Frühdefibrillation durch Smartphone-alarmierte Ersthelfende
Ein plötzlicher Kreislaufstillstand kann jeden treffen – zu Hause, bei der Arbeit oder unterwegs. Ohne schnelle Hilfe sinken die Überlebenschancen pro Minute um 10 %. Entscheidend ist daher, dass lebensrettende Maßnahmen so früh wie möglich beginnen.
Genau hier setzt die Smartphone‑basierte Ersthelfenden‑Alarmierung an. Sie hat das Ziel, freiwillige Helfende mit medizinischer Qualifikation per App zu alarmieren, sobald in ihrer Nähe ein Verdacht auf einen Kreislaufstillstand besteht. Über GPS werden die nächstgelegenen Ersthelfenden identifiziert, zusätzlich zum Rettungsdienst alarmiert und via App zum Einsatzort geleitet – oft schneller als der Rettungsdienst. Bis dieser eintrifft, führen sie die notwendigen medizinischen Maßnahmen durch. Die Mobilen Retter ergänzen damit die bestehende Rettungskette und helfen, das therapiefreie Intervall so kurz wie möglich zu halten.
Je schneller diese Maßnahmen einsetzen, desto größer sind die Überlebenschancen. Wenn Ersthelfende unmittelbar mit einer Herzdruckmassage beginnen und im besten Fall zusätzlich einen Automatisierten Externen Defibrillator (AED) einsetzen können, lässt sich die Prognose weiter verbessern.
Auf dieser Grundlage knüpft die Early‑Shock‑OWL‑Studie an: Sie untersucht, ob Smartphone‑alarmierte Ersthelfende wie Mobile Retter, ausgestattet mit AEDs, die Zeit bis zur ersten Rhythmusanalyse weiter verkürzen und damit die Überlebenschancen deutlich verbessern können.
Das Mobile-Retter-System pilotierte 2013 im Kreis Gütersloh und setzte damit einen wichtigen Impuls für die Smartphone-basierte Ersthelfenden-Alarmierung in Deutschland. Seitdem ist es fester Bestandteil der regionalen Rettungskette und ergänzt die bestehende Notfallversorgung durch die strukturierte Einbindung qualifizierter freiwilliger Ersthelfender.Der Kreis Gütersloh ist dabei nicht nur der Ursprung, sondern bis heute ein aktiver mit über 1.100 aktiven Mobilen Rettern und über 7.600 absolvierten Einsätzen. Durch seine frühe Implementierung des Systems, die enge Zusammenarbeit mit der Leitstelle und sein kontinuierliches Engagement für moderne Notfallversorgung schafft der Kreis ideale Voraussetzungen, um neue Technologien in die Praxis zu bringen.
Weitere Informationen zur Smartphone-basierten Ersthelfenden-Alarmierung gibt es auf der regionalen Website der Mobile Retter Gütersloh (https://portal.mobile-retter.org/regionen/kreis-guetersloh) und dem Kreis Gütersloh (https://www.kreis-guetersloh.de/).
In der Early-Shock-OWL-Studie ist geplant, ausgewählte Mobile Retter zusätzlich mit tragbaren AEDs auszustatten. So können sie nicht nur Herzdruckmassage durchführen, sondern auch frühzeitig eine Rhythmusanalyse vornehmen und bei Bedarf defibrillieren – und damit die Überlebenschancen weiter erhöhen.
Im Kreis Gütersloh wird untersucht, ob tragbare AEDs in den Händen von Smartphone-alarmiertenErsthelfenden den entscheidenden Unterschied machen können. Bisher erfolgt die Defibrillation häufig erst durch den Rettungsdienst– doch jede Minute ohne Defibrillation verringert die Chance auf ein Überleben ohne dauerhafte Hirnschäden. Unsere Studie vergleicht zwei Gruppen:
- Kontrollgruppe: Smartphone-alarmierte Ersthelfende leisten wie bisher Herzdruckmassage, bis der Rettungsdienst eintrifft. Dieser verwendet dann einen entsprechenden Defibrillator.
- Interventionsgruppe: Smartphone-alarmierte Ersthelfende erhalten im Vorfeld einen AED und können so bereits vor Eintreffen des Rettungsdienstes eine Rhythmusanalyse durchführen und – falls nötig – defibrillieren.
Unser Ziel: Wir wollen prüfen, ob die Ausrüstung von Smartphone-alarmierten Ersthelfenden mit AEDs eine frühere Rhythmusanalyse und Defibrillation bewirkt und damit potentiell geeignet ist, die Notfallversorgung in dieser Region nachhaltig zu verbessern.
- Technische Initialisierung und Systemanpassung
Für diese Studie wurden die App sowie die angebundenen Alarmsysteme gezielt technisch angepasst. Die Änderungen stellen sicher, dass im Notfall relevante Informationen zu Ersthelfenden und eingesetzten Geräten in die Alarmierung einfließen. Hierfür wurden sowohl die Abläufe innerhalb der App als auch im Hintergrundsystem überarbeitet und Funktionen für ein digitales Gerätemanagement integriert. - Ausgewählte Ersthelfende werden geschult
Freiwillige „Mobile Retter“ aus dem Kreis Gütersloh erhalten eine zusätzliche Schulung und Einweisung in die AEDs. Nach der Schulung bekommen sie einen tragbaren AEDgestellt, den sie im Alltag möglichst häufig bei sich tragen. An der grundsätzlichen Alarmierung von zwei Mobilen Rettern im Kreis Gütersloh und der weiteren rettungsdienstlichen Versorgung ändert sich dabei nichts. Der tragbare AED gilt als Ergänzung. - Alarmierung im Notfall
Bei einem Verdacht auf Kreislaufstillstand werden die nächstgelegenen Ersthelfenden von der Rettungsleitstelle per Smartphone-App alarmiert. Sie bestätigen, ob sie den AED mit sich führen und erhalten eine Navigation direkt zum Einsatzort. - Lebensrettende Maßnahmen
Die Ersthelfenden führen sofort die Herzdruckmassagedurch und setzen den AED ein, um bei Bedarf zu defibrillieren. Jede Sekunde zählt! - Datenauswertung
Alle Einsätze werden wie auch bisher dokumentiert und anonymisiert ausgewertet. So können wir nachweisen, ob die Zeit bis zur ersten Rhythmusanalyse und Defibrillation tatsächlich verkürzt wird – und ob sich die Überlebenschancen der Patient:innen verbessern.
Im Kreis Gütersloh registrierte Smartphone-alarmierte Ersthelfende der „Mobile Retter“ werden anhand verschiedener Kriterien wie z.B. Bereitschaft, einen mobilen AED im Rahmen der Early-Shock-OWL-Studie möglichst häufig mit sich zu führen, Aktivitätsstatus der letzten zwei Jahre, häufiger Aufenthaltsort in einem Kreislaufstillstand-Hotspot, ausgewählt. Nach Erklärung des Einverständnisses erhalten die Teilnehmenden:
- eine kostenlose AED-Schulungund –Einweisung
- einen tragbaren AED der Firma Zoll für den Einsatz im Falle einer Alarmierung und für die Dauer der Studie (vermutlich bis zu 6 Monate).
Voraussetzungen:
- Mindestalter: 18 Jahre
- registrierter aktiver Smartphone-basierter Ersthelfender des Systems „Mobile Retter“
- Bereitschaft zur Teilnahme an der Early-Shock-OWL-Studie sowie den AED möglichst oft im Alltag mitzuführen
Die durch die Zoll-Foundation geförderte Studie basiert auf den aktuellen Leitlinien des Europäischen Rats für Wiederbelebung (ERC) und wurde von der Ethikkommission der Ärztekammer Münster (Az. 2024-872-f-S) geprüft und genehmigt. Alle freiwillig Teilnehmenden werden umfassend geschult, und die AEDs nach jedem Einsatz gewartet, um die Sicherheit von Patient:innen und Helfenden zu gewährleisten. Weitere Informationen zur Zoll Foundation finden Sie unter https://www.zollfoundation.org, sowie zu Zoll Medical unter https://www.zoll.com/de-de
Die Daten werden anonymisiert erhoben und unterliegen strengen Datenschutzbestimmungen.
Was ist ein AED?
Ein Automatisierter Externer Defibrillator (AED) ist ein medizinisches Gerät, das den Herzrhythmus automatisch analysiert und bei Bedarf einen elektrischen Impuls abgibt, um das Herz wieder in einen normalen Rhythmus zu bringen. AEDs sind selbsterklärend und führen den Anwendenden per Sprachbefehl durch den Prozess – jeder kann sie bedienen!
Bin ich als Laie geeignet?
Die Studie richtet sich an freiwillige, geschulte Ersthelfende der „Mobile Retter“. Vor dem Einsatz erhalten sie eine spezielle AED-Schulung und werden im Bedarfsfall regelmäßig weitergebildet.
Wer bekommt einen AED?
Der AED wird an Freiwillige ausgegeben, die sich zur Studienteilnahme bereit erklären sowie bereit sind, den AED möglichst häufig mit sich zu führen. Sofern mehr Freiwillige zur Verfügung stehen als AED vorhanden sind, erfolgt die weitere Ausgabe anhand der Kriterien:
- Aktivitätsstatus der letzten zwei Jahre
- häufiger Aufenthaltsort in einem Kreislaufstillstand-Hotspot.
Ist die Teilnahme sicher?
Die AED sind für Laien konzipiert und empfehlen nur dann einen Schock, wenn dies medizinisch notwendig ist. Die Abgabe des Schocks erfolgt zur Sicherheit nicht automatisch, sondern durch Knopfdruck durch den Ersthelfenden. Zudem werden Sie nur zu sicheren Einsatzorten alarmiert.
Bin ich und der AED während der Einsätze versichert?
Ja, während der Einsätze als Mobiler Retter sind Sie, wie bislang auch versichert.
Was passiert mit dem AED?
Im Rahmen des Einweisungstermines bekommen Sie nach der Einweisung und Unterzeichnung des Leihvertrages einen AED ausgehändigt. Diesen sollten Sie möglichst häufig mit sich führen. Nach erfolgtem Einsatz des AED wird dieser vom Rettungsdienst entgegengenommen, gewartet und ihnen wieder zur Verfügung gestellt. Nach Abschluss der Studie ist der AED zurückzugeben.
Was passiert mit meinen Daten?
Alle Daten werden anonymisiert und streng vertraulich behandelt. Rückschlüsse auf sensible Daten der Ersthelfenden sind nicht möglich. Die Studie wurde von der Ethikkommission der Ärztekammer Münster geprüft und genehmigt (Az. 2024-872-f-S).
Was passiert mit dem AED?
Nach Nutzung im Einsatz wird der AED durch den Rettungsdienst des Kreises Gütersloh ausgelesen, gewartet und im Anschluss wieder den Helfenden zur Verfügung gestellt. Nach Beendigung der Studie muss der AED wieder an das Studienzentrum zurück gegeben werden. Hierzu wird zwischen dem freiwilligen Mobilen Retter und dem Studienzentrum ein entsprechender Vertrag für die Dauer der Studie geschlossen.
Gemeinsam die Reanimationsversorgung verbessern und Leben retten
Die Early-Shock-OWL-Studie ist ein wichtiger Schritt, um die Notfallversorgung in unserer Region zu revolutionieren.
Wir freuen uns, dass Sie ein Teil davon sein wollen!

Priv.-Doz. Dr.
Gerrit Jansen, MHBA
Kommissarischer Klinikdirektor
Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Klinische Akut- und Notfallmedizin
Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin
Telefon: 05 71 / 7 90-5 44 14
E-Mail: gerrit.jansen[at]muehlenkreiskliniken[dot]de
