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06.04.2020

Gefahrlose Geburt in der Corona-Krise

Drei Klinikdirektoren beantworten Fragen rund um die Geburt

Säuglinge und Schwangere gehören nicht zur Covid-Risikogruppe. Eine Geburt ist gefahrlos möglich.


Für Schwangere ist die aktuelle Corona-Krise eine Herausforderung. Frauen, die kurz vor einer Geburt stehen, haben Sorge vor einer Ansteckung und einer Übertragung des Virus‘ auf das ungeborene Kind. Auch ganz praktische Sorgen treiben die werdenden Mütter an: „Darf mein Partner mit in den Kreißsaal?“ Antworten geben die drei Klinikdirektoren Professor Dr. Philipp Soergel, Dr. Albert Neff und Dr. Manfred Schmitt der Geburtskliniken in Minden, Lübbecke und Bad Oeynhausen:  

Sind Schwangere besonders gefährdet?
Univ.-Prof. Dr. Philipp Soergel: Nein, wie die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe bestätigt, gibt es bisher keine Daten darüber, dass Schwangere, die an Covid19 erkrankt sind, schwerer oder anders betroffen sind als Nicht-Schwangere. Auch bei einer Infektion sind die Krankheitsverläufe nicht schwerer als bei anderen Patienten.

Ist das ungeborene Kind gefährdet?
Dr. Albert Neff: Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Virus nicht über den Mutterkuchen, also die Plazenta, auf das ungeborene Kinder übertragen wird. Auch durch die Muttermilch wird das Virus nicht übertragen. Insofern können Neugeborene gefahrlos gestillt werden.

Ist eine Infektion mit dem Corona-Virus in der Schwangerschaft gefährlich für das Kind?
Dr. Manfred Schmitt:  Nicht gefährlicher als jede andere Grippe oder Erkältung auch. Vor der 22. Schwangerschaftswoche sollten sich die Frauen bei schweren grippalen Symptomen (Fieber über 38 Grad) telefonisch bei ihrem Hausarzt, Frauenarzt oder im Diagnose- und Behandlungszentrum am Johannes Wesling Klinikum in Minden melden. Wer nach der 22. Schwangerschaftswoche schwer erkrankt, sollte sich direkt telefonisch im jeweiligen Kreißsaal melden. Bei Blutungen oder Fruchtwasserverlust während einer Erkrankung sollten sie sich telefonisch im Johannes Wesling Klinikum anmelden.

Wenn ich an Covid19 erkrankt bin: Ist eine Entbindung Erkrankung möglich?
Univ.-Prof. Dr. Philipp Soergel: Ja, wichtig ist nur, dass sich Arzt und Hebamme entsprechend schützen können. Daher sollten Schwangere in jedem Fall etwaige grippale Symptome erwähnen. Grundsätzlich wirkt sich die Erkrankung nicht auf die Form der Geburt aus. Sollten Schwangerere mit Verdacht oder bestätigtem Covid19 in die Geburtsklinik kommen, werden sie allerdings räumlich separiert.

Ist Fieber für das Kind gefährlich?
Dr. Alber Neff: Leichtes und zeitlich begrenztes Fieber ist meist unproblematisch. Liegt die Temperatur über 39 Grad und hält mehr als 24 Stunden an, kann der Körper allerdings überhitzen, das kann für das Ungeborene gefährlich werden und zu vorzeitigen Wehen führen. Hier sollte der Rat des Haus- oder Frauenarztes eingeholt werden.

Wenn ich an Covid19 erkrankt bin, wie verläuft dann die Schwangerschaftsvorsorge?
Dr. Manfred Schmitt: Der jeweilige Frauenarzt sollte telefonisch oder per Mail über den Zustand informiert werden. Dasselbe gilt für die Klinik, die für die Geburt ausgewählt wurde. Wichtig dabei: immer erst telefonisch Kontakt aufnehmen. Damit geben Sie uns Ärzten, den Hebammen und allen anderen Helfern die Möglichkeit, uns zu schützen. Sie brauchen keine Angst zu haben, dass Schwangere mit Covid19 nicht behandelt werden.

Wenn ich selbst erkrankt bin, stecke ich nicht nach der Geburt das Kind an?
Univ.-Prof. Dr. Philipp Soergel: Säuglinge sind durch Antikörper gegen sehr viele Krankheiten geschützt. Noch ist die Datenlage sehr dünn. Aber es gibt weltweit sehr, sehr wenige Berichte, wonach Säuglinge an Covid19 erkrankt sind. Auch das Stillen ist in der Regel kein Problem.

Darf mich ein Partner in den Kreißsaal begleiten?
Dr. Albert Neff: Grundsätzlich besteht ein Besuchs- und Betretungsverbot in unseren Kliniken. Eine Ausnahme besteht aufgrund der besonderen emotionalen Situation im Kreißsaal. Eine Person darf weiterhin die werdende Mutter begleiten. Voraussetzung ist, dass diese Person keine grippalen Symptome aufweist und gesund ist. Ein Wechsel der Person während der Geburt ist leider nicht möglich. Diese Regel gilt bis auf Weiteres für alle Kreißsäle der Mühlenkreiskliniken.

Darf mich mein Partner nach der Geburt besuchen?
Dr. Manfred Schmitt: Ja, auch hier machen wir in allen drei Häusern eine Ausnahme. Der Vater oder eine andere Begleitperson ist zwischen 15 und 18 Uhr auf den Neugeborenen-Stationen willkommen. Aber auch hier gilt, dass die Kontaktperson gesund sein muss. Es ist nicht möglich, dass verschiedene Kontaktpersonen auf der Neugeborenen-Station erscheinen. Über Ausnahmen in besonderen Fällen entscheidet der diensthabende Oberarzt.