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19.02.2020

Die ersten in OWL ausgebildeten Ärzte arbeiten in der Region

Neujahrsempfang der Mühlenkreiskliniken mit 300 Gästen

Der Staatssekretär und Pflegebeauftragte der Bundesregierung Andreas Westerfellhaus (links) war als Festredner beim Neujahrsempfang der Mühlenkreiskliniken zu Gast. Weitere Redner waren (von links) Landrat Dr. Ralf Niermann, der Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft kommunaler Großkrankenhäuser Dr. Matthias Bracht und der Vorstandsvorsitzende der Mühlenkreiskliniken Dr. Olaf Bornemeier.


Mehr als 300 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft sind zum traditionellen Neujahrsempfang der Mühlenkreiskliniken erschienen. Als Gastredner waren der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium und Pflegebeauftragter der Bundesregierung Andreas Westerfellhaus und der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft kommunaler Großkrankenhäuser (AKG) Dr. Matthias Bracht zu Gast. Im Zentrum ihrer Reden standen die aktuellen Entwicklungen in der Gesundheitsbranche. Das Schlusswort übernahm Landrat und Verwaltungsratsvorsitzender Dr. Ralf Niermann.

Zu Beginn wies der Vorstandsvorsitzende der Mühlenkreiskliniken in seiner Begrüßung auf einen großen Erfolg des kommunalen Klinikverbundes und des Medizin Campus OWL hin: „Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass Stand heute 15 Absolventinnen und Absolventen des Medizin Campus OWL in Krankenhäusern und Arztpraxen in der Region ihre sechsjährige Facharztausbildung begonnen haben. Damit bleibt ein Viertel des ersten Jahrgangs der Region vorerst treu: Ein hervorragendes Ergebnis und ein toller Lohn für alle an dem Projekt Beteiligten – insbesondere natürlich für die Dozenten und die Fachvertreter“, berichtet Dr. Olaf Bornemeier. Allein elf Absolventen arbeiten als Assistenzärztinnen und Assistenzärzte bei den Mühlenkreiskliniken. „Während bei uns der Klebeeffekt bereits wirkt, wird anderswo bisher nur über große Ziele gesprochen“, sagt Bornemeier. Gleichzeitig macht der Vorstandsvorsitzende auch deutlich, dass der Lehr- und Forschungsbetrieb am Medizin Campus OWL insbesondere durch den großen Einsatz aller Beteiligten möglich ist. „Was uns an Finanzmitteln für Lehre und Forschung fehlt, gleichen wir durch Begeisterung für die Sache wieder aus. Ich erinnere nur daran, dass beispielsweise dieses Lehrgebäude ausschließlich aus Eigenmitteln der Klinik und großzügigen Spenden finanziert wurde“, sagt Bornemeier.

Das vergangene Jahr beschrieb Dr. Bornemeier als „wirtschaftlich sehr herausfordernd“.  Überall in Deutschland gerieten immer mehr Krankenhäuser in wirtschaftliche Schwierigkeiten. „Gesetzliche Anforderungen und Kosten steigen, die Einnahmen stagnieren. Auf Dauer geht das nicht gut“, sagt Bornemeier. Auch die Mühlenkreiskliniken hätten diese Entwicklung im vergangenen Geschäftsjahr zu spüren bekommen. Das Konzernergebnis ist von 3,1 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 500.000 Euro im Jahr 2019 gesunken. „Wir sind damit einer der wenigen kommunalen Krankenhauskonzerne, der nicht defizitär ist“, sagt Dr. Bornemeier.

Eine wesentliche Aufgabe für 2020 sei die Anbindung des Krankenhauses Rahden an das Johannes Wesling Klinikum Minden. Seit Februar firmiert die Betriebsstätte Rahden unter dem Dach des Johannes Wesling Klinikums als „Krankenhaus Rahden“. „Die ersten Erfahrungen sind gut. Wie bei großen Änderungen üblich, hakt es an der einen oder anderen Stelle noch, aber ich bin überzeugt, dass das Modell erfolgreich sein wird“, so Bornemeier.

Auch in der Pflege-Ausbildung engagieren sich die Mühlenkreiskliniken im großen Umfang. Vor zehn Jahren wurde mit der Akademie der Gesundheitsberufe eine zentrale Ausbildungsstätte geschaffen, die alle Aus- und Weiterbildungsgänge bündelt. Mittlerweile lernen 500 junge Menschen an der Akademie einen von derzeit neun Ausbildungsberufen in der Gesundheitsbranche. „Damit ist die Akademie nach den öffentlichen Schulen die größte Bildungseinrichtung im Kreis Minden-Lübbecke“, sagt der Vorstandsvorsitzende.  Allein im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege habe man die Ausbildungskapazität um ein Drittel erhöht. Jährlich würden 140 Auszubildende neu aufgenommen.

Staatssekretär Andreas Westerfellhaus sprach in seinem Vortrag über aktuelle Herausforderung der Pflegepolitik. Über Jahre hinweg sei die Pflege vernachlässigt worden. „Als Pflegebevollmächtigter setze ich mich dafür ein, dass sich die Strukturen des Pflege- und Gesundheitssystems an den Belangen der zu Pflegenden ausrichten“, so Westerfellhaus. Hier seien alle Akteure gefordert: Krankenhausunternehmen, die Ausbildungsbetriebe, die Politik aber auch die Pflege selbst.
Den Personalmangel in der Pflege will Westerfellhaus durch mehr Ausbildung und bessere Arbeitsbedingungen mittel- und langfristig beheben. „Eine der größten Herausforderungen ist derzeit ganz klar der Fachkräftemangel. Der Gesetzgeber hat hier bereits mit vielen Maßnahmen, unter anderem dem Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz und der Konzertierte Aktion Pflege, den Weg bereitet, um Fachkräfte zu halten, neue zu finden und den Berufsalltag von Pflegekräften zu verbessern“, so Westerfellhaus.

Ein weiterer Festredner war Dr. Matthias Bracht, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft kommunaler Großkrankenhäuser e.V. Als Kenner der Krankenhauslandschaft im Mühlenkreis wies er auf die außerordentlichen Erfolge des Unternehmens in den vergangenen Jahren hin. „Mein Eindruck ist, dass in der Region zu wenig wahrgenommen wird, was für eine beeindruckende Erfolgsgeschichte die Mühlenkreiskliniken geschrieben haben.“ Dieser Erfolg so Bracht, müsse aber stets neu erarbeitet werden. Seinem Eindruck nach, könnten die Mühlenkreiskliniken derzeit nur an sich selbst scheitern. Die AKG, der Bracht vorsitzt, ist ein Interessenverbund von 24 Großkrankenhäusern und Krankenhausverbünden in Deutschland. 120.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter behandeln in AKG-Häusern mehr als 1,75 Millionen Patientinnen und Patienten. Auch die Mühlenkreiskliniken sind Mitglied in der AKG. Bracht kritisierte die ungesteuerte strukturverändernde Wirkung der aktuellen Gesetzgebung. „Berlin will die Überversorgung in einigen Gebieten der Republik abbauen.“ Doch statt hier endlich Mut zu beweisen und einen Kommunikations- und Planungsprozess zu beginnen, über die Frage, welche Versorgung wir wollen und welche Strukturen dafür notwendig wären, werde verantwortungslos in Kauf genommen, dass versorgungsrelevante Einheiten vom Netz verschwinden. „Einen Vorgeschmack darauf erleben wir gerade in Niedersachsen bei Thema intensivmedizinische Versorgung, wo es bereits für die Bevölkerung spürbarer wird, das Kapazitäten nicht mehr in dem Umfang zu Verfügung stehen.“

Landrat Dr. Ralf Niermann schlug in seinem Schlusswort einen Bogen von dem Beginn seiner Amtszeit als Landrat im Jahr 2007 bis heute. Nach dem Umzug ins Johannes Wesling Klinikum standen die Mühlenkreiskliniken kurz vor dem Kollaps. Das Defizit habe 2008 28,4 Millionen Euro betragen. „In einem für alle Beteiligten anstrengenden Kraftakt haben wir die Wende geschafft. Heute stehen die Mühlenkreiskliniken in öffentlicher Trägerschaft gut da und das ist der Verdienst aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, so Dr. Niermann. Der Konzern sei wirtschaftlich gesund und medizinisch gut für die Zukunft aufgestellt. 5.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiteten heute für das kommunale Klinikunternehmen – 1.000 mehr als zu seinem Amtsantritt. „Es kommt nicht von ungefähr, dass die Mühlenkreiskliniken mit dem Johannes Wesling Klinikum an der Spitze zusammen mit dem HDZ und dem Klinikum Herford das Ausschreibungsverfahren der Ruhr-Universität Bochum gegen harte Konkurrenz unter anderem aus Bielefeld gewonnen haben“, so Niermann. Der Kreis als Eigentümer der Mühlenkreiskliniken habe das Medizinstudium in OWL immer unterstützt – auch durch Geld. „Diese Investition war sehr sinnvoll, das sehen wir an den jungen Ärzten, die jetzt hier sind“, so Niermann. Neben der universitären Spitzenmedizin habe sich der Kreis auch immer zur wohnortnahen Grundversorgung bekannt. „Dass ein kommunaler Klinikverbund universitäre Maximalversorgung, Forschung, Lehre und Grund- und Regelversorgung in der Fläche miteinander verbindet, ist etwas ganz Besonderes. Darauf können alle Beteiligten – unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Vorstand, der Verwaltungsrat ebenso wie unsere Bürgerinnen und Bürger stolz sein“.