Drei Frauen für den Ernstfall

Die Arbeit in der Zentralen Notaufnahme im Krankenhaus Bad Oeynhausen

Slava Petkova (von links), Dr. Angelika Janitzky Akyol und Maria Anna Stahlhut arbeiten in der Zentralen Notaufnahme des Krankenhauses Bad Oeynhausen.

Die Notaufnahme, ein Ort, an dem alles gleichzeitig geschieht. Ein Mann hält sich die Brust. Hinter ihm schiebt der Rettungsdienst eine Patientin auf der Trage in Richtung Behandlungszimmer. Wenige Meter weiter spricht eine Ärztin mit Angehörigen. Es ist ein ganz normaler Vormittag in der Zentralen Notaufnahme des Krankenhauses Bad Oeynhausen. Normal bedeutet hier: nichts ist vorhersehbar.

Etwa 24.000 Patientinnen und Patienten suchen Jahr für Jahr die Notaufnahme im Krankenhaus Bad Oeynhausen auf. Manche kommen mit lebensbedrohlichen Erkrankungen, andere mit Verletzungen, starken Schmerzen oder der Sorge, dass etwas nicht stimmt. Innerhalb von Sekunden müssen Entscheidungen getroffen werden, die über den weiteren Verlauf einer Behandlung entscheiden.

An der Spitze dieses hochkomplexen Systems stehen drei Frauen: Maria Anna Stahlhut, Dr. Angelika Janitzky Akyol und Slava Petkova.

Maria Anna Stahlhut ist Fachärztin für Innere Medizin, Gastroenterologie, Klinische Akut- und Notfallmedizin. Seit 2023 ist die Fachärztin die Ärztliche Leitung der Zentralen Notaufnahme (ZNA) im Krankenhaus Bad Oeynhausen. Oberärztin Dr. Angelika Janitzky Akyol ist Fachärztin für Notfallmedizin und Oberärztin. Und Slava Petkova ist Fachärztin für Innere Medizin und Funktionsoberärztin. Die drei Ärztinnen haben drei unterschiedliche Fachbereiche – dadurch können sie sich gegenseitig unterstützen und interdisziplinär arbeiten.

„Wenn ein Patient durch diese Tür kommt, interessiert ihn nicht, welcher Fachabteilung wir angehören. Er möchte Hilfe. Und zwar schnell, kompetent und verständlich“, sagt die Ärztliche Leitung der ZNA.

Die Notaufnahme ist quasi die Schaltzentrale des Krankenhauses. Hier wird untersucht, priorisiert, diagnostiziert, stabilisiert und entschieden. Moderne Notfallmedizin lebt von Interdisziplinarität. Internist*innen, Chirurg*innen, Pflegefachpersonen und Rettungsdienst arbeiten eng verzahnt zusammen. Genau dieses Miteinander gilt heute als einer der wichtigsten Qualitätsfaktoren in der Akutversorgung.

In Bad Oeynhausen ist daraus eine besondere Kultur entstanden. „Wir diskutieren Fälle miteinander und auf Augenhöhe. Gerade die unterschiedlichen Blickwinkel machen uns stark“, betont Funktionsoberärztin Slava Petkova.

Die Internistin schaut auf Herz, Kreislauf und innere Erkrankungen. Die Chirurgin denkt an Verletzungen, Frakturen oder akute operative Eingriffe. Stahlhut behält den Gesamtüberblick. Aus diesen Perspektiven entsteht oft innerhalb weniger Minuten ein gemeinsamer Behandlungsplan.

Während draußen Patientinnen und Patienten eintreffen, laufen drinnen zahllose Prozesse gleichzeitig ab. Blutwerte werden analysiert. Computertomografien angefordert. Betten organisiert. Fachabteilungen informiert. Angehörige aufgeklärt.

„Die Notaufnahme ist nicht isoliert zu betrachten, die Verzahnung mit den Kliniken hier im Haus ist sehr wichtig“, betont Maria Anna Stahlhut, Ärztliche Leitung der ZNA.

Von außen wirkt vieles erstaunlich ruhig. „Die größte Herausforderung ist nicht die einzelne schwere Erkrankung. Die Herausforderung besteht darin, viele unterschiedliche Notfälle gleichzeitig zu koordinieren und dabei keinen Menschen aus dem Blick zu verlieren“, sagt Oberärztin Dr. Angelika Janitzky Akyol.

Tatsächlich ist die Notaufnahme einer der wenigen Orte im Krankenhaus, an denen sich medizinische Akutversorgung und zwischenmenschliche Begleitung permanent überlagern. Ärztinnen und Ärzte können innerhalb einer Stunde einen Herzinfarkt diagnostizieren, eine Platzwunde versorgen, Angehörige über einen Schlaganfall informieren und anschließend mit einer verunsicherten älteren Patientin sprechen, die vor allem Angst hat.

Genau deshalb spielt Kommunikation eine so große Rolle. „Menschen kommen oft in einer Ausnahmesituation zu uns. Sie haben Schmerzen, Sorgen oder Angst. Medizinische Qualität zeigt sich auch darin, wie wir mit ihnen sprechen“, erzählt Stahlhut.

Das gilt nicht nur für Patientinnen und Patienten. Auch Angehörige brauchen Orientierung. Sie warten auf Informationen. Auf Ergebnisse. Manchmal einfach auf ein beruhigendes Wort. Die Ärztinnen sehen darin keinen Zusatzauftrag, sondern einen wesentlichen Teil ihrer Arbeit.

„Die Atmosphäre hier in der Notaufnahme kann man schon als familiär beschreiben“, sagt Oberärztin Dr. Janitzky Akyol.

Natürlich gibt es stressige Tage. Tage, an denen jede Liege belegt ist. Tage, an denen Entscheidungen unter enormem Zeitdruck getroffen werden müssen. Dann ist das gesamte Team gefragt. Die Zusammenarbeit zwischen ärztlichem und pflegerischem Dienst sei dabei entscheidend – wie in einem Uhrwerk, in dem jedes Zahnrad ineinandergreifen müsse. „Nur so kann die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten auf hohem Niveau sichergestellt werden“, sagt Maria Anna Stahlhut.

„Die Zusammenarbeit mit der Pflege ist außergewöhnlich eng“, berichten die anderen beiden Ärztinnen.

Für die drei Fachärztinnen ist die Arbeit in der Notaufnahme sinnstiftend. Und natürlich auch herausfordernd, „aber genau darin liegt der Reiz. Jeder Tag ist anders und genau das macht das Arbeiten hier so spannend.“

Als akademisches Lehrkrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum ist das Krankenhaus Bad Oeynhausen mit 330 Betten der wissenschaftlich fundierten Medizin verpflichtet. Mehr als 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um das Wohl von jährlich rund 12.000 stationären und 18.500 ambulanten Patientinnen und Patienten. Mit den Fachabteilungen Allgemein- und Viszeralchirurgie inklusive der Sektion Gefäßchirurgie, Unfallchirurgie, Handchirurgie und Orthopädische Chirurgie, Frauenklinik, Gastroenterologie, Lungenheilkunde sowie allgemeine Innere Medizin sowie den Instituten für Anästhesie inklusive einer Multimodalen Schmerztherapie, Radiologie und Labor verfügt das Krankenhaus über ein breites medizinisches Spektrum.

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