßgeblich geprägt wurde dieser Aufbau unter anderem durch Dr. Blerim Luani, der die Rhythmologie in Minden über Jahre hinweg entwickelte und heute Chefarzt in Ingolstadt ist. Dr. Klaus-Jürgen Gutleben, der seit etwa zweieinhalb Jahren als Sektionsleiter die Rhythmologie führt, hat die Aufbauarbeit des Bereichs konsequent weitergeführt und sowohl fachlich als auch quantitativ weiterentwickelt.
„Durch sehr gute Organisation, hohe fachliche Spezialisierung und vor allem ein exzellentes Pflege- und Assistenzteam im Herzkatheterlabor konnten wir die Zahl der Ablationen auf 400 pro Jahr steigern – bei gleichzeitig weiter verbesserter Versorgungsqualität“, so Dr. Gutleben. „Und wir sehen, dass der Bedarf weiter wächst.“
Bereits im April 2026 wird das Team durch Dr. Martin Braun aus dem Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ) verstärkt, einen weiteren ausgewiesenen Experten der Elektrophysiologie.
Die elektrophysiologische Untersuchung (EPU) bildet dabei die Grundlage der modernen Rhythmologie. Sie dient dazu, Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern, Herzrasen oder gefährlich langsame Herzrhythmen exakt zu diagnostizieren und gezielt zu behandeln. Über feine Katheter werden elektrische Signale im Herzen gemessen, Rhythmusstörungen gezielt ausgelöst und analysiert – und bei Bedarf unmittelbar therapiert. Bei der Ablation werden die verantwortlichen Gewebeareale millimetergenau verödet, sodass sie den normalen Herzrhythmus nicht mehr stören.
Dabei kommen am Universitätsklinikum Minden alle modernen Ablationsverfahren wie die Radiofrequenz- und Cryoablation und seit über einem Jahr auch die Pulsed Field Ablation zum Einsatz. Bei den zuletzt genannten Verfahren handelt es sich im Gegensatz zu den traditionellen Ablationsverfahren um nicht-thermische Ablationsverfahren bei denen nicht Hitze (Radiofrequenzablation) oder Kälte (Cryoablation) sondern hochenergetische elektrische Impulse zu einer gezielten Verödung durch Elektroporation führen. Wissenschaftliche Daten weisen darauf hin, dass diese Verfahren sehr spezifisch auf das Herz wirken und umliegende Gewebe geschont werden.
„Für viele Patientinnen und Patienten bedeutet das einen echten Gewinn an Lebensqualität“, betont Klinikdirektor Professor Dr. Marcus Wiemer. „Dass wir dieses Niveau heute in Minden anbieten können, ist das Ergebnis eines großen gemeinsamen Engagements – von Ärztinnen und Ärzten, Pflege, Technik, Verwaltung und vielen Unterstützern im Hintergrund.“
Infobox: Wann leide ich an Herzrhythmusstörungen
Herzrhythmusstörungen können sich sehr unterschiedlich bemerkbar machen. Manche Betroffene spüren ein Herzstolpern oder einen unregelmäßigen Herzschlag, als würde das Herz kurz aussetzen und dann wieder einsetzen. Häufig stecken sogenannte Extraschläge dahinter, die auch bei gesunden Menschen vorkommen können. Werden diese jedoch häufig wahrgenommen sollten sie ärztlich abgeklärt werden.
Andere Menschen bemerken ein plötzliches Herzrasen oder starkes Herzklopfen, das ohne körperliche Anstrengung auftritt. Dies geht oft mit innerer Unruhe, Nervosität oder Angst einher und kann von Schwindel, Kurzatmigkeit oder Brustschmerzen begleitet werden. Bei sehr schnellem Herzschlag kann es in seltenen Fällen auch zu Benommenheit oder Bewusstlosigkeit kommen. Solche Anfälle sollten immer medizinisch untersucht werden. Ein zu langsamer Herzschlag macht sich häufig durch Schwindel, Müdigkeit, Leistungsschwäche, Übelkeit, Kaltschweißigkeit oder Sehstörungen bemerkbar.
Grundsätzlich gilt: Wenn Herzstolpern, Herzrasen oder Schwindel wiederholt auftreten, zunehmen oder mit Beschwerden wie Brustschmerzen oder Bewusstlosigkeit verbunden sind, sollte dies ärztlich abgeklärt werden.
