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17.06.2019

Wenn Kummer krank macht

An der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin finden Patienten in Lebenskrisen Hilfe

Teambesprechung im „Cockpit“: Der Sozial- und Besprechungsraum ist das Herzstück der Organisation der Station. Von links: Jessica Sander (Gesundheits- und Krankenpflegerin), Bianca Tödtmann (Sozialarbeiterin), Andrea Neuhaus (Psychologische Psychotherapeutin), Oberärztin Dr. Angelika Böhm und Raziye Savas (Fachgesundheits- und Krankenpflegerin).


Was tun, wenn das Gefühl der Angst so groß ist, dass einem dauernd „das Herz bis zum Hals schlägt“, oder wenn einem die Sorgen „auf den Magen schlagen“? Wenn sich der Alltag anfühlt wie ein langer dunkler Wintertag und man sich ausgeliefert und erschöpft fühlt? An der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Medizinischen Zentrums für Seelische Gesundheit in Lübbecke finden Patienten Hilfe, die sich in einer Krise befinden. Das kann sich in seelischen Problemen wie Lustlosigkeit oder Vernachlässigung von sozialen Kontakten äußern. Das kann aber auch mit körperlichen Symptomen wie Schmerzen, Herzrasen oder Luftnot einhergehen.

In der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie wird der Mensch als Ganzes in den Blick genommen, als Einheit von Seele (griechisch: „psyche“) und Körper (griechisch: „soma“). Die Klinik ist Teil des Medizinischen Zentrums für Seelische Gesundheit und auf Station 3 Ost im Hauptgebäude des Krankenhauses Lübbecke beheimatet. 20 Betten stehen für die stationäre Betreuung der Patientinnen und Patienten zur Verfügung, die Aufenthaltsdauer beträgt zwischen vier und zehn Wochen. Der therapeutische Ansatz der Klinik zielt darauf ab, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. „Die Patientinnen und Patienten sollen die Erfahrung machen: ‚Ich bin nicht ausgeliefert. Ich habe Einfluss‘“, sagt  die Psychologische Psychotherapeutin Andrea Neuhaus.  Als Leitspruch hat sich die Universitätsklinik für Psychosomatik  deshalb auch ein Zitat des französischen Philosophen und Nobelpreisträgers Albert Camus gewählt: „Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt“, so die Psychotherapeutin.

Oberärztin der psychosomatischen Abteilung ist Dr. Angelika Böhm. Ihr Berufsziel als Medizinerin stand für die gebürtige Recklinghäuserin schon während der Schulzeit fest. Studium und Promotion absolvierte sie in Essen, mit Auslandssemestern in Sydney, Boston und Glasgow. Weitere Stationen waren unter anderem München, Bochum und Münster. Von 2012 an war sie als Fachärztin für Innere Medizin und für Arbeitsmedizin an einer Fachklinik für Psychosomatik in Laer tätig, wo sie neben ihrer Facharztausbildung für Psychosomatik auch eine Fortbildung für Psychosomatische Schmerztherapie absolvierte.  Als sie dort im April 2017 den Titel Fachärztin für Psychosomatik erwarb und im November 2017 die Stelle in Lübbecke antrat, schloss sich für die Medizinerin ein Kreis: „Damit kann ich jetzt genau das tun, was ich immer vor Augen hatte.“

Sie wird dabei von einem multiprofessionellen Team aus Ärzten, Therapeuten, Sozialarbeitern und Pflegekräften unterstützt, das ganz darauf ausgerichtet ist, den Patienten zum Experten seiner Erkrankung zu machen. „Wenn man es mit jemandem vergleicht, der sich ein Bein gebrochen hat, dann sind wir die Krücke, die ihm hilft, wieder festen Stand zu finden und seine ersten Schritte zu machen“, so beschreibt es Dr. Angelika Böhm. Das erfordert eine sehr individuelle, ganz auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Therapie, die biografische Faktoren ebenso mit einbezieht wie soziale Bezüge oder psychische Komponenten. Denn jeder Patient bringt eine andere, eigene Geschichte mit. Jeder steht unter anderen Belastungen – sei es in der Familie, sei es im Beruf oder anderswo. Und jeder reagiert anders darauf. „Es gibt kein Schema F“, betont Stationsleitung Susanne Fiedler.

Entsprechend breit gefächert ist das psychosomatische Behandlungsangebot, das in der Klinik zur Verfügung steht. Einzel- und Gruppenpsychotherapie gehören ebenso dazu wie Musik- und Physiotherapie, Schmerztherapien, Entspannungsverfahren und Sozialberatung. Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg ist die intensive Kommunikation, nicht nur zwischen Therapeut und Patient, sondern auch innerhalb des Klinikteams. Aber auch die therapeutische Gemeinschaft unter den Patienten, die in Doppelzimmern untergebracht sind, ist Teil des therapeutischen Konzepts: „Es hilft mir sehr zu sehen, dass auch andere Menschen vergleichbare Probleme haben. Das hilft mir, mein Selbstbild zurechtzurücken, das in Schieflage geraten ist“, so beschreibt es eine Patientin. „Hier hat jeder sein Päckchen zu tragen und kann nachvollziehen, wie es einem geht. Dieses Gemeinschaftsgefühl gibt einem Halt“, fügt sie hinzu.
 
Ein großer Vorteil der ortsnahen Behandlung im Krankenhaus Lübbecke ist, dass die Kontakte unter den Patienten häufig über den Aufenthalt hinaus andauern und den Übergang von der Therapie in „die Zeit danach“ positiv beeinflussen können. „Die meisten Patienten kommen aus dem Mühlenkreis. Da ist es sehr viel leichter, Kontakte aufrechtzuerhalten, als bei einer Reha in einer weit entfernten Fachklinik“, hebt Dr. Böhm hervor. Außerdem könnten die Patientinnen und Patienten hier noch während der Therapie neu erworbene Kompetenzen bei Ausflügen in ihr gewohntes Lebensumfeld erproben und sich so bereits auf die Rückkehr in den Alltag vorbereiten – etwa bei einem Arbeitsplatzbesuch oder bei einer Unternehmung mit der Familie.

Auch von der engen Zusammenarbeit mit der Psychiatrischen Abteilung des Zentrums für Seelische Gesundheit  und den somatischen Abteilungen am Krankenhaus Lübbecke  profitieren die Patienten sowie von Forschung und Lehre, die an der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Lübbecke stattfinden. Alles zusammen ermöglicht eine ganzheitliche Therapie, die dem Patienten die Chance bietet, eigene Ressourcen zu mobilisieren und aktiv den Prozess der Heilung in Gang zu setzen.

Wer Interesse an einer Behandlung in der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie hat, sollte in einem ersten Schritt seinen Hausarzt darauf ansprechen. Vor der stationären Aufnahme erfolgt jeweils zunächst ein für Patient und Therapeut orientierendes Vorgespräch, in dem das Problem beschrieben und Behandlungsziele festgelegt werden. Für das Vorgespräch ist eine ärztliche Überweisung erforderlich. Gesprächstermine können unter der Rufnummer 05741/353311 vereinbart werden.